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Werkstattrisiko liegt beim Schädiger

| Autor / Redakteur: autorechtaktuell.de / Andreas Wehner

Wird während der Reparaturarbeiten nach einem Unfall ein Bauteil beschädigt, so hat der Schädiger die Kosten hierfür zu ersetzen. Er erhält im Gegenzug jedoch einen Schadenersatzanspruch gegen die Werkstatt.

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(Bild: ProMotor)

Das Werkstattrisiko liegt beim Schädiger. Wird während der Reparaturarbeiten nach einem Unfall ein Bauteil beschädigt, so hat der Schädiger die Kosten hierfür zu ersetzen. Er erhält im Gegenzug jedoch einen Schadenersatzanspruch gegen die Werkstatt. Das geht aus einem Urteil des Amtsgerichts (AG) Stuttgart hervor (6.7.2018, AZ: 15 C 3863/17).

Im vorliegen Fall stritten die Parteien um restlichen Schadenersatz nach einem Verkehrsunfall. Streitig waren dabei restliche Reparaturkosten in Höhe von 501,28 Euro.

Im zuvor eingeholten Schadengutachten wurde davon ausgegangen, dass die bei dem Unfall nicht beschädigte Heckscheibe nach einem reparaturbedingten Ausbau wiederverwendet werden kann. Bei der Durchführung der Reparaturarbeiten wurde die Heckscheibe jedoch durch den Werkstattbetrieb beschädigt und musste ersetzt werden.

Die Richter waren der Ansicht, dass die Klägerin Anspruch auf die restlichen Reparaturkosten hat – Zug um Zug gegen die Abtretung etwaiger Schadenersatzansprüche gegen die Reparaturwerkstatt. Die aus der Ersetzung der Heckscheibe zusätzlich resultierenden Kosten sind nach § 249 BGB zu ersetzen.

Der Geschädigte kann den zur Wiederherstellung erforderlichen Geldbetrag verlangen. Ihm sind in diesem Rahmen auch Mehrkosten zu ersetzen, die ohne Schuld des Geschädigten durch unsachgemäße Maßnahmen der Reparaturwerkstatt entstehen.

Hierzu führt das AG Stuttgart wie folgt aus: „Der Schädiger trägt das sog. Werkstatt- und Prognoserisiko, falls den Geschädigten nicht ausnahmsweise hinsichtlich der gewählten Fachwerkstatt ein Auswahlverschulden trifft. […] Sobald der Geschädigte das verunfallte Fahrzeug der Reparaturwerkstatt zwecks Reparatur übergeben hat, hat er letztlich keinen Einfluss mehr darauf, ob und inwieweit sodann unnötige oder überteuerte Maßnahmen vorgenommen werden. […]

Dem Schädiger entsteht hierdurch kein Nachteil, da er nach den Grundsätzen der Vorteilsausgleichung die Abtretung etwaiger Schadenersatzansprüche gegen die Werkstatt verlangen kann.“

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