Suchen

VW-Mitarbeiter sind mit der Konzernführung unzufrieden

Autor: Christoph Seyerlein

An einer internen Umfrage des Betriebsrats haben mehr als 51.000 VW-Mitarbeiter teilgenommen. Die „Bild“-Zeitung berichtet nun über erste Ergebnisse. Für die Chefetage des Autobauers fallen diese wenig schmeichelhaft aus.

Firmen zum Thema

Rund 51.000 VW-Mitarbeiter haben an der Umfrage teilgenommen.
Rund 51.000 VW-Mitarbeiter haben an der Umfrage teilgenommen.
(Bild: VW)

Warnschuss für die VW-Spitze: Eine interne Umfrage des Betriebsrats legt offen, dass die Stimmung bei den VW-Mitarbeitern schlecht ist. Wie die „Bild“-Zeitung unter Berufung auf ein internes Papier berichtet, haben 51.401 Beschäftigte an der Umfrage teilgenommen. Betreut wird das Projekt von Professor Ludger Pries von der Ruhr-Universität Bochum.

Rund zwei Drittel der Umfrage-Teilnehmer gaben dem Bericht zufolge an, die Arbeit des VW-Vorstands für „nicht überzeugend“ zu halten. Nur ein Drittel erkennt – wie die Konzernbosse selbst – eine „Verbesserung der Unternehmenskultur“.

Gerade in der Diesel-Affäre wünschen sich die VW-Mitarbeiter mehr Transparenz durch ihre Vorgesetzten. Die interne Aufklärung durch den Vorstand sei „ungenügend“, viele Beschäftigte kritisieren, nicht eingebunden zu werden und einen Großteil der Informationen zu dem Thema aus den Medien zu erfahren.

Außerdem herrscht trotz guter wirtschaftlicher Zahlen weiter Angst um die eigenen Jobs. Weniger als die Hälfte der Mitarbeiter hat laut der „Bild“ das Gefühl, etwas zur Zukunftsfähigkeit von VW beitragen zu können. Viele bemängeln auch fehlendes Interesse der Entscheider daran, die Arbeitsplätze langfristig zu sichern. Zudem kann mehr als jeder zweite Befragte personelle Veränderungen in seinem direkten Arbeitsumfeld nicht nachvollziehen.

Kritik an den Arbeitsbedingungen

Auch mit den generellen Arbeitsbedingungen sind viele Mitarbeiter nicht einverstanden. So befürchten 43 Prozent der Befragten, dass ihr Job langfristig negative gesundheitliche Folgen für sie haben könnte.

Die Umfrage hatte der Betriebsrat im November 2017 an zehn Standorten begonnen, sie zog sich bis Ende Dezember hin. VW zufolge sind noch nicht alle Daten ausgewertet. Genauere Informationen dazu will der Autobauer im Rahmen einer Betriebsversammlung am 27. Februar vorstellen.

In einem internen Interview sagte Personalvorstand Karlheinz Blessing laut „DPA§: „Wer viel tut, der macht nicht alles richtig. Das gilt für jeden.“ Er betonte aber, das Thema Diesel werde „unverändert mit großem Kraftaufwand“ aufgearbeitet, die Transformation des Unternehmens sei sozialverträglich in Gang gesetzt. „Eine Kulturveränderung kann man nicht kurzfristig umsetzen, sie erfordert Zeit.“ Die meisten Beschäftigten sähen Volkswagen aber als guten Arbeitgeber.

Auch Betriebsratschef Bernd Osterloh äußerte sich im VW-Intranet zur Kritik am Unternehmen: „Die interne Kommunikation benötigt Reformen, der Kulturwandel kommt nicht aus den Startlöchern, etliche Kolleginnen und Kollegen machen sich langfristig Sorgen, ob sie gesund in die Rente kommen. Und, für mich besonders alarmierend: Die große Mehrheit der Befragten fühlt sich auf dem Weg in die Zukunft unzureichend eingebunden – das darf nicht sein.“

Er gab zu bedenken, dass die Mitarbeiter daran zweifeln würden, „dass bei Volkswagen Wirtschaftlichkeit und Beschäftigungssicherung tatsächlich noch als gleichrangige Unternehmensziele gesehen werden. Diese Befürchtung müssen wir sehr ernst nehmen.“ Blessing betonte, für jeden Standort sei eine Perspektive für die Zukunft entwickelt worden: „Wir unternehmen enorme Anstrengungen, Arbeit bei Volkswagen dauerhaft zukunftsfest zu machen.“

Osterloh wiederum sagte, die große Mehrheit der Kollegen wünsche sich tarifliche Wahlmöglichkeiten für mehr Entgelt oder mehr Freizeit. 73 Prozent hätten gerne mehr flexible Arbeitszeitmodelle.

(ID:45143983)

Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«