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VW-Händlerverträge: Bereit für die Unterschrift

| Autor: Jens Rehberg

Als wäre nie etwas gewesen, haben Thomas Zahn und Dirk Weddigen von Knapp in Wolfsburg Seite an Seite den neuen Händlervertrag präsentiert. Die letzten Stolpersteine aus dem ursprünglichen 410-Seiten-Buch haben sich offenbar in Luft aufgelöst.

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Dirk Weddigen von Knapp und VW-Vertriebschef Thomas Zahn präsentierten gemeinsam in Wolfsburg die Eckpunkte des neuen Händlervertrags.
Dirk Weddigen von Knapp und VW-Vertriebschef Thomas Zahn präsentierten gemeinsam in Wolfsburg die Eckpunkte des neuen Händlervertrags.
(Bild: Rehberg / »kfz-betrieb«)

Der neue VW-Händlervertrag ist fertig. „410 Seiten sind es jetzt nicht mehr“, sagte der Präsident des Volkswagen- und Audi-Partnerverbands, Dirk Weddigen von Knapp, sichtlich erleichtert am Mittwoch in Wolfsburg anlässlich eines Pressegesprächs. Nach Streichungen und Straffungen zahlreicher Passagen in den vier Verträgen (Vertrieb, Service, Digital und Großkunden), um die der Verband in den vergangenen Monaten mit dem Hersteller teilweise erbittert gerungen hatte, ist die endgültige Fassung nun deutlich schlanker ausgefallen.

Erstaunlicher als die Tatsache, dass die ursprünglich weit auseinanderliegenden Positionen nun sogar einigermaßen pünktlich in Einklang gebracht werden konnten, war allerdings der Charakter der Bekanntmachung. Nachdem der Handel monatelang die Forderungen des Herstellers und auch seine allgemeine Haltung massiv kritisiert hatte, präsentierte man sich jetzt partnerschaftlich verbunden.

Der Händlerverbandspräsident war sich offensichtlich im Klaren darüber, wie die überraschende Neubewertung des Händler-Herstellerverhältnisses aufgenommen werden würde. Deshalb nahm er sich viel Zeit, den Hintergrund der Kehrtwende zu erläutern. Unterstützt durch Beratung von unabhängiger Seite sei man schon in einem frühen Stadium des Verhandlungsmarathons zu der Einsicht gelangt, dass man angesichts kommender Herausforderungen – wie des Wegfalls von Serviceumsätzen bei E-Fahrzeugen oder des Markteintritts mächtiger digitaler Player – allein in einer sehr engen Kooperation mit dem Hersteller würde bestehen können. Noch vor zwei Jahren sei das Verhältnis der beiden Parteien zueinander ganz klar von den jeweiligen Eigeninteressen geprägt gewesen.

Künftig dagegen soll die Zusammenarbeit so intensiv sein, dass sich Dirk Weddigen von Knapp bereits Sorgen um übervolle Terminpläne bei den Händlervertretern macht. So seien beispielsweise gemeinsame Projekte zur Entwicklung von Regelungen angedacht, die neue Geschäftsfelder beträfen, welche im Zuge der Elektrifizierung wohl nach Ansicht des Händlerverbandspräsidenten unumgänglich auf die Händler zukommen würden. „Da müssen wir mitmachen, wir kommen gar nicht drum herum“, so Weddigen von Knapp.

Bei aller neuen Nähe zum Fabrikat hat der Verband für die zuletzt noch offenen Punkte in den Vertragsgesprächen offenbar gute Ergebnisse verhandeln können. So ist der Direktvertrieb über die Wolfsburger Autostadt, mit dem VW geliebäugelt hatte, vom Tisch.

Und bei den neuen digitalen Produkten, zum Beispiel den viel zitierten „Functions on Demand“, sollen die Partner über alle Produkte sowie über alle Verkaufskanäle hinweg am Umsatz beteiligt werden. Dabei soll der Partneranteil höher sein, wenn das jeweilige Produkt schon beim Erstverkauf enthalten ist oder im Nachgang aktiv verkauft wird. Geringer soll der Anteil sein, wenn der Kunde das Produkt beispielsweise aus dem Fahrzeug heraus und aus eigenem Antrieb hinzubucht. Auch bei kabellosen Softwareupdates, dem „Flashen over the Air“, konnte man sich auf den letzten Metern einigen.

Dirk Weddigen von Knapp ist sich sicher, dass die neuen Rahmenbedingungen gute Voraussetzungen für eine auskömmliche Rendite der Vertragspartner darstellen. Am 13. September wird der Volkswagen- und Audi-Partnerverband seine Mitglieder über alle Details der neuen Vereinbarungen informieren. Auch der Hersteller will den Partnern im Rahmen eines Händlertages im September seine Sicht der Dinge vermitteln.

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Über den Autor

 Jens Rehberg

Jens Rehberg

Stellv. Chefredakteur und Ressortleiter Newsdesk des »kfz-betrieb«