Suchen

Wegen 4.500 Euro: Autoverkäufer zu drei Jahren Haft verurteilt

| Autor: Jakob Schreiner

Weil ein Autoverkäufer aus Melle gefälschte Kreditunterlagen bei einer Bank eingereicht hat, verurteilte ihn das Osnabrücker Landgericht zu einer Gefängnisstrafe. Dabei hätte der Mann unter bestimmten Bedingungen der Haft entgehen können.

Firma zum Thema

(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Das Landgericht Osnabrück hat einen 59-jährigen Autoverkäufer aus Melle (Lkr. Osnabrück, Niedersachsen) wegen gewerbsmäßigem Betrug in 15 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt. Der Verurteilte hielt bis zuletzt an seiner Unschuld fest, wie die „Neuer Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) berichtete, die den Prozess seit über einem Jahr begleitet hat. Das Gericht sah es aber als erwiesen an, dass der Verkäufer zusammen mit einem Komplizen, der als Vermittler fungierte, mit gefälschten Lohnabrechnungen kreditunwürdigen Kunden zu Fahrzeugfinanzierungen verholfen hat. Der Verkäufer hat sich so eine Provision von 4.500 Euro erschlichen – die vom Gericht eingezogen wurde. Gegen seine dreijährige Haftstrafe hat der Autoverkäufer Revision eingelegt. Jetzt untersucht der Bundesgerichtshof das verkündete Urteil auf Rechtsfehler.

Das Strafmaß fiel wohl deswegen so hart aus, weil der 59-Jährige ein Angebot der Staatsanwaltschaft ausgeschlagen hatte. Die hatte angeboten, dass bei einem umfassenden Geständnis der beiden Beschuldigten ihnen maximal eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren drohe, die zur Bewährung ausgesetzt worden wäre. Der Komplize des Verkäufers nahm das Angebot an, legte ein Geständnis ab und wurde vom Gericht zu einer rechtskräftigen Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt.

Komplize packt aus und belastet Verkäufer

In seinem Geständnis belastete er den Verkäufer. Dieser habe genau über den Vorgang Bescheid gewusst. Der Komplize habe Kunden angesprochen und ihnen versichert, dass sie über ihn ohne Probleme ein Fahrzeug finanzieren könnten – zu Summen, die sie sich eigentlich nicht hätten leisten können. Dazu ließ er Lohnabrechnungen fälschen, wofür er bis zu 500 Euro verlangte. Den Papierkram wickelte er größtenteils selbst ab und schickte die Kunden anschließend zum Verkäufer, um dort den Vertrag zu unterschreiben.

Der Verkäufer gestand zwar ein, dass er dem Vermittler gegenüber zu leichtgläubig aufgetreten sein, hielt aber bis zum Schluss des Prozesses daran fest, von all dem nichts gewusst zu haben. Er sei von einem Komplott gegen ihn ausgegangen, heißt es in dem NOZ-Bericht weiter.

Das Gericht schenkte den Ausführungen aber keinen Glauben. Es bescheinigte dem ausgebildeten Versicherungsinspektor, der seit 20 Jahren als Verkäufer tätig ist, „ein überdurchschnittlich hohes wirtschaftliches Verständnis“. Damit hätte ihm zum einen auffallen müssen, dass einige Kunden für das angegebene Beschäftigungsverhältnis überdurchschnittlich gut verdienten. Zum anderen seien die angeblichen Arbeitgeber der Autokäufer weit weg von deren angegebenem Wohnort ansässig. Zudem habe nur er in dem Autohaus mit dem Vermittler zusammengearbeitet.

Um einige konkrete Fälle zu nennen: Eine arbeitslose 39-Jährige finanzierte sich einen Passat, mit der Gehaltsabrechnung einer Firma für die sie nie gearbeitet hat. Ein 52-jähriger Sozialhilfeempfänger bekam ebenfalls den Kredit für einen Passat und die Angestellte einer „Shisha-Bar“ wurde mit der Masche ein 40.000-Euro-Kredit für einen A6 gewährt.

Geschäftsführung wusste von nichts

Die Geschäftsführung des Meller Autohauses wollte sich auf Nachfrage von »kfz-betrieb« nicht zu dem Fall äußern. Vor Gericht konnte die Geschäftsführerin nicht erklären, wie es zu den Betrugsfällen gekommen war und warum ihr nichts aufgefallen war. Für sie war der Verkäufer „ein altgedienter und vertrauenswürdiger Mitarbeiter“.

Den Zeugenaussagen eines Angestellten der betroffenen Bank zu Folge seien ab Februar 2014 alle Finanzierungen binnen einiger Monate geplatzt. Fast alle Fahrzeuge wurden von dem Kreditinstitut wieder eingezogen, die Kunden sind der Bank in den meisten Fällen dennoch fünfstellige Summen schuldig. Ein Fahrzeug ist komplett von der Bildfläche verschwunden. Der Schaden für die Bank sei „immens“, so der Angestellte.

Die als Zeugen geladenen Kunden gaben sich im Übrigen ebenfalls ahnungslos, warum sie derartig hohe Finanzierungen durchführen konnten. „Die lügen alle“, sagte der geständige Vermittler vor Gericht. Jeder Kunde sei genau über den Vorgang informiert gewesen und habe gewusst, wie er zu seiner Fahrzeugfinanzierung gekommen sei.

(ID:45156432)

Über den Autor

 Jakob Schreiner

Jakob Schreiner

Redakteur Ressort Service & Technik