Wenn der Chef plötzlich stirbt: Handlungsfähig bleiben

Schon eine geordnete Nachfolge stellt für mittelständische Unternehmer eine Herausforderung dar. Doch was muss getan werden, um handlungsfähig zu bleiben, wenn der Betriebsinhaber plötzlich verstirbt?

| Autor: Harald Czycholl

Jeder Unternehmer sollte auch für Notfälle vorgesorgt haben.
Jeder Unternehmer sollte auch für Notfälle vorgesorgt haben. (Bild: © sudok1 - stock.adobe.com)

Er brach alleine zu einer Skitour in den Walliser Alpen auf und kehrte nicht zurück: Als Karl-Erivan Haub, Chef der Tengelmann-Gruppe und damit Eigentümer von Unternehmen wie dem Textildiscounter Kik oder der Baumarktkette Obi, im April 2018 spurlos verschwand, war das nicht nur ein Schock für seine Angehörigen. Auch das Unternehmen wurde vom Verschwinden des Patriarchen kalt erwischt. Haub wurde zwar noch nicht offiziell für tot erklärt, doch der Streit um seine Nachfolge hat die Familie entzweit.

Der Fall Haub zeigt, wie wichtig es ist, frühzeitig Nachfolgeregelungen zu treffen. Doch die Mehrheit der Unternehmer hierzulande bewegt sich auf dünnem Eis und ist unvorbereitet. Menschlich ist das durchaus verständlich, denn niemand beschäftigt sich gerne mit dem eigenen Ableben. Besonders Unternehmer, in deren Lebenswerk viel Herzblut steckt, würden sich mit den Planungen für den Fall der Fälle schwertun, sagt Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen. Zumal es den Automatismus, dass die Kinder irgendwann den Betrieb übernehmen, nicht mehr gibt.

Ergänzendes zum Thema
 
Nachfolgeregelung: Bundesregierung will Firmen besser bei der Unternehmensnachfolge unterstützen

Nachfolge regeln

Viele Nachkommen haben kein Interesse am elterlichen Betrieb, umgekehrt betrachten auch Betriebsinhaber ihre Sprösslinge nicht mehr automatisch als die „Kronprinzen, die von Anfang an gesetzt sind“, so Heidbreder. Potenzielle Nachfolger müssten sich beweisen und so gut wie andere auf dem freien Markt sein. Dennoch ist es wichtig, rechtzeitig alles in die Wege zu leiten, rät der Experte: „Ein verbindlicher Zeitplan hilft für eine gelingende Nachfolge.“

Mit der Nachfolgeplanung sollten Unternehmer am besten fünf bis zehn Jahre, bevor sie die Verantwortung abgeben möchten, beginnen, rät Birgit Felden, Professorin für Management in KMU und Unternehmensnachfolge an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin. Ein perfektes Alter gebe es zwar nicht. Wichtig sei aber, dass sich Unternehmer über den Zeitpunkt klar werden, zu dem sie die Geschäfte übergeben möchten, so die Professorin. Wer sich mit Mitte 60 zurückziehen will, sollte demnach im Alter von 55 oder spätestens 60 Jahren mit der Suche nach einem geeigneten Nachfolger beziehungsweise mit der Nachfolgeplanung beginnen.

Ergänzendes zum Thema
 
Fortführung des Betriebs: Eine Frage der Rechtsform

Vorsorgen für den Ernstfall

Schon eine geordnete Nachfolge stellt für mittelständische Unternehmer also eine Herausforderung dar. Doch was muss getan werden, um im Notfall – also einer schweren Krankheit oder dem plötzlichen Tod des Firmenchefs – den Fortbestand des Unternehmens zu sichern? „Ich rate jedem Firmenchef, umgehend für den Ernstfall vorzusorgen und die wichtigsten Dokumente anzulegen“, betont Thomas Breit, Nachfolgeexperte und Steuerberater aus Hamburg. „Wenige Maßnahmen reichen aus, um jederzeit handlungsfähig zu bleiben.“

Eine geregelte Nachfolge zu organisieren, funktioniert nicht von heute auf morgen.
Eine geregelte Nachfolge zu organisieren, funktioniert nicht von heute auf morgen. (Bild: © Milton Oswald - stock.adobe.com)

Das zentrale Dokument, mit dem sich die Handlungsfähigkeit sicherstellen lässt, ist eine Generalvollmacht, die sich zum Beispiel bei einem Unternehmerehepaar beide Partner gegenseitig ausstellen können. Die Vollmachten sollten in getrennten Safes aufbewahrt werden. Alternativ können sie auch bei einem Notar hinterlegt werden. Ebenso wichtig für den Notfallkoffer: ein Testament sowie eine Betreuungs- und eine Patientenverfügung. Wenn die Patientenverfügung notariell erstellt wird und ein Arztbesuch vorausgegangen ist, bleibt sie dauerhaft gültig. Anderenfalls sollte sie jedes Jahr erneuert werden. Auch für das Testament lohnt sich der Gang zum Notar. „Die Gebühr für die Beglaubigung eines Testaments wird anhand des aktuellen Vermögens berechnet – und sie schließt den Erbschein ein“, sagt Nachfolgeexperte Breit. „Das kann eine erhebliche Kostenersparnis bedeuten, wenn sich bis zum Tod des Testamentsverfassers das Vermögen wesentlich vergrößert.“

Auch der Zugang zu geschäftlichen Kerninformationen entscheidet, ob eine plötzliche, ungeplante Nachfolge gelingt. Am einfachsten ist die Situation, wenn durch digitalisierte Prozesse eine hohe Transparenz besteht. „Ohnehin steigert eine gute Digitalstrategie den Wert von Unternehmen“, so der Berater. „Sie schafft aber auch Strukturen, die bei ungeplanten Veränderungen die Orientierung erleichtern.“

Kommentare werden geladen....

Ihr Kommentar zum Thema

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 46336679 / PLUS-Fachartikel)

Plus-Fachartikel

Santander Consumer Bank: POS ins Internet verlagern

Santander Consumer Bank: POS ins Internet verlagern

Im digitalen Zeitalter wird sich der Automobilhandel weiter stark verändern. Das beeinflusst auch das Geschäft der unabhängigen Finanzdienstleister im Kfz-Gewerbe. Thomas Hanswillemenke und Maik Kynast erläutern, was das für ihre Bank bedeutet. lesen

Fahrzeugfinanzierung: Günstig ist nicht gleich gut

Fahrzeugfinanzierung: Günstig ist nicht gleich gut

Lange Laufzeiten, niedrige Zinsen und geringe Monatsraten – so sehen viele Kredit- angebote in der Werbung aus. Doch für den Kunden und auch für das Autohaus sind sie häufig nicht die beste Wahl. lesen