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VW-Skandal als Initialzündung für Ausbau der E-Mobilität

Autor: Andreas Wehner

Die deutschen Autobauer sollen den Abgas-Skandal als Anlass sehen, ihre Antriebsstrategien neu auszurichten, sagt Prof. Stefan Bratzel.

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Prof. Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management.
Prof. Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management.
(Foto: CAM)

Der Autoexperte Prof. Stefan Bratzel hält den VW-Skandal für eine Chance, die Elektromobilität voranzubringen. „Der Diesel-Abgasskandal sollte als Initialzündung für eine Neuorientierung der Antriebsstrategien der deutschen beziehungsweise europäischen Automobilindustrie dienen“, schreibt der Chef des Center of Automotive Management (CAM) in einem Positionspapier. „Die deutschen Hersteller sollten intensiv prüfen, ob sie den schweren Rucksack bisheriger Technologien nicht besser ablegen und sich konsequenter neuen Antriebstechnologien zuwenden sollten“, so Bratzel.

Derzeit vollführten die deutschen Automobilhersteller einen immer aufwändigeren und teureren technologischen Spagat: Einerseits würden Benzin- und Dieselmotoren immer weiter optimiert, um Emissionsvorgaben einzuhalten. Andererseits investierten die Hersteller parallel intensiv in neue Technologien zur Elektrifizierung wie Plug-in-Hybride, reine Elektroantriebe oder die Brennstoffzelle. Das verschlinge Milliarden an Entwicklungsgeldern und berge das Risiko der strategischen Verzettelung.

Allerdings sei der Höhepunkt der konventionellen Optimierung von Diesel- und Benzinaggregaten erreicht. Zwar seien prinzipiell noch weitere Effizienzverbesserungen in den nächsten Jahren möglich, aber die Maßnahmen dafür würden immer komplexer und teurer bei immer geringerem Nutzen.

Bratzel fordert die deutschen Autobauer auf, ihre Kompetenzen in Sachen Elektromobilität weiter auszubauen. Neben der Schaffung weiterer Rahmenbedingungen wie einer dichten Schnelllade-Infrastruktur sei es wichtig, zentrale Wertschöpfungsbausteine nach Deutschland zu holen. Das sei derzeit bei der Batteriezelltechnologie nicht der Fall. Sie sei vor allem im Südkorea und Japan angesiedelt. „Wir fordern eine konzertierte Aktion von Herstellern, Zulieferern und Regierung, um die nächste beziehungsweise übernächste Generation von Batteriezellen wieder in Deutschland entwickeln zu können“, so Bratzel. Dieser Schritt würde jedoch einen hohen Kooperationswillen und Mut zum Wandel der Akteure erfordern.

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Über den Autor

 Andreas Wehner

Andreas Wehner

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«