Antriebswende VW setzt nun doch auf synthetische Kraftstoffe – aber nicht in Europa

Autor: Christoph Seyerlein

Volkswagen-Chef Herbert Diess hat synthetische Kraftstoffe in der jüngeren Vergangenheit regelmäßig als zu teuer und zu ineffizient bezeichnet. Nun setzt VW aber doch auf solche Treibstoffe. Wo und warum das der Fall ist.

Da eine Ladeinfrastruktur für E-Autos in Brasilien noch kaum vorhanden ist, setze man dort auf Bioethanol, erklärte VW-Markenchef Ralf Brandstätter am Montag.
Da eine Ladeinfrastruktur für E-Autos in Brasilien noch kaum vorhanden ist, setze man dort auf Bioethanol, erklärte VW-Markenchef Ralf Brandstätter am Montag.
(Bild: Volkswagen)

Bei Volkswagen bewegt sich alles in Richtung Elektromobilität. Oder? Zwar hat der Automobilhersteller kürzlich angekündigt, zwischen 2033 und 2035 aus der Verbrennertechnologie aussteigen zu wollen. Doch diese Aussage gilt nur für den europäischen Markt. In China und den USA soll es nur unwesentlich länger dauern. Anderswo sieht es aber doch wieder ganz anders aus.

Und so erklärte VW-Markenchef Ralf Brandstätter am Montag, dass man beispielsweise in Brasilien verstärkt auf Bioethanol setzen werde. Also auf einen synthetischen Kraftstoffe. Und das, obwohl Konzernchef Herbert Diess ebenjene Treibstoffe in der jüngeren Vergangenheit regelmäßig als zu teuer und ineffizient gebrandmarkt hatte.

In Brasilien sei es aber so, dass es in absehbarer Zeit kaum Lademöglichkeiten für batteriebetriebene Fahrzeuge geben werde, so die Begründung von Volkswagen zu der Entscheidung. Hinzu kämen als weitere limitierende Faktoren der rudimentäre Ausbau erneuerbarer Energien und die niedrigen Einkommen in dem südamerikanischen Land. Deshalb brauche es Alternativen, um die eigene Flotte dennoch umweltschonender zu gestalten. Bis zu 90 Prozent weniger Emissionen erhofft sich der Hersteller von Fahrzeugen, die mit Bioethanol betrieben werden im Vergleich zu herkömmlichen Benzinern.

Deswegen habe man sich entschieden, ein Forschungs- und Entwicklungszentrum für synthetische Kraftstoffe in Brasilien zu errichten. Dank der immensen Zahl an Zuckerrohr-Farmen vor Ort sei Bioethanol leicht herzustellen und stelle eine effektive Brückentechnologie dar, so Brandstätter. Eine Studie des World Wildlife Fund (WWF) habe gezeigt, dass synthetische Treibstoffe bis 2030 fast drei Viertel des gesamten Kraftstoffbedarfs in dem Land decken könnten. Und das, ohne Flächen zu beanspruchen, die für die Nahrungsmittelproduktion benötigt werden.

Brandstätter: „Schöpfen alle Technologien aus“

Schon heute nutze Volkswagen vor Ort Ethanol in einigen eigenen Flottenfahrzeugen und spare so fast 1.700 Tonnen CO2 im Jahr ein. „Das ist eine weitere Möglichkeit, unseren CO2-Ausstoß zu reduzieren. Wir werden weiter alle Wege und Technologien auf unserem Weg zur Klimaneutralität ausschöpfen“, so Brandstätter.

Dass Volkswagen in absehbarer Zeit nun doch auch in Deutschland und Europa auf synthetische Kraftstoffe setzen wird, scheint unwahrscheinlich. Elektromobilität wird hierzulande aktuell stark gefördert. Zudem werden Elektroautos in der EU mit 0 Gramm CO2 pro Kilometer auf den Flottenausstoß angerechnet und zählen auch noch doppelt. So sind sie für Automobilhersteller besonders wichtig, um die immer strengeren Grenzwerte einhalten zu können und kostspielige Strafzahlungen zu vermeiden.

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 Christoph Seyerlein

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Fachredakteur Next Mobility