Opel Wieviel Mokka kriegt der Handel eingeschenkt?

Autor Jens Rehberg

Zur Verfügbarkeit des Mokka B, der demnächst seinen Weg in die deutschen Schauräume antreten wird, gibt es widersprüchliche Signale. Das neue Produkt ist jedenfalls gut gelungen – also wäre Lieferfähigkeit nicht verkehrt.

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Der Mokka B kommt zum Monatsende endlich in die Schauräume.
Der Mokka B kommt zum Monatsende endlich in die Schauräume.
(Bild: Rehberg / »kfz-betrieb«)

Schon vor dem eigentlichen Start des neuen Mokka hat es im Markt hörbar geknallt. Rüsselsheim rechnete die zu diesem Zeitpunkt gerade frisch aufgebohrte Bafa-Förderung für E-Autos derart optimistisch in das Gewerbeleasingprogramm von Opel ein, dass im Oktober die Elektro-Variante des Mokka in der Basisausstattung „Edition“ für 49 Euro im Monat (36 Monate / 10.000 km Laufleistung pro Jahr) inklusive Servicepakete bestellt werden konnte. Zur Rate kamen lediglich die Überführungskosten hinzu, und die Kunden mussten in Sachen Umweltprämie zunächst in Vorleistung gehen.

Rüsselsheim ließ die Sache allerdings zu lange laufen, obwohl dem Werksvertrieb sicherlich klar war, dass man nicht endlos die wenig rentable Basis-Variante würde verkaufen können. Und so kam es, wie es kommen musste: Flugs war dar Superschnapper hoffnungslos überbucht und die betroffenen Händler wurden von Opel mit der Aufgabe betraut, zahlreiche Kunden auf ein komplett anderes Fahrzeug umzuheben.

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Es ist daher kein Wunder, wenn sich die deutschen Vertriebspartner zwar auf neuen Mokka freuen, die Frage nach der Verfügbarkeit aber aktuell über allem anderen steht. Zumal bislang sowohl die Verbrenner-Versionen als auch der neue Elektro-Mokka in der Bestellung für die Händler kontingentiert waren. Die Kontingentierung hat Opel-Deutschland-Chef Andreas Marx zwar in der vergangenen Woche aufgehoben – zumindest für die Verbrenner-Mokkas – die Opel-Händler, mit denen »kfz-betrieb« gesprochen hat, sind aber dennoch skeptisch, ob sie genügend Einheiten der PSA-Neuauflage des kleinen SUVs in akzeptabler Frist bekommen können. Und so richtig geschmeidig scheint es im Mokka-Werk in Poissy ja nicht zu laufen, sonst wäre der sehnlichst erwartete Marktstart nicht schon mehrfach verschoben worden.

Opel nennt jedenfalls weder dem Handel noch der Presse konkrete Zahlen. Eine Abschätzung für das Vertriebsziel könnte so gehen: Setze die Mokka-Händlerziele – das Modell wurde aus der individuellen Gesamtvolumenplanung herausgelöst – in Bezug zu den Jahreszielen für das jeweilige Opel-Volumen. Nimm trotz des prognostizierten 25-prozentigen Rückgangs des Gesamtmarktes im ersten Quartal eine moderate Steigerung des Opel-Volumens 2021 an – berücksichtige aber, dass die Mokka-Auslieferungen erst im März beginnen. Dann könnte man auf so circa 20.000 Mokkas kommen, die in diesem Jahr in Deutschland noch auf die Straße gebracht werden sollen (erstes volles Mokka-A-Jahr 2013: 19.600; bestes Mokka-A-Jahr 2017: 35.600). Weniger als 5.000 davon würden wohl rein batteriebetrieben sein.

Restwertabsicherung kostet Marge

Bei Letzteren werden die Kunden wohl nur vereinzelt die Möglichkeit bekommen, einen Leasingvertrag abzuschließen. Denn seit der einen Tick zu attraktiven Leasingaktion im Herbst lehnt die Opel-Bank die uneingeschränkte Restwertabsicherung der Elektroautos ab. Die Händler können zwar bei eigener Weitervermarktung den Restwert noch über die DAT-Einschätzung absichern, aber das muss mit Marge bezahlt werden – auch, wenn die Absicherung gar nicht in Anspruch genommen wird.

Ein größeres Thema für die Händler wird aber wohl sein, ob das E-Mokka-Kontingent für Deutschland ausreichen wird, damit die Partner ihre bonusrelevanten Elektroziele erreichen können. Die liegen für Q1 bei knapp 17 Prozent E-Anteil am Gesamtvolumen und werden sich für das Gesamtjahr wahrscheinlich in einer ähnlichen Größenordnung bewegen. Ein Spaziergang wird das jedenfalls nicht: 2020 lag der Anteil der elektrifizierten Einheiten am Opel-Gesamtneuzulassungsvolumen hierzulande erst bei 7,4 Prozent – diesen Anteil bildeten in der Hauptsache rund 6.000 Elektro-Corsas und 3.800 Grandlands (Plug-in-Hybrid).

