Autohaus Böhler Wie sich der Ölabsatz verdreifachen lässt

Autor: Jan Rosenow

Mit Opel, Suzuki und Mitsubishi sowie dem Werkstattkonzept 1a-Autoservice ist das Autohaus Böhler aus Schopfheim hervorragend aufgestellt. In die Top Ten beim Service Award 2020 schaffte es der Betrieb zudem mit einer einfachen, aber höchst wirkungsvollen Marketing-Idee.

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Seit den Dreißigerjahren ist der Standort in Schopfheim mit der Marke Opel verbunden.
Seit den Dreißigerjahren ist der Standort in Schopfheim mit der Marke Opel verbunden.
(Bild: Böhler)

Kennen Sie noch das Einfahröl? Bis vor wenigen Jahren war ein erster Ölwechsel nach 1.000 Kilometern üblich, um Fertigungsrückstände aus dem Motor zu spülen und das Einlaufen der bewegten Teile zu unterstützen. Die Automobilbranche hat diesen Wartungsfall längst abgeschafft (nur bei neuen Motorrädern ist er noch üblich) – aber das heißt ja nicht, dass man seinen Kunden nicht trotzdem einen frühen ersten Ölwechsel anbieten kann. Denn Neuwagenkäufer sind bekanntlich gerne bereit, ihrem frisch erworbenen Schätzchen gleich zu Anfang maximale Liebe zuteil werden zu lassen.

Das dachte sich auch Michael Böhler, Automobilunternehmer in Schopfheim und Partner der Marken Opel, Mitsubishi und Suzuki. Er kreierte deshalb einen „3.000-Kilometer-Check“, den er seinen Kunden gleich nach dem Kauf anbietet. Die Arbeitszeit ist gratis, nur das Öl kostet. „Das ist ein Vorschlag, den die Kunden gerne annehmen“, berichtet Michael Böhler. Kein Wunder: Sie tun ihrem Neuwagen Gutes und freuen sich zudem, etwas kostenlos zu bekommen. Auf diese Weise konnte das Autohaus in den letzten drei Jahren seinen Ölabsatz verdreifachen.

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Nicht weniger aktiv ist der Betrieb im Reifengeschäft. Dabei tut das Böhler-Team hier nichts Außergewöhnliches: Die Räder der Einlagerungskunden werden geprüft und den Besitzern Angebote für neue Reifen oder eine Felgenreparatur gemacht. Aber schon mit diesen einfachen Mitteln – konsequent durchgezogen – gelang es den Süddeutschen, den Reifenabsatz von 2017 bis 2019 zu verdoppeln.

Der Betrieb im Südschwarzwald ist schon seit den Dreißigerjahren mit der Marke Opel verbunden und hat eine abwechslungsreiche Unternehmensgeschichte, in der Böhlers Vater über Jahrzehnte eine tragende Rolle spielte.

Später Start in die Selbstständigkeit

Der heutige Eigentümer war lange als angestellter Manager bei großen Autohändlern tätig und entschloss sich 2010, den ehemaligen Betrieb seines Vaters zurückzukaufen und in die Selbstständigkeit zu starten. „Der Laden war heruntergewirtschaftet“, erinnert sich Michael Böhler. „Wir mussten ihn komplett sanieren und neu strukturieren.“ Zusammen mit seiner Frau Manuela nahm er die Herausforderung an und schaffte es, aus einem vernachlässigten Unternehmen mit 8 Mitarbeitern einen florierenden Multimarkenbetrieb mit nun 20 Angestellten zu machen.

Die Zahl der aktiven Kunden hat sich seither mehr als verdreifacht. Schon 2011 nahm Böhler Suzuki als zweite Marke hinzu, 2018 folgte Mitsubishi. Die Japaner haben Opel die Rolle als wichtigstes Fabrikat mittlerweile abgejagt, weil sie den im Schwarzwald immens wichtigen Allradantrieb bieten. Mit dem Werkstattkonzept „1a Autoservice“ spricht Böhler zudem die Halter von Fremdmarken an, und mit Böhler Rent betreibt er ein eigenes Mietwagengeschäft.

Weniger als zehn Minuten Wartezeit

Die Rolle als regionaler Platzhirsch bringt Verpflichtungen mit sich. So erwarten die Kunden schnelle Hilfe, wenn sie mit einem Kleinschaden kurzentschlossen vorbeikommen. Für solche Notfallkunden hat das Unternehmen einen eigenen Schnellservice etabliert, der sich durch einen geordneten Prozessablauf auszeichnet. Dank der Flexibilität von Werkstattleiter und Team gelang es, die Wartezeit für die Kunden auf weniger als zehn Minuten zu drücken.

Abgerundet wird das Serviceangebot durch einen kostenlosen Hol-Bring-Service und einen eigenen Abschleppwagen. Und die Mietwagenflotte von Böhler Rent hält die Kunden auf Wunsch mobil. Auf diese können natürlich auch die Personen zurückgreifen, die nach einem Unfall ihr Auto bei Böhler reparieren lassen. Nicht nur das: Eine Mitarbeiterin ist für das Schadenmanagement zuständig und wickelt auf Wunsch den kompletten Reparaturprozess sowie den Schriftverkehr mit den Versicherungen ab.

Das Werkstattkonzept 1a war ursprünglich nur für die Käufer markenfremder Gebrauchtwagen gedacht. Doch mittlerweile hat es Michael Böhler zum Kern seiner Bemühungen um die Halter älterer Fahrzeuge gemacht. Alle Besitzer von Autos, die älter als fünf Jahre sind, kommen in den Genuss eines verringerten Stundenverrechnungssatzes.

Größere Umbauarbeiten geplant – analog und digital

Nach nunmehr zehn Jahren harter Arbeit hat Michael Böhler den ehemaligen Familienbetrieb in einen gut aufgestellten und zukunftsfähigen Zustand gebracht. Doch Zurücklehnen ist nicht sein Ding. Die Pläne für die nächsten Jahre stehen schon: So soll eine neue Direktannahmehalle gebaut werden. Die Serviceberater bekommen geschlossene Büros. Eine energetische Sanierung der Gebäude und der Umbau der Ausstellungshalle sind die nächsten Schritte. Sie soll aufgestockt und sogar mit Wohnungen ausgestattet werden. Auch in der virtuellen Welt baut das Autohaus Böhler gerade um: Es entsteht eine neue Unternehmenswebsite, in die auch eine Online-Terminvereinbarung integriert ist. Doch für die ersten zehn Jahre ist das Erreichte mehr als beachtlich und wird durch eine Top-Ten-Platzierung beim diesjährigen Service Award gekrönt.

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Über den Autor

 Jan Rosenow

Jan Rosenow

Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group