VW macht Diesel-Nachrüstern Zugeständnisse

Autor: Christoph Seyerlein

Fans der Hardware-Nachrüstung für ältere Diesel werden sie bei VW definitiv nicht mehr. Zumindest bereit zum Diskurs ist der Hersteller aber. Am Freitag trafen sich die Wolfsburger mit den vier potenziellen Nachrüst-Anbietern in Deutschland – und machten dabei zwei Zugeständnisse.

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(Bild: Twintec Baumot)

Volkswagen hält weiter wenig von der Hardware-Nachrüstung älterer Diesel – zeigt sich in der Diskussion aber zumindest gesprächsbereit. Wie ein Sprecher des Herstellers gegenüber »kfz-betrieb« bestätigte, trafen sich am Freitag Volkswagen-Experten mit Vertretern der vier Nachrüst-Anbieter in Deutschland HJS, Twintec (heute Baumot AG), Oberland Mangold und Dr. Pley.

Dabei habe man unter anderem darüber gesprochen, welche technischen Herausforderungen beim Einsatz autarker Nachrüstsysteme in älteren Fahrzeugen bestünden. Besonders betrachtet wurde dabei offenbar die Notwendigkeit einer dauerhaften Funktionssicherheit. Volkswagen sieht die Vorgabe in der Richtlinie von Verkehrsminister Andreas Scheuer, dass jeder Kunde bei einer Nachrüstung einen Anspruch auf fünf Jahre Garantie hat, weiter skeptisch. Anfang des Jahres hatten die Wolfsburger jene Forderung gar als „nicht zu verantworten“ bezeichnet.

Nachrüster sollen Zulieferer-Komponenten nutzen dürfen

Zwei konkrete Ergebnisse haben sich im Rahmen der Gespräche vom Freitag dem Vernehmen nach ergeben:

  • Volkswagen erklärt sich bereit, den Nachrüstern Werte zum Fahrwiderstand herauszugeben.
  • Gestattungsverträge zur Nutzung von Zulieferer-Komponenten aus der Serienfertigung sollen gestaltet werden.

Beide Punkte sollen den Nachrüst-Anbietern die Produktion ihrer Systeme erleichtern. Weitere Details will Volkswagen mit den Unternehmen in einem Folgetermin klären. Ähnlich kooperativ hat sich in der Nachrüst-Diskussion bislang nur Daimler gezeigt. Die Stuttgarter stellen ihre technischen Daten den Nachrüstern seit Oktober 2018 zur Verfügung. Ein Daimler-Sprecher sagte, dass die Unternehmen diese benötigten, um bewerten zu können, für welche Mercedes-Benz Baureihen sie Hardware-Lösungen entwickeln und anbieten werden. Die meisten anderen Autohersteller lehnen Nachrüstungen dagegen weiter kategorisch ab.

Eine eigene Nachrüst-Lösung wollen Volkswagen und Daimler allerdings weiterhin nicht anbieten. VW will Kunden, die in einer der 16 „Intensivstädte“ mit besonders hoher Schadstoffbelastung in der Luft leben, mit bis zu 3.000 Euro unterstützen, wenn sie eine Nachrüstung ihres Diesels explizit wünschen. Voraussetzung ist dabei, dass die Technik dafür von den Behörden freigegeben wird. Bislang ist das bei noch keinem System der Fall.

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 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«