Was die Kürzel am Reifen bedeuten

Autor Jan Rosenow

Immer mehr Autohersteller verwenden speziell markierte Reifen. Doch auf den Seitenwänden sind noch viel mehr Kürzel zu finden. Wer kennt sie alle?

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Neu: Winterreifen müssen ab 2018 mit dem Schneeflockensymbol gekennzeichnet sein (rechts oben).
Neu: Winterreifen müssen ab 2018 mit dem Schneeflockensymbol gekennzeichnet sein (rechts oben).
(Bild: Pirelli)

Was es mit einer Angabe wie 205/55 R 16 auf sich hat, weiß jeder, der sich mit Reifen beschäftigt. Auch die Speed Indices – wie V für 240 km/h – oder den Tragfähigkeitsindex – beispielsweise 91 – kennen technisch Interessierte. Und das nach dem Kürzel DOT eine vierstellige Zahl die Herstellungswoche kennzeichnet, hat sich ebenfalls längst herumgesprochen.

„Es gibt aber noch weitere Unterscheidungsmerkmale“, erklärt Reifenexperte Michael Staude von TÜV Süd. Dazu zählten die Kennzeichnung für pannensichere Reifen, verstärkte Ausführungen und vor allem Spezialversionen der Autohersteller.

Immer mehr Marken vor allem aus dem Premiumsegment setzen auf herstellerspezifische Reifen. Als Markierung sind sowohl Abkürzungen wie MO („Mercedes Original“) als auch Symbole wie ein Stern (BMW) gebräuchlich. Wichtig: Diese Zusatzkennzeichnung entspricht keiner Reifenfabrikatsbindung, denn diese gibt es in Deutschland für Pkws nicht mehr. „Der Käufer darf auch den Standardreifen ohne die Hersteller-Markierung nehmen“, sagt Staude. Allerdings sind die herstellermarkierten Reifen perfekt auf das jeweilige Fahrzeug abgestimmt, was besonders bei sportlicher Fahrweise den Unterschied machen kann.

Ausnahme für Allradler mit Mischbereifung

Doch jede Regel hat ihre Ausnahme – darauf weist der Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseurhandwerk (BRV) hin. Es gibt Fahrzeuge mit Allradantrieb, die mit unterschiedlichen Rad-Reifen-Kombinationen auf Vorder- und Hinterachse ausgestattet sind (achsweise Mischbereifung). Werden sie beim Reifenersatz auf Fabrikate umgerüstet, die vom Fahrzeug- oder Radhersteller nicht freigegeben sind, kann das zu Problemen führen.

Zwar hat die Europäische Reifen- und Felgen-Sachverständigenorganisation ETRTO für den Abrollumfang von Reifen allgemeingültige Fertigungstoleranzen festgelegt, doch die Fahrwerkregelsysteme der Fahrzeughersteller sind meist so sensibel eingestellt, dass sie schon bei geringsten Drehzahlabweichungen zwischen Vorder- und Hinterachse – ab etwa einem Prozent – zu regeln beginnen. Um das zu vermeiden, sollten Kunden immer Reifen verwenden, die eine Freigabe für das entsprechende Fahrzeug besitzen.

Bei jedem Auto aber sollten achsweise immer zueinander passende Reifen montiert sein, weil es sonst im Extremfall zu kritischen Fahrsituationen kommen kann.

Zusätzlich zur verbindlichen Tragfähigkeitsangabe – wie die 91 in der Reifendimension 205/55 R 16 91V – ist in den letzten Jahren noch die Zusatzbezeichnung „Extra Load“ oder EL üblich geworden. Sie hat die ältere Markierung „Reinf(orced)“ für „verstärkt“ weitgehend verdrängt. Aber: „Entscheidend ist der Tragfähigkeitsindex, nicht die Zusatzkennzeichnung“, kommentiert Michael Staude vom TÜV Süd. Ein in den Papieren vorgeschriebener, verstärkter Reifen der Dimension 205/55 R 16 94V erfüllt die Anforderungen mit und ohne EL oder Extra Load.

Was macht die Schnecke auf dem Reifen?

Pannensichere Reifen werden mittlerweile in nennenswertem Umfang in der Erstausrüstung montiert. Ihre Bezeichnung ist vom Reifenhersteller abhängig und lautet beispielsweise SST, SSR, RFT, ZP oder ROF. Diese „Runflats“ können begrenzte Strecken auch ohne Luft gefahren werden. Mittlerweile gibt es auch eine eigene Norm für Runflat-Reifen. Produkte, die nach dieser Norm gefertigt sind, tragen in der Reifendimension das Kürzel RF statt R (also beispielsweise 205/55 RF 16) und haben zusätzlich das Piktogramm einer stilisierten Schnecke auf der Seitenwand.

Weiterhin gibt es noch selbstdichtende Pneus, die kleinere Durchstiche automatisch abdichten. Sie sind meist mit dem Begriff „Seal“ in unterschiedlichen Wortkombinationen gekennzeichnet. Pannensichere Reifen dürfen nur gefahren werden, wenn das Auto mit einem Reifendruckkontrollsystem (RDKS) ausgestattet ist.

Leise Reifen sind jetzt Vorschrift

Seit November vergangenen Jahres dürfen fast alle neu produzierten Reifen beim Geräusch den europäischen Soundlevel 2 nicht überschreiten. Erkennbar sind sie im Reifenlabel an einer Markierung mit zwei „Soundwaves“. Diese Angabe bezieht sich aber nur auf das Außengeräusch. Die Industrie vertreibt auch Reifen, die durch eine im Inneren angeordnete Schaumstofflage ein besonders niedriges Lärmniveau im Innenraum versprechen und Bezeichnungen wie „Acoustic“ oder „Contisilent“ tragen.

Wohnmobile stellen sehr hohe Anforderungen an die Bereifung. Geringe Fahrleistungen und lange Standzeiten gehen einher mit sehr starker Gewichtsbelastung. Die Industrie trägt dem mit Varianten Rechnung, die beispielsweise mit dem Wort „Camping“ gekennzeichnet sind. Vorgeschrieben sind diese Typen nicht, aber empfehlenswert.

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