Elektromobilität VW-Markenchef Brandstätter fordert zügigen Ausbau der Ladeinfrastruktur

Autor / Redakteur: dpa / Jakob Schreiner

„Die Elektroautos kommen, und es sind viele“, sagt VW-Markenchef Ralf Brandstätter. Deshalb müsse das öffentliche Ladenetz ausgebaut werden und Bund, Länder und Kommunen müssten ihre Anstrengungen dahingehend deutlich verstärken.

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Der VW-Markenchef Ralf Brandstätter fordert mehr öffentlich zugängliche Ladesäulen.
Der VW-Markenchef Ralf Brandstätter fordert mehr öffentlich zugängliche Ladesäulen.
(Bild: Volkswagen)

Der Autobauer Volkswagen hat mehr Tempo beim Ausbau des Ladesäulen-Netzes für Elektroautos angemahnt. Die Autos würden sehr stark nachgefragt. Wo es aber noch deutlich hapere, sei das Laden im öffentlichen Raum, sagte VW-Markenchef Ralf Brandstätter am Donnerstag in Zwickau. „Die Elektroautos kommen, und es sind viele.“ Bund, Länder und Kommunen müssten ihre Anstrengungen beim Ausbau der Ladeinfrastruktur deswegen deutlich verstärken.

Die Politik habe auf diesem Feld wertvolle Zeit verloren, sagte der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Cem Özdemir, in Zwickau. „Beim Pkw hat sich die Elektromobilität durchgesetzt.“ Nun müssten Politik und Wirtschaft dafür sorgen, dass die Ladeinfrastruktur für Elektroautos mindestens so bequem sei wie die für Verbrenner. Vor allem in Städten müsse das öffentliche Ladenetz ausgebaut werden. Sowohl Brandstätter als auch Özdemir betonten, dass es auch einen weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien brauche. Sonst würden die Autos letztlich mit Kohlestrom gefahren, kritisierte der Grünen-Politiker.

VW hat in den vergangenen Jahren sein Werk in Zwickau komplett auf die Fertigung von E-Autos umgestellt. Dort werden mehrere Modelle etwa auch für Audi produziert. Bis zum Sommer soll die Kapazität auf rund 1.400 Fahrzeuge pro Arbeitstag hochgefahren werden. Insgesamt will Volkswagen dieses Jahr 300.000 reine Elektrofahrzeuge sowie rund 150.000 Hybridautos an Kunden ausliefern.

Ziel: 15 Millionen E-Autos bis 2030

„Um die Klimaziele zu erreichen, brauchen wir bis 2030 mindestens 15 Millionen E-Autos auf der Straße“, sagte Özdemir. Der Umstieg auf Elektroautos sei zugleich eine Klima- und eine Standortfrage. Denn viele in Deutschland produzierte Elektroautos gingen in den Export. Er betonte zugleich, dass die Förderung für den Kauf von E-Autos in den kommenden Jahren sinken werde. Sie müsse langsam und schrittweise heruntergefahren werden.

Als Problem für Fahrer von E-Autos erweisen sich häufig Defizite in der Ladeinfrastruktur. Nicht nur fehlende Verfügbarkeit von Ladesäulen, auch lange Batterieladezeiten sind oft ein Ärgernis.

Die Bundesregierung hatte jüngst eine Verordnung beschlossen, um ein einheitliches Bezahlsystem zu schaffen. Ladesäulen, die ab dem 1. Juli 2023 in Betrieb gehen, müssen demnach mindestens eine kontaktlose Zahlung mit gängigen Debit- und Kreditkarten anbieten. Bestehende Ladesäulen müssen aber nicht nachgerüstet werden. Zudem soll das Netz von Schnellladesäulen ausgebaut werden. Dazu sollen mit staatlicher Förderung an 1.000 zusätzlichen Standorten Ladesäulen mit einer Leistung von mehr als 150 Kilowatt entstehen.

53.000 öffentliche Ladepunkte reichen nicht

Laut einer Auswertung des Energiekonzerns Eon gibt es in Deutschland bisher fast 53.000 öffentliche Ladepunkte für E-Autos, die meisten davon in Bayern. Bei der Bundesnetzagentur sind mehr als 6.000 Schnellladepunkte gemeldet.

Nach dem Ausbau der Elektromobilität seien die Digitalisierung und autonomes Fahren weitere Schritte für die Zukunft, sagte der Technik-Vorstand von Volkswagen, Thomas Ulbrich. So sollen alle Modelle des ID mittelfristig so ausgestattet sein, dass das Fahrzeug nicht nur selbst geladen werden, sondern auch Energie in den Hauskreislauf oder das Stromnetz abgeben könne. Ulbrich: „Fahrzeuge werden damit zu flexiblen Energiespeichern. Der Besitzer ist damit in der Lage, seine Energiekosten zu optimieren.“ Dazu müssten aber Rahmenbedingungen für flexible Stromtarife geschaffen werden.

Nach den Worten von Özdemir muss Deutschland auch in Bereichen wie autonomes Fahren und Digitalisierung im Automobilbereich führend sein. Beim Antrieb der Zukunft habe sich beim Pkw seiner Einschätzung nach die Elektromobilität gegenüber der mit Wasserstoff betriebenen Brennstoffzelle durchgesetzt. Wasserstoff werde als Energieträger in anderen Bereichen wie der Industrie und dem Flugverkehr benötigt.

Auch Brandstätter sagte, dass VW kein Auto mit Brennstoffzelle plane. Es sei sinnvoller, Strom aus Wind oder Sonne in die Batterie zu stecken, als damit erst Wasserstoff für den Antrieb von Autos zu erzeugen.

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