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VW: „Wir können nicht jeden Händler retten“

Autor: Christoph Seyerlein

Die Corona-Krise trifft den VW-Handel hart. Nicht jeder Partner wird die aktuelle Phase überstehen. Im Gespräch mit »kfz-betrieb« erläuterte Deutschlandchef Holger B. Santel, wie der Hersteller gemeinsam mit den Händlern bestmöglich aus der schwierigen Situation herauskommen will.

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(Bild: Seyerlein/»kfz-betrieb«)

Die Corona-Krise trifft den Autohandel weiter schwer. Auch das VW-Netz bildet dabei keine Ausnahme. Im Gespräch mit »kfz-betrieb« sagte Deutschlandchef Holger B. Santel am Donnerstag: „Gerade Betriebe, die vor der Krise schon krank waren, werden durch Corona natürlich nicht gesünder. Es gibt Anzeichen, dass es hier und da schwieriger wird für Händler. Es wird nicht ausbleiben, dass Partner schneller insolvent gehen.“

Der Hersteller wolle in dem Zusammenhang so gut es gehe unterstützen, müsse dabei aber für alle Partner dieselben Regeln anwenden. „Wir sind immer bereit zu helfen. Aber wir können nicht jeden Händler und Unternehmer in jeder Situation retten“, so Santel.

Gespräche über neues Bonus- und Margensystem

Man befinde sich weiterhin in sehr engem Austausch mit dem Partnerverband, betonte der Manager. Dabei werde auch über ein Thema gesprochen, dass viele Händler aktuell besorgt: Das neue Bonus- und Margensystem. Aufgrund der Krise dürften die ausgehandelten Ziele kaum zu erreichen sein. Allerdings haben Boni aufgrund einer geringeren Grundmarge für Händler eine deutlich höhere Bedeutung, seit die neuen Verträge am 1. April in Kraft getreten sind.

Die Rufe, jenes System kalkulierbar zu machen, waren zuletzt lauter geworden. Santel sagte dazu: „Wir reden aktuell darüber, welche Margen- und Bonus-Anteile wir fix auszahlen werden und wie viel auf der Leistung der Händler basiert bleiben wird. Einen gewissen Anreiz zum Verkauf wollen wir schon beibehalten.“ Er sei zuversichtlich, dass beide Seiten dabei eine gemeinsame Lösung finden werden.

Fokus liegt auf Abverkauf der Bestandsware

Um die Liquidität der Partnerbetriebe zu verbessern, fokussiert sich Volkswagen beim Wiederanlauf nach dem Lockdown zunächst vor allem auf die Bestandsware der Autohäuser. „Wir müssen erst einmal schauen, dass wir das verkaufen, was beim Handel steht“, erklärte Santel. „Noch haben wir einen Auftragsbestand, der die jetzt anlaufende Produktion erst einmal deckt.“ Kunden, die auf ihre Ware warten, wolle man jetzt zeitnah beliefern.

Helfen soll dem Handel auch ein Maßnahmenprogramm, das VW bereits am Dienstag kommuniziert hatte. So gewährt Volkswagen Kunden vorerst beispielsweise Sonderkonditionen beim Leasing und eine kostenlose Absicherung, sollte ein Käufer seinen Arbeitsplatz verlieren.

Das alleine werde aber nicht ausreichen, um aus der Krise zu kommen, mahnte Santel. „Auch wenn der Lockdown erst einmal beendet ist, bleibt es schwierig, Kunden wieder in die Händlerbetriebe zu bekommen. Wir spüren eine große Verunsicherung, sich überhaupt mit dem Autokauf auseinanderzusetzen.“ Alleine werde man nicht in der Lage sein, „das Rad wieder richtig in Gang zu setzen“, so Santel. Deshalb hofft VW auf Anschubhilfe vom Staat. „Diese Kaufzurückhaltung beschränkt sich übrigens nicht nur auf den Autohandel, weshalb wir ein Konjunkturprogramm für die gesamte Wirtschaft brauchen“, sagte er.

Eine staatliche Kaufprämie hatten zuletzt bereits VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann und Markenchef Ralf Brandstätter gefordert. Santel pflichtete ihnen bei und erläuterte, wie die Subventionierung aus Sicht der Wolfsburger am sinnvollsten gestaltet werden könnte. „Eine Kaufprämie sollte möglichst viel CO2 aus dem Markt nehmen“, sagte der Deutschlandchef. VW hofft, dass eine mögliche Prämie den Kauf neuer Autos mit geringer CO2-Belastung bei gleichzeitiger Beseitigung mit alten Abgasnormen aus dem Markt besonders begünstigt.

„Wir wollen in die Elektromobilität. Davon wird uns Corona nicht abbringen“

Dabei gehe es nicht nur darum, Elektroautos zu fördern, sondern auch Autos mit modernen Verbrennungsmotoren, so Santel. Generell halte Volkswagen an seiner starken Ausrichtung hin zur Elektromobilität aber fest: „Wir dürfen unsere Ziele nicht aus dem Auge verlieren. Wir wollen in die Elektromobilität. Davon wird uns Corona nicht abbringen. Und alle Fördermaßnahmen müssen darauf einzahlen“, sagte der Manager.

Wann sich der Markt wieder stabilisiere, vermag Holger Santel noch nicht abzuschätzen. „In Deutschland sind wir relativ noch besser dran als in anderen Märkten in Europa. Im April steuert der Gesamtmarkt hierzulande aber auf etwa lediglich 100.000 Neuzulassungen zu.“ Die Frage sei nun, in welcher Form sich der Markt in den kommenden Monaten präsentiere. In einem „V-Szenario“ würde er vergleichsweise schnell nach dem Tiefpunkt wieder ein hohes Level erreichen. In einem „U-Szenario“ würde das etwas länger dauern. Der Worst Case wäre eine „L-Szenario“, in dem der Markt sich in absehbarer Zeit nicht erholen würde.

Ein wenig Hoffnung macht Santel der Blick nach China. Dort deutet aktuell viel auf ein „V-Szenario“ hin. Der Markt dort habe bereits wieder etwa 80 Prozent des Vorkrisenniveaus erreicht. „Ich habe von Kollegen vor Ort gehört: Dort ist es so voll auf den Straßen wie niemals zuvor“, sagte Santel. Menschen mieden allem Anschein nach öffentliche Verkehrsmittel und setzen stärker auf ein eigenes Auto als geschützten Raum. „Das macht uns Mut. Ich bin optimistisch, dass wir mit unseren Partnern und unserer Marke, den Start gut hinkriegen, wenn wir ein Umfeld bekommen, das dies auch ermöglicht“, so der Deutschlandchef abschließend.

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Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«