Performance-Segment

Was der Klimawandel aus der Tuningbranche macht

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Obwohl allein der Umbau 109.000 Euro kostet und das Gesamtfahrzeug am Ende mit 260.000 Euro kalkuliert wird, geht die Rechnung offenbar auf: Denn kaum war der edle Rennkombi vorgestellt, waren die 64 Exemplare der Kleinserie auch schon verkauft und in Kempten denken sie längst über das nächste Gesamtkunstwerk nach.

Brabus schaut zurück

Ein Tuner, der dieses Geschäft bereits bis zur Perfektion entwickelt hat, ist Brabus. Denn auch wenn sich die PS-Legende aus dem Pott natürlich ebenfalls im Kleinklein engagiert und Petitessen wie Leistungssteigerungen, Auspuffanlagen oder Tieferlegungen für alle Mercedes-Modelle von der A- bis zur S-Klasse anbietet, fußen Ruhm und Reichtum des Bottroper Giganten auf spektakulären Gesamtfahrzeugen wie dem gerade vorgestellten G 900 in der Rocket Edition.

In einem Kraftakt, der nicht weniger ist als die Quadratur des Kreises, haben sie den gewichtigen Giganten zu einem Sportwagen aufgerüstet. Unter der Haube steckt ein auf 900 PS aufgebohrter V8-Motor, der in 3,7 Sekunden auf Tempo 100 stürmt und sich mit 280 km/h im Heck vieler flacherer und leichterer AMG-Modelle festbeißt.

Innen gibt es mehr Lack und Leder als im Studio einer Domina, und auf dem Blech pappen mehr Karbonteile als auf einem Abfangjäger vom Kampfstern Galaktika. Natürlich kann man über guten Geschmack vortrefflich streiten und es braucht neben dem nötigen Spielgeld ein gewisses Selbstbewusstsein, diese knapp 600.000 Euro teure Rakete zu reiten. Doch zumindest sind einem damit auf dem Boulevard der Eitelkeiten alle Blicke sicher.

Der auf 25 Exemplare limitierte G 900 lebt dabei vor allem von Veredelungen, die vom Antrieb des Autos unabhängig sind und deshalb auch in der elektrischen Welt eine Zukunft haben. Nicht umsonst gibt es in Bottrop neben einer eigenen Motorenentwicklung und zahlreichen Prüfständen eben auch eine Halle, in der Brabus seine eigenen Karbon-Karossen backt. Oder eine Sattlerei, deren Lederarbeiten denen von Bentley oder Rolls-Royce in nichts nachstehen.

Teslas im Ruhrpott-Outfit

Natürlich haben sie sich bei Brabus längst auch der ersten Elektroautos angenommen: Als offizieller Daimler-Partner veredeln sie den Smart und mit dem Ableger Startech hübschen sie zum Beispiel das Model 3 von Tesla auf. Doch sind die Steuerungssysteme dort zu komplex und die Nachfrage noch zu gering, als dass sich Leistungsorgien wie bei V8- oder V12-Motoren lohnen würden, räumen sie in Bottrop ein.

Da schauen sie doch lieber mit Liebe zurück. Denn während sich das klassische Tuning im Umbruch ist, hat Brabus die Klassiker für sich entdeckt und nutzt die Expertise seiner Entwickler und Mechaniker für die Restaurierung betagter Mercedes-Modelle. Das ist ein Geschäft, das mit der Transformation der PS-Branche und dem schleichenden Abschied vom Verbrenner bei den Neuwagen anziehen dürfte. Die Vergangenheit, so die Botschaft aus Bottrop, wird in Zukunft noch viel wichtiger.

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