VW setzt auf Leasing und Finanzierung als Krisen-Gegenmittel

Autor: Christoph Seyerlein

Trotz wieder geöffneter Schauräume läuft der Autoverkauf bei VW weiter schleppend. Der Hersteller will gegensteuern und setzt dabei vor allem auf Leasing- und Finanzierungsangebote. Warum? Das erläuterten Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann und Deutschlandchef Holger B. Santel am Montag.

Firmen zum Thema

„Einen Stotterstart gilt es maximal zu vermeiden“, sagt VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann.
„Einen Stotterstart gilt es maximal zu vermeiden“, sagt VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann.
(Bild: Volkswagen)

VW sieht die größten Chancen, den durch die Corona-Krise schwer gebeutelten Vertrieb wieder anzukurbeln, in Leasing- und Finanzierungsangeboten für Kunden. Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann und Deutschlandchef Holger B. Santel stellen am Montagvormittag den Plan der Marke im Detail vor.

Ab dem 15. Mai bietet Volkswagen Konsumenten zu einem neuen Leasing- oder Finanzierungsvertrag ein „rundum sorglos Paket“, das beim Verlust des Arbeitsplatzes Ratenschutz bieten soll und auch Leistungen wie Wartung und Inspektion sowie eine Anschlussgarantie für die gesamte Laufzeit beinhaltet. Für Neuwagen mit Leasing- oder Finanzierungslaufzeiten von 36 oder 48 Monaten mit jeweils 10.000 km inklusive kostet das Paket 9,99 Euro im Monat. Für Gebrauchtwagen erhöht sich bei einer Laufzeit ab 42 Monaten der Paketpreis auf 14,99 Euro im Monat. Die Aktion läuft bis zum 31. Juli. Bereits in der Einstiegsklasse soll der Kundenvorteil laut VW rund 900 Euro betragen.

Zudem will der Hersteller mit niedrigen Leasing- und Finanzierungskonditionen punkten. Den Up gibt es in limitierter Zahl ab 99 Euro pro Monat. „Einen gut ausgestatteten Golf bieten wir ab 199 Euro im Monat an“, ergänzte Santel. Insgesamt nimmt VW nach Angaben von Jürgen Stackmann einen zweistelligen Millionenbetrag in die Hand, um das Programm anzuschieben.

Die Aktion soll auf den Maßnahmen aufsetzen, die VW Mitte April seinen Händlern kommuniziert hatte. Dabei drehte sich noch alles um die Bestandsfahrzeuge im Handel, nachdem zunächst vor allem die Liquiditätssicherung der Partner im Fokus gestanden hatte. Jürgen Stackmann bewertete den bisherigen Fahrplan am Montag durchaus positiv: „Uns ist in den letzten Wochen kein Fall einer Insolvenz im Handel bekannt. Wir sind also gut durch diese Zeit gekommen“, erklärte er.

„Wir kämpfen gegen ein ängstliche Stimmung im Markt an“

Nun will der Hersteller aber auch wieder vermehrt Bestellungen für Neufahrzeuge generieren. Stackmann sagte dazu: „Unsere Werke und die Lieferkette kommen erst dann wieder richtig in Gang, wenn der Abverkauf läuft. Einen Stotterstart gilt es maximal zu vermeiden.“

Dass sich die Wolfsburger dabei besonders auf Leasing und Finanzierung konzentrieren, liegt laut Stackmann vor allem an der derzeitigen Sorge vor großen Investitionen bei den Konsumenten. „Psychologie spielt eine große Rolle. Wir kämpfen gegen ein ängstliche Stimmung im Markt an“, erklärte der Vertriebsvorstand. Der Hersteller wolle den Kunden Sicherheit geben und die Kosten berechenbar halten.

Im Handel habe VW seit der Wiedereröffnung eher verhaltene Reaktionen verzeichnet. „Große Kauflust ist ganz klar nicht zu erkennen“, so Stackmann. Das Geschäft mit Leasingrückläufern sei über die VW-Bank gut abgesichert, der Hersteller sehe dabei wenige Gefahren, „solange ein Händler dabei nicht selbst groß ins Risiko geht“, sagte Holger Santel. Letztlich müssten die Partner selbst entscheiden, welche Angebote sie Kunden machen wollen und können.

Sorge vor erneutem Produktionsstopp

Gegen Preisnachlässe beim Kauf eines Autos hat sich VW nach Angaben der beiden Manager gezielt entschieden. Santel erklärte: „Wir wollen nicht die Rabattschleuderei anheizen.“ Erst kürzlich hatte der Hersteller die Preise für viele Modelle sogar erhöht. Nicht zuletzt hofft man in Wolfsburg in dem Zusammenhang weiter auf eine staatliche Kaufprämie. Eine Entscheidung darüber soll bis Anfang Juni fallen.

Stackmann betonte am Montag erneut, dass eine solche Förderung wichtig sei. In China sei der Markt zwar schnell zurückgekommen, in Europa mit seinen deutlich gesättigteren Märkten sei damit in der Form aber nicht zu rechnen. Während die Krise im Reich der Mitte einen V-förmigen Verlauf genommen habe, erwartet Volkswagen auch hierzulande eher ein „Badewannen-Szenario“, wie es Stackmann beschrieb. Heißt: Der Markt wird deutlich schwieriger wieder in Fahrt kommen. Bessere sich die Situation im Vertrieb nicht bald, könnte das für VW zusätzliche Probleme nach sich ziehen, warnte Stackmann: „Wir wollen unter allen Umständen einen erneuten Produktionsstopp verhindern. Ob das gelingt, ist aber noch nicht sicher.“

(ID:46574856)

Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Fachredakteur Next Mobility