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Werkstattrisiko liegt beim Schädiger

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Aussage des Gerichts

Das AG München sprach dem geschädigten Kläger die Differenz an Reparaturkosten zu, dies allerdings Zug um Zug gegen Abtretung seiner Ansprüche gegen die nach Auffassung der beklagten Versicherung falsch abrechnende Werkstatt.

Nach der Begründung des AG München hat die beklagte Versicherung bzw. der Schädiger das sogenannte Werkstattrisiko zu tragen, sodass der geschädigte Kläger die restlichen Reparaturkosten – selbst wenn diese tatsächlich überhöht wären – ersetzt verlangen kann.

Das AG München hielt es nicht für entscheidungserheblich, ob es sich um eine sogenannte erforderliche Reparaturmaßnahme handelt, da das Werkstattrisiko in der Sphäre des Schädigers verbleiben müsste. Es bestehe kein Sachgrund, dem Schädiger das Werkstattrisiko abzunehmen, das er dieses auch zu tragen hätte, wenn der Geschädigte ihm die Beseitigung des Schadens selbst überlassen würde.

Demgemäß erstrecke sich die Ersatzpflicht auch auf diejenigen Mehrkosten, die ohne Schuld des Geschädigten etwa durch unsachgemäße Maßnahmen der von ihm beauftragten Werkstatt verursacht worden seien, so das AG München.

Das AG München führt deutlich aus, dass den beschränkten Kenntnis- und Einwirkungsmöglichkeiten des Geschädigten bei der Schadenregulierung regelmäßig und naturgemäß Grenzen gesetzt sind, vor allem sobald er einen Reparaturauftrag erteilt und das zu reparierende Fahrzeug in die Hände von Fachleuten gibt.

Insoweit könne der Geschädigte zum Beispiel nicht erkennen, ob eine Spureinstellung nur bei Vorliegen eines Vermessungsprotokolls notwendig sei, wie hoch etwa die Lackierkosten seien dürften und ob die Verbringungskosten und die Kosten für die Mithilfe bei der Gutachtenerstellung üblich seien oder nicht.

Das Urteil in der Praxis

Diesem Urteil ist in seiner Klarheit nur zuzustimmen. Die konsequente Anwendung des Schadenersatzrechts schützt den Geschädigten weitgehend und führt dazu, dass dieser grundsätzlich Anspruch auf Erstattung der in Rechnung gestellten Positionen hat, selbst wenn diese objektiv nicht erforderlich oder überhöht sind. Das Werkstatt – und Prognoserisiko hat der Schädiger zu tragen. Allerdings erfolgt eine Verurteilung immer öfter Zug-um-Zug gegen die Abtretung möglicher Ansprüche des Geschädigten gegenüber der Werkstatt.

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