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„Wer den Verbrenner totsagt, versündigt sich an Bayern“

| Autor / Redakteur: Christoph Baeuchle / Andreas Grimm

Herausforderungen haben Autohäuser und Werkstätten derzeit genug. Aber nichts macht ihnen so sehr zu schaffen wie die Dieselkrise. Bayerns Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer fand beim Sommerempfang des Kfz-Gewerbes Bayern klare Worte.

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Der bayerische Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer forderte von Industrie und Politik auf dem sommerlichen Automobilempfang des Kfz-Gewerbes Bayern, „keine Verträge zulasten des Kfz-Gewerbes zu machen“.
Der bayerische Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer forderte von Industrie und Politik auf dem sommerlichen Automobilempfang des Kfz-Gewerbes Bayern, „keine Verträge zulasten des Kfz-Gewerbes zu machen“.
(Bild: Zietz / »kfz-betrieb«)

Ein klares Bekenntnis für die mittelständischen Familienbetriebe des bayerischen Kfz-Gewerbe hat der bayerische Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer abgelegt: „Wenn wir über den Automobilstandort Bayern reden, denke ich nicht nur an die beiden weißblauen Edelmarken, sondern auch an das Kfz-Gewerbe.“ Nur mit ihm sei eine verläßliche Versorgung in der Fläche möglich, sagte er auf dem Sommerempfang des Kfz-Gewerbes Bayern am Donnerstag in München.

Der bayerische Wirtschaftsminister kritisierte die aktuelle Entwicklung der Dieselkrise, unter der die bayerischen Autohäuser und Werkstätten kräftig leiden. „In Berlin dürfen keine Verträge und Abmachungen zulasten Dritter gemacht werden“, stellte Pschierer klar. Und präzisierte: „Industrie und Politik dürfen keine Verträge zulasten des Kfz-Gewerbes machen.“

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Er forderte, dass die Hersteller ihrer Verantwortung gerecht werden sollen: „Wo die Industrie betrogen hat, muss sie alles machen, um nachzubessern. Und auch zahlen.“ Anders sieht es bei Fahrzeugen aus, die auf dem Prüfstand korrekt waren. „In solchen Fällen gibt es keinen Ansatzpunkt, die Industrie zur Kostenübernahme zu verpflichten.“ Es mache keinen Sinn, andere Maßstäbe als damals anzulegen.

Das macht dem Diesel das Leben schwer. Zu Unrecht. Die bewährte Technik ist aus Sicht des Wirtschaftsministers notwendig, um die Klimaziele zu erreichen.

„Der Verbrenner ist nicht tot“, stellte Pschierer klar. „Wer ihn totsagt, versündigt sich am Wirtschaftsstandort Bayern.“ Doch zu den Schwierigkeiten des Diesels trage auch die Politik bei, die viel Vertrauen verspielt habe und noch immer keine klare Linie vorgebe. Das Misstrauen gegenüber der Politik sei in der Mitte der Bevölkerung angekommen.

Doppelmoral in der Diskussion

Der bayerische Wirtschaftsminister kritisierte die Diskussion um den Selbstzünder. Er verwies auf das Beispiel Hamburg: Die Hansestadt hat als erste Kommune Fahrverbote eingeführt und Straßen gesperrt. Insgesamt gut zwei Kilometer. Dies verlagert den Verkehr in andere Straßen. „Wenn Euch die saubere Luft so am Herzen liegt, dann fahrt doch mal zu eurem Hafen und schaut, was da rausgeblasen wird“, rief der Bayer den Hanseaten mit Blick auf die Schifffahrt zu. Und ergänzte: „Die Doppelmoral in der öffentlichen Diskussion muss aufhören.“

Dies kam beim Kfz-Gewerbe gut an. Albert Vetterl, Präsident Kfz-Gewerbe Bayern, lobte Pschierers Art, immer ein offenes Ohr zu haben – auch für den Kfz-Landesverband, auf dessen politische Arbeit Vetterl verwies.

Für das Kfz-Gewerbe ist die Dieselkrise aus Vetterls Sicht die „Hauptherausforderung unter allen Herausforderungen“. Die Kfz-Betriebe würden unter der Last der Krise ächzen. „Wir sind unschuldige Opfer“, stellte Vetterl klar. Alleingelassen zwischen Hersteller, Politik und Kunde. Jeden Tag würde den Kfz-Betrieben ein Schaden entstehen. Entsprechend forderte der Landesverbandspräsident: „Wir brauchen eine schnelle und gute Lösung“, und damit ein Ende der Verunsicherung der Gesellschaft. Die Lösung müsse für den Eigentümer kostenneutral sein.

Vetterl erinnerte daran, dass nicht nur die manipulierten Fahrzeuge zur Dieselkrise beigetragen hätten. Auch die Messung der Emission sorgt für Verwirrung. „In Deutschland wird direkt am Endrohr gemessen“, so Vetterl, in anderen Ländern würden die Messstationen zum Teil weit weg stehen. Um ein reales Ergebnis zu erhalten, müssten die Messstationen richtig positioniert sein.

Trotz Dieselkrise verwies der Präsident darauf, dass die bayerischen Autohäuser und Werkstätten gute Jahre hinter sich haben. 2018 zählte der Freistaat mehr als 700.000 Pkw-Neuzulassungen – mit Ausnahme des Abwrackjahres der höchste Wert der jüngeren Vergangenheit.

Damit sich das Kfz-Gewerbe weiterhin gut entwickeln kann, sind ausreichend Nachwuchskräfte notwendig. Die bayerischen Autohäuser und Werkstätten sind deshalb stark engagiert in der Ausbildung junger Menschen.

Unterstützung erhalten sie dabei von ihren Partnern. In der gemeinsamen Ausbildungsoffensive mit dem Kfz-Gewerbe seien der Schmierstoffhersteller Fuchs und sein Partner BayWa dabei, erinnerte Josef Schraut, Vertriebsleiter Schmierstoffe BayWa. Die entsprechende mediale Begleitung für die Ausbildung liefere seit Jahrzehnten die Vogel Communications Group mit den Magazinen »autoFACHMANN« und »autoKAUFMANN«, wie Geschäftsführer Florian Fischer in seiner Ansprache betonte.

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