Volkswagen-Chef „Wieso eigentlich?“ Diess feuert erneut gegen Diesel-Privileg

Autor Christoph Seyerlein

Dass Herbert Diess sich und Volkswagen voll der Elektromobilität verschrieben hat, ist hinlänglich bekannt. Zunehmend fordert er in dem Zusammenhang nun auch mehr Engagement von der Politik.

Firma zum Thema

Volkswagen-Chef Herbert Diess spricht sich für eine ambitioniertere CO2-Bepreisung aus.
Volkswagen-Chef Herbert Diess spricht sich für eine ambitioniertere CO2-Bepreisung aus.
(Bild: Volkswagen)

Volkswagen-Chef Herbert Diess hat in der jüngeren Vergangenheit Steuervorteile für den Diesel-Kraftstoff bereits mehrfach infrage gestellt. Nun legte der 62-Jährige beim Karrierenetzwerk Linkedin in aller Deutlichkeit nach. „Die Mineralölsteuer beim Benzin entspricht rund 280 Euro pro Tonne und beim Diesel durch das Steuerprivileg 180 Euro pro Tonne – wieso eigentlich?“, wunderte sich der Topmanager in einem ausführlichen Beitrag zum Thema CO2-Bepreisung.

Generell hat Diess offenbar kein Problem mit der vergleichsweise hohen Besteuerung auf fossile Kraftstoffe. Das sei „absolut ok, da das Auto auch weitere Umweltbelastungen/Emissionen verantwortet“, so der Volkswagen-Boss. Für E-Autos gelte das allerdings nicht. „Zumindest für eine Gleichstellung des Diesels spricht viel – innerhalb von 5 Jahren könnten so CO2-Emissionen um ca. 10 Prozent gesenkt werden“, glaubt er.

Sobald die Ladeinfrastruktur und CO2-Strom breit verfügbar seien, „kann man sicher über eine weitere Erhöhung nachdenken“, fügte Diess mit Blick auf die Mineralölsteuer an. Das gepaart mit einer CO2-Steuer von 100 Euro pro Tonne bis 2026 würde mehr Chancen für CO2-freie Technologien schaffen und den Druck auf „fossile Geschäftsmodelle“ erhöhen.

Deutschland plant aktuell mit einer CO2-Steuer von 25 Euro pro Tonne ab dem kommenden Jahr. 2026 sollen es dann 55 bis 65 Euro sein. Zu wenig, findet Diess. „Das können wir viel besser“, meint er. Er fordert einen Startpreis von 50 Euro pro Tonne CO2, bis 2026 solle der Betrag wie erwähnt auf 100 Euro steigen.

Diess: Technologieoffenheit ist ein „Illusionstheater“

Von anderen Alternativen als der Elektromobilität hält der Volkswagen-Chef im Pkw-Bereich bekanntermaßen nichts. Rufe nach mehr Technologieoffenheit, wie sie etwa vom Verband der Automobilindustrie laut geworden waren, bezeichnete der 62-Jährige zuletzt als „Illusionstheater“.

Für seine Einstellung erhält Diess bei Linkedin regelmäßig viel Zuspruch. Doch es gibt auch Kritiker. In den Kommentaren unter seiner Absage an die Technologieoffenheit war beispielsweise zu lesen: „Das BEV [batteriebetriebenes Elektroauto, Anm. d. Red.] führt automatisch zu weniger privaten PKW, weil es für viele zu teuer oder zu wenig alltagstauglich ist. Sie, Herr Diess, werden sich wie Ihre Mitarbeiter und Aktionäre verwundert die Augen reiben. Wenn zigtausende Arbeitsplätze weg und die Gewinne zusammen geschmolzen sind.“

(ID:47013622)