Sturz von Platz 1 Welche Zukunftschancen hat der VW Golf?

Autor Christoph Seyerlein

Der VW Golf befindet sich in Deutschland auf Talfahrt. Im Oktober reichte es nach Ewigkeiten erstmals nicht mehr zu Platz 1 in der Bestsellerliste. Das wirft Fragen nach der Zukunft der Baureihe auf.

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Der VW Golf 8 schwächelt bei den Neuzulassungen.
Der VW Golf 8 schwächelt bei den Neuzulassungen.
(Bild: Volkswagen)

Im September hatte der VW Golf seinen abonnierten ersten Platz in den deutschen Neuzulassungscharts noch mit Hängen und Würgen bzw. 58 Einheiten vor dem Tesla Model 3 verteidigen können. Im Oktober ist der ewige Bestseller nun gefallen. Mit 3.843 Zulassungen stürzte der Golf vom Thron. In Wolfsburg werden sie wahrscheinlich sagen, dass mit dem VW T-Roc immerhin ein Modell aus den eigenen Reihen vorbeizog und kein Tesla.

Doch das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Golf in seiner achten Generation zu kämpfen hat wie nie. Der Marktstart vor knapp zwei Jahren ging schon gehörig daneben, viele Händler hatten wochenlang keine Autos in ihren Ausstellungsräumen. Hinzu kamen schnell Berichte über eine unausgegorene Software. Diese gipfelten in einem kurzzeitigen Auslieferungsstopp wegen Problemen mit dem E-Call-System.

Zuletzt gab es derlei Berichte nicht mehr. Doch nach Corona als limitierenden Faktor hat inzwischen vor allem der Chipmangel die Branche im Griff. Und Volkswagen produziert deshalb aktuell bevorzugt Baureihen, die hohe Margen liefern. Schlecht für den Golf. Entsprechend mau sind die Zahlen.

Der Golf verpasst dieses Jahr wohl die 100.000

Wie mau zeigt ein Blick in die jüngere Vergangenheit. Im Abwrackprämien-Jahr 2009 hatte der Golf hierzulande astronomische 366.231 Neuzulassungen. Bis 2020 war der Golf dann in jedem Jahr mal mehr, mal weniger deutlich für mehr als 200.000 Einheiten gut. Im vergangenen Jahr folgte dann ein Einbruch auf gut 136.000 Neuzulassungen. 2021 wird der Golf noch einmal deutlich darunter liegen. Nach zehn Monaten steht er bei 82.657 Zulassungen. Aller Voraussicht nach wird er im Gesamtjahr die Marke von 100.000 verpassen.

Stellt sich die Frage, wie es mit dem Golf weitergeht. Alle bisherigen Versuche des Managements, das Modell stark zu reden, sind bislang weitgehend verpufft. Hat das Brot-und-Butter-Fahrzeug aus Wolfsburg überhaupt noch eine Zukunft? Gerüchte, dass die achte Generation die letzte bleiben wird, halten sich hartnäckig.

In der Kfz-Branche glaubt eine Mehrheit allerdings noch nicht so recht an ein schnelles Golf-Aus. An einer 24-Stunden-Umfrage von »kfz-betrieb« bei Instagram nahmen insgesamt 1.450 User teil. 69 Prozent davon erwarten, dass es eine neunte Generation geben wird.

Und der Hersteller selbst? VW kommentiert Spekulationen über künftige Modelle generell nicht. Konzernchef Herbert Diess erklärte vergangene Woche bei einer Betriebsversammlung in Wolfsburg, dass die Auftragsbücher für den Golf mit 118.000 Bestellungen gut gefüllt seien. Die Zukunft sieht der 63-Jährige bekanntermaßen aber eher in Elektro-Modellen. Den E-Golf hat VW schon länger eingestellt.

Als nächsten potenziellen Bestseller hat Diess bereits ein anderes Fahrzeug im Blick. „Der nächste Golf darf kein Tesla sein. Der nächste Golf darf nicht aus China kommen. Die nächste Ikone muss wieder ein Wolfsburger sein. Trinity“, sagte der Manager. Hinter Trinity verbirgt sich ein Projekt der Wolfsburger, aus dem 2026 ein Elektroauto entspringen soll, das auch mit hochautomatisierten Fahrfunktionen bis zu Level 4 punktet.

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