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Werkstattrisiko liegt beim Schädiger

| Autor / Redakteur: autorechtaktuell.de / Jens Rehberg

Ein Schädiger hat kein Recht auf eine nachträgliche Rechnungskontrolle. Sofern unnötige Arbeiten oder überhöhte Preise im Rahmen einer Unfallinstandsetzung in Rechnung gestellt werden, hat dieses Risiko die regulierungspflichtige Haftpflichtversicherung zu tragen.

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(Bild: ProMotor/Volz)

In einem Fall vor dem Amtsgericht (AG) Suhl am 25. April 2018 haben die Parteien um restlichen Schadenersatz nach einem Verkehrsunfall gestritten (AZ: 1 C 53/18). Die Geschädigte hatte das Fahrzeug in einer Werkstatt instand setzen lassen und dem Betrieb den Regulierungsanspruch gegen die beklagte Versicherung abgetreten. Diese regulierte die Rechnung der Klägerin jedoch nur teilweise.

Mit ihrer Klage verfolgt die Klägerin (Servicebetrieb) die Zahlung weiterer Reparaturkosten.

Vorgehend stellt das AG Suhl fest, dass sich durch die Abtretung eines Anspruchs an den Servicebetrieb dessen Rechtsnatur nicht ändert. Streitgegenständlich verbleibt es dabei bei einem Schadenersatzanspruch der Zedentin.

Es führt aus, dass der Geschädigte bei der Auswahl der Werkstatt ein eigenes Ermessen hat. Nur dieses ist vom Schädiger überprüfbar. Im vorliegenden Fall gibt es jedoch keine Anhaltspunkte, dass die Geschädigte dieses Ermessen missbraucht haben könnte.

Vor der Reparatur des Fahrzeugs wurde ein Sachverständigengutachten eingeholt, auf dessen Grundlage das Fahrzeug repariert wurde. Die Geschädigte durfte also davon ausgehen, dass die durchgeführten Reparaturschritte auch notwendig waren. Das Risiko, dass im Einzelfall unnötige Arbeiten in Rechnung gestellt oder überhöhte Preise gefordert werden (so genanntes Werkstattrisiko), trägt der Schädiger.

Der Klage war also im vollen Umfang stattzugeben.

Das Urteil in der Praxis

Wenn die Grundsätze des Schadensersatzrechts so konsequent angewandt werden wie durch das AG Suhl, heißt dies: Der Schädiger hat kein Recht auf eine nachträgliche Rechnungskontrolle. Sofern unnötige Arbeiten oder überhöhte Preise in Rechnung gestellt werden, hat dieses Risiko die regulierungspflichtige Haftpflichtversicherung zu tragen.

Daran ändert sich auch nichts, wenn der Anspruch auf Regulierung der Reparaturkosten an den Servicebetrieb abgetreten wird. Dem Schädiger oder dessen Versicherung bleibt nur der Weg, den Sachverständigen oder die Werkstatt in Regress zu nehmen.

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