Sono Motors Wechsel des Auftragsfertigers macht Planungen zunichte

Von Andreas Grimm

Der Sono Sion wird bei Valmet und nicht beim Saab-Nachfolger NEVS gebaut. Der mutmaßlich wegen finanzieller Turbulenzen im NEVS-Umfeld vollzogene Wechsel hat verschiedene unangenehme Konsequenzen für das Münchener Start-up.

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Bis das Solarauto Sono Sion ausgeliefert wird, dauert es nun noch länger. Angestrebt ist jetzt das zweite Halbjahr 2023.
Bis das Solarauto Sono Sion ausgeliefert wird, dauert es nun noch länger. Angestrebt ist jetzt das zweite Halbjahr 2023.
(Bild: Sono Motors)

Sono Motors hat einen neuen Produktionspartner präsentiert. Laut einer Mitteilung des E-Auto-Herstellers wird das erste Produkt der Münchener, der Sono Sion, nun in Finnland bei Valmet Automotive produziert. Der namhafte Auftragsfertiger, der schon für viele (Premium-)Autobauer Kleinserien herstellte, löst damit das schwedische Saab-Nachfolge-Unternehmen NEVS ab, das ursprünglich die Produktion hatte übernehmen sollen.

„Wir schätzen die Erfahrung von Valmet Automotive in der Herstellung von Premiumfahrzeugen sowie ihre nachweisliche Erfolgsbilanz im Bereich der Elektromobilität“, wird Sono-Vorstandschef Laurin Hahn, zugleich einer der Gründer des Start-ups, in der Mitteilung zitiert. Produziert werden soll das Solar Electric Vehicle (SEV) Sion im Valmet-Werk in Uusikaupunki.

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Zu den Gründen für den Wechsel des Auftragsfertigers äußerte sich Sono Motors nicht. Allerdings gehört NEVS zum chinesischen Evergrande-Konzern, der sich in einer ernsten wirtschaftlichen Schieflage befindet. Über die weitere Zusammenarbeit von Sono und NEVS wird dementsprechend bereits seit Monaten spekuliert. Ende 2021 war Sono-COO Thomas Hausch im Gespräch mit »kfz-betrieb« aber noch davon ausgegangen, „dass wir den Sion wie geplant bei NEVS produzieren können“. Die Kooperation mit NEVS hatte seit 2019 bestanden.

Folgen hat der Wechsel für die Zeitplanung von Sono Motors: War der Start der Auslieferung zuletzt für das erste Halbjahr 2023 geplant, wird es aktuellen Aussagen zufolge erst im zweiten Halbjahr losgehen. Zudem kann die Produktion nur langsam hochgefahren werden, sodass im ganzen Jahr 2023 wohl nur ein „niedriges vierstelliges Volumen“ die Fabrik verlässt. Angestrebt ist nach dem Produktionshochlauf eine Produktion von 43.000 Einheiten pro Jahr. Insgesamt ist die Zusammenarbeit mit Valmet nun auf 257.000 Fahrzeuge in sieben Jahren ausgelegt.

Als weitere Folge erhöht sich für Sono Motors damit der Finanzierungsbedarf auf 275 Millionen Euro, heißt es in der Mitteilung des börsennotierten Unternehmens. Der Aktienkurs gab am Dienstag leicht auf 4,86 Euro nach. Zum Börsenstart Ende November 2021 waren die Papiere noch bei knapp 22 Euro notiert. Ursache für die höheren Kosten seien neben dem Neustart mit Valmet aber auch allgemeine Kostensteigerungen bei Rohstoffen, Energie und Logistik, hieß es.

Für die Sion-Käufer erhöht sich der Kaufpreis des Autos künftig weiter. Statt ursprünglich 25.500 Euro wird der Van-artige Fünfsitzer dann 29.900 Euro kosten. Bislang liegen rund 17.000 Reservierungen für das Auto vor – für weitere 1.500 Autos will Sono Motors den derzeit noch gültigen Listenpreis von 28.500 Euro aber noch garantieren. Alle vorgemerkten Kunden zahlen weiterhin nur den Preis, der zum Zeitpunkt der Reservierung galt. „Indem wir unsere Preisgestaltung an das aktuelle wirtschaftliche Umfeld anpassen, können wir gestiegene Kosten abbilden und unseren Kunden weiterhin ein absolut nachhaltiges SEV zu einem sehr attraktiven Preis anbieten“, sagte Hausch der Mitteilung zufolge.

Sono Motors baut derzeit eine Flotte von Erprobungsfahrzeugen auf, die das Testprogramm für den Sion einleiten sollen. In die Außenhaut des Fahrzeugs integrierte Solarzellen erzeugen Strom, der die geschätzte Reichweite von 305 Kilometern der 54-kWh-LFP-Batterie des Sion um durchschnittlich 112 Kilometer (bis zu 245 Kilometer) pro Woche erhöhen soll.

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