Werkstattportal: Nicht für Billigheimer!

Autor / Redakteur: Wolfgang Michel / Wolfgang Michel

Autoscout 24 will sein Werkstattportal nicht als Preisdumping-Instrument verstanden wissen. Vielmehr gehe es darum, sowohl Vertrags- als auch Freien Werkstätten neue Kunden zuzuführen.

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Puls-Studie: Knapp 43 Prozent der Endverbraucher sind bereit, für die Betreuung in der Markenwerkstatt bis zu elf Prozent Aufpreis für den Service zu bezahlen.
Puls-Studie: Knapp 43 Prozent der Endverbraucher sind bereit, für die Betreuung in der Markenwerkstatt bis zu elf Prozent Aufpreis für den Service zu bezahlen.
(Archiv: Vogel Business Media)

Nach einer regionalen Pilotphase ist das Werkstattportal von Autoscout 24 seit der Automechanika 2012 bundesweit online. Im Rahmen eines Pressegesprächs äußerte sich die Geschäftsleitung von Autoscout 24 am Dienstag in München zu den Zielen des noch jungen Internetangebots. Gemeinsam mit Prof. Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft (IFA) und Dr. Konrad Weßner vom Marktforschungsinstitut Puls präsentierten die Geschäftsführer Alberto Sanz de Lama und André Stark die Studie „Marktpotenziale und Strategien im Internet-Werkstattmarkt“.

www.autoscout24.de: „Mehr werden als nur Gebrauchtwagen“

„In den letzten Monaten gab es viele Äußerungen über unsere Werkstattportal-Initiative“, sagte Alberto Sanz de Lama. Seiner Meinung nach habe die Branche aber mittlerweile erkannt, dass Autoscout 24 vor allem auf die Sichtweisen der Endkunden schaue. „Das Werkstattportal ist die größte Innovation, die wir uns je zugetraut haben. Mit der digitalisierten Werkstattwelt wollen wir einen echten Mehrwert schaffen. Natürlich sind wir auf diesem Gebiet Vorreiter – mit all den Vor- und Nachteilen“, sagte der Geschäftsführer.

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Ob Fahrzeugkauf, Fahrzeugverkauf oder Service – sein Ziel sei es, dem Endverbraucher Dienstleistungen über den gesamten Lebenszyklus seines Fahrzeugs zu bieten. Für Sanz de Lama heißt das auch: „Autoscout 24 muss mehr werden als nur Gebrauchtwagen!“

Dr. Konrad Weßner: „Qualität schlägt Preis“

Dr. Konrad Weßner vom Marktforschungsinstitut Puls ergänzte, dass das Werkstattportal den Werkstattkuchen zwischen fabrikatsgebundenen Autohäusern und Freien Werkstätten künftig neu aufteilen könne. Sein Institut hat 2.000 Autofahrer von Juli bis September befragt. 57 Prozent der Befragten verglichen vor der Wahl einer Werkstatt die Preise. Jedoch seien auch knapp 43 Prozent bereit, für die Betreuung in der Markenwerkstatt elf Prozent Aufpreis für den Service zu bezahlen. Unter den Neuwagenkäufen waren dies sogar 56 Prozent. Jedoch fällt der Prozentsatz rapide ab, je älter die Fahrzeuge sind. Nur noch knapp 29 Prozent der Fahrzeughalter, deren Autos älter als sechs Jahre alt seien, würden diesen Aufpreis noch akzeptieren.

Unabhängig von der Akzeptanz des Aufpreises stellte Weßner klar: „Mit elf Prozent Aufpreis liegt der Wert deutlich über den Werten anderer Branchen“. Der Marktforscher ging auch auf die Frage ein, inwieweit der Werkstattmarkt ein preisgetriebener Markt sei: „Derzeit ist alles andere als ein Preiskampf zu erkennen. 55 Prozent bevorzugen Qualität. Der Preis ist ein ergänzendes Kriterium aber nicht das Hauptkriterium“, sagte Weßner. Fachkompetente Beratung, Qualität und Zuverlässigkeit der ausgeführten Arbeiten, Einhaltung des Kostenvoranschlags, Terminverfügbarkeit, Zeitersparnis und die Qualität der Ersatzteile hätten deutlichen Vorrang.

Auf die Frage, welche Zielgruppe Werkstattportale vorrangig nutze, sagt Weßner: „Das Interesse an einem Werkstattportal ist bei jüngeren Menschen zwischen 18 bis 30 Jahre am größten.“ Damit sei ein solches Portal speziell bei Standardreparaturen sowohl für Markenwerkstätten als auch für Freie Werkstätten eine Chance. Erstere könnten eine jüngere Zielgruppe erreichen, letztere an jüngere Fahrzeuge gelangen.

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