VW: „Keine großen finanziellen Einbußen für den Handel durch WLTP“

Freigaben liegen nur für sieben von 14 Baureihen vor

| Autor: Christoph Seyerlein

Thomas Zahn
Thomas Zahn (Bild: Rehberg / »kfz-betrieb«)

VW hat weiter schwer mit der Umstellung auf den neuen Prüfzyklus WLTP zu kämpfen. Wie Marketing- und Vertriebsleiter Thomas Zahn am Donnerstag bei einer Telefonkonferenz sagte, liegen aktuell nur für sieben der insgesamt 14 Baureihen Zertifizierungen vor. Das heißt aber nicht, dass die Hälfte aller VW-Modelle bereits eine Genehmigung besitzt, die Variantenvielfalt seiner Produktpalette macht den Wolfsburgern zusätzlich zu schaffen, da im neuen Zyklus auch Sonderausstattungen berücksichtigt werden. Alleine beim Golf gibt es Zahn zufolge beispielsweise rund zwei Millionen Kombinationsmöglichkeiten.

Besonders bitter für VW-Partner: Mit Golf und Tiguan werden die beiden volumenstärksten Baureihen der Marke keine Freigabe zum Stichtag 1. September haben. Beide hätten natürlich Priorität genossen, sagte Zahn, „leider werden sie jetzt nicht pünktlich fertig.“ In Wolfsburg rechnet man allerdings damit, „schon in den nächsten Tagen“ einige Zertifizierungen von den Behörden zu erhalten.

Wer nun einen Golf oder einen Tiguan bestellen will, kann das tun, müsse sich aber solange gedulden, bis die Freigabe vorliege, ehe er vom Händler genaue Angaben etwa zur Lieferzeit erhalte. Aktuell liegen VW Freigaben für bestimmte Varianten von Up, Polo, T-Roc, Passat (Variant und Limousine), Arteon und Touareg vor. Plug-in-Hybride werden laut Zahn erst 2019 wieder bestellbar sein, bei Erdgas-Autos soll es noch in diesem Jahr wieder soweit sein. Alles in allem hoffe man in Wolfsburg darauf „in rund drei Monaten wieder nah an der vollen Verfügbarkeit“ zu sein, so Zahn.

Auch aufgrund der Verzögerungen rechnet Thomas Zahn in den kommenden Monaten mit einer Absatzdelle in Deutschland. Er zeigte sich aber zuversichtlich, diese Phase zum Ende des Jahres wieder ausgleichen zu können. „Wir erwarten starke Auslieferungsergebnisse im November und Dezember“, so Zahn.

Für den Handel ist das keine einfache Situation, hat er doch weiter beständige Bestelleingänge, die er derzeit allerdings nicht adäquat bedienen kann und damit Ertragsausfälle. Laufende Kosten beispielsweise für Personal und bei der Bank laufen selbstredend trotzdem weiter. Laut Thomas Zahn ist die Situation aber nicht übermäßig kritisch. „Wir erwarten keine großen flächendeckenden finanziellen Auswirkungen auf unser Händlernetz, keine enormen Geschäftsverluste.“

„Händlerrendite hat sich positiv entwickelt“

Er schränkte allerdings ein, dass es in Einzelfällen zu Problemen kommen könnte. „Sollte das so sein, sind wir jederzeit gesprächsbereit“, sagte Zahn auf die Frage, ob Händler in Schwierigkeiten mit Unterstützung des Herstellers rechnen könnten. Zahn wies zudem darauf hin, dass sich VW in einem „sehr erfolgreichen Geschäftsjahr“ befinde, auch der Handel würde davon profitieren. „Die Händlerrendite hat sich im Vergleich zum Vorjahr bislang positiv entwickelt“, sagte der Manager, ohne genaue Zahlen zu nennen. Zahn lobte in dem Zusammenhang, dass der Handel die vielen Herausforderungen gut meistere und „tolle Arbeit“ leiste.

Für den weiteren Jahresverlauf sei man in Wolfsburg davon überzeugt, dass es keine größeren Ertragsausfälle geben werde, sondern lediglich „Verschiebungen nach hinten“. Die Bestelleingänge sähen weiter positiv aus, „bei uns springen keine Kunden ab“, sagte Zahn. Händler sollten aus Zahns Sicht ihre Verkäufer darauf hinweisen und gegebenenfalls beispielsweise die Provisions-Regelung der Situation anpassen.

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