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VW-Vertriebschef Stackmann: „Verkaufsraum ist einer der wichtigsten Orte für mich“

| Autor: Christoph Seyerlein

Der VW-Vertriebsvorstand und sein Team arbeiten mit Hochdruck daran, den Vertrieb des Konzerns zu digitalisieren. Aufgrund der Corona-Krise sind die Wolfsburger derzeit aber mehr denn je auf den stationären Handel angewiesen, wie ein Statement des Managers zeigt.

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VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann.
VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann.
(Bild: VW)

Mit Hochdruck arbeitet VW an der Digitalisierung seines Vertriebs. Die Corona-Krise wird jene Prozesse zusätzlich beschleunigen, erklärte Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann kürzlich. Generell war der Manager in der jüngeren Vergangenheit das ein oder andere Mal mit Aussagen aufgefallen, die dem stationären Handel wenig gefielen. Insbesondere Stackmanns Ankündigung „es geht künftig nicht mehr um Glaspaläste“ aus dem Herbst 2018 ist wohl vielen VW-Partnern bis heute im Gedächtnis geblieben.

In der Gegenwart informiert der Vertriebsvorstand regelmäßig mit Videobeiträgen, wie VW im Kampf mit der Corona-Krise vorankommt. Stackmanns jüngstes Lebenszeichen brachte dabei durchaus Erstaunliches hervor: Plötzlich scheint der stationäre Handel doch wieder lebensnotwendig für die Wolfsburger zu sein. Kurz nach Wiedereröffnung der Verkaufsräume nach dem Corona-Lockdown besuchte der Manager das Autohaus Wolfsburg Hotz und Heitmann GmbH. Seinen Post beim Karrierenetzwerk LinkedIn dazu kommentierte Stackmann selbst mit folgenden Worten: „Der Verkaufsraum ist das Herz unserer Händler und damit einer der wichtigsten Orte für mich – und für unsere Kunden.“

Im Video erklärte Stackmann, der Handel sei eine zentrale Anlaufstelle für den Wiederanlauf bei VW. „Wir müssen Verkauf und Service ankurbeln. Denn nur Verkäufe im Handel führen dazu, dass wir die Produktion in den Werken wieder hochfahren können“, so der Vertriebsvorstand.

Negative Corona-Auswirkungen auf den Absatz hatte Volkswagen trotz zunehmender digitaler Maßnahmen im Vertrieb nicht verhindern können. Allein in Deutschland brachen die Neuzulassungen der Marke im März im Vergleich zum Vorjahresmonat um gut 35 Prozent ein.

VW forciert Online-Sales

Die VW-Partner hätten auf die Herausforderungen, die das Virus mit sich gebracht hat, schnell reagiert, lobte Stackmann. Prozesse hätten sich binnen kürzester Zeit verändert. Am Eingang eines VW-Autohauses gebe es nun Desinfektionsmittel, Handschuhe und Masken für Kunden, die selbst keine dabei haben. Zudem werde strikt darauf geachtet, dass Käufer wie Mitarbeiter die Abstandsregeln beachten.

Stackmann erklärte darüber hinaus, dass er in Deutschland einen guten Kundenverkehr im VW-Netz beobachte, auch wenn der Start nach dem Corona-Lockdown noch etwas schleppend laufe. „Das haben wir so erwartet“, sagte er. Den kommenden Wochen blickt der Vertriebsvorstand aber offenbar optimistisch entgegen. Beispielsweise sei das neue VW T-Roc Cabrio ein „tolles Zeichen“ dafür, dass der Frühling und der Sommer bevorstehen.

Anlaufstelle Autohaus könnte perspektivisch an Bedeutung verlieren

Interessant sind Stackmanns Aussagen auch deshalb, da VW mit der Markteinführung des ID 3 im Privatkundengeschäft in den Agenturvertrieb einsteigt. Zwar bleibt der Handel dabei fester Bestandteil des Verkaufsprozesses und bekommt eine feste Marge, Teile der Abwicklung und den finalen Abschluss verlegt VW damit aber ins Internet. Die Anlaufstelle Autohaus könnte dadurch perspektivisch an Bedeutung verlieren.

Stackmann und auch Konzernchef Diess hatten auch zuletzt wieder mehrfach betont, künftig den Kundenkontakt direkt beim Hersteller haben zu wollen. Verläuft der „Agentur-Pilot“ erfolgreich, sei es auch nicht ausgeschlossen, dass die Wolfsburger das System auf weitere Modelle neben der elektrischen ID-Familie ausweiten, erklärte Deutschlandchef Holger B. Santel kürzlich im Gespräch mit »kfz-betrieb«.

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