„‘Ultimate‘ gibt es jederzeit“ sagen Händler und Opel-Pressesprecher mit Blick auf die höchste Ausstattungslinie übereinstimmend. Nur ist diese Linie beim Mokka B eben mal knapp 7.000 Euro teurer als die Einstiegslinie „Edition“, die längst ausverkauft ist. Das ist die aktuelle PSA-Vertriebsstrategie. Dabei wäre gerade zum Start eine breitere Verfügbarkeit des Mokka-BEVs aus Vertriebssicht gut gewesen, denn aktuell gibt es in Sachen kleine E-SUVs mit Ausnahme des Elektro-Kona von Hyundai eigentlich noch keine direkte Konkurrenz.

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Untypisch komfortabel abgestimmt

Ende letzter Woche konnte sich auch »kfz-betrieb« in Rüsselsheim einen Eindruck von dem neuen Produkt verschaffen. Das ist uns aufgefallen:

  • Design: Die Schokoladenseite des neuen Mokka ist eindeutig das Heck mit den superschmalen LED-Leuchten. Von der Seite her gefallen die sehr kurzen Überhänge. An der Front wirkt das neue Hauptmerkmal des künftigen Opel-Designs – der dunkle, breite Schild mit Leuchten und Emblem – nicht mehr annährend so markant wie bei der vorausgegangenen Studie, denn der Stoßfänger ist viel zu zerklüftet. Zudem ist die Verwechslungsgefahr mit dem Crossland – der im Zuge der Modellauffrischung zwangsläufig nahezu dasselbe Gesicht hat – groß.
    Die Zweifarbenlackierung ist mittlerweile bei Opel schon nichts besonderes mehr, aber trotzdem erwähnenswert und einfach cool; das simple Individualisierungskonzept über alternative Dach- und Radfarben wird Kunden überzeugen und bläst die Konfiguration nicht auf.
    LEDs sind über alle Ausstattungen hinweg auch vorne Serie. Innen ist der Mokka B schlicht und klar – natürlich nicht zuletzt aus Kostengründen. Das angetäuschte Panoramadisplay liefert letztlich zwei herkömmliche digitale Anzeigen mit den erwartbaren Anwendungen – das Ganze aber gefällig eingefasst.
  • Qualitätsanmutung: …ist angesichts des Preises gut. Alle Innenraumelemente sind solide verbaut. Schalter, Griffe und Hebel fassen sich gut an. Mehr Torsionssteifigkeit zum Vorgänger macht sich durchaus bemerkbar, das Fehlen jeglicher Knarzgeräusche könnte tatsächlich auf das verstärkte Augenmerk der Ingenieure auf berührungsärmere Materialübergänge zurückzuführen sein. Der Filz im Kofferraum ist absolut sauber verlegt – da lugt nirgends Metall raus. Allerdings wurde erneut an der Dämmung zum Motorraum gespart. Den Dreizylinder hört man deutlich zu laut.
  • Antrieb: Die Auswahl ist mit drei Verbrennern und dem bekannten PSA-E-Motor in einer Leistungsspanne zwischen 100 und 136 PS vergleichsweise dünn. Das ist für ein eher emotional ansprechendes Modell zu wenig – CO2-Bilanz hin oder her. Der aufgeladene 130-PS-Dreizylinder-Benziner spricht hervorragend an zieht nach kurzem Anlauf genauso zügig weg wie der nominell etwas stärkere E-Motor – denn der Elektro-Mokka ist 300 Kilo schwerer.
    Grundsätzlich konnte Opel die Verbrenner aber über Leichtbaumaßnahmen 120 Kilo gegenüber dem koreanischen Mokka A abspecken. Die fehlende Allrad-Option wird Kunden kosten.
  • Fahren: Die Rüsselsheimer Ingenieure haben den neuen Mokka sehr generalistisch abgestimmt. Das Fahrwerk ist Opel-untypisch eher etwas komfortabler ausgelegt; die Lenkung ist absolut direkt und meldet detailliert zurück. Bei ambitionierter Kurvenfahrt schiebt das Auto gut kontollierbar über die Vorderräder hinaus. Gerade die Elektrovariante zieht aber mit der schweren, tiefliegenden Batterie stabil und satt durch die Kurven.

Mokka-Zahlen:
Länge: 4,15 Meter, Breite: 1,79 Meter (Breite mit Außenspiegeln: 1,98 Meter), Höhe: 1,53 Meter, Radstand: 2,56 Meter, Kofferraumvolumen: 35 – 1.105 Liter (E-Mokka: 310 – 1.060 Liter)

Benziner:
1,2-Liter-Dreiyzlinder-Turbo, 74 kW/100 PS, maximales Drehmoment: 205 Nm bei 1.750 U/min, Frontantrieb, 0-100 km/h: 10,6 s, Vmax: 188 km/h, Normverbrauch: 5,5 - 5,7 Liter/100 Kilometer (WLTP), CO2-Ausstoß: 124 – 129 g/km, Abgasnorm: Euro 6d, Effizienzklasse: A, Preis: ab 19.990 Euro

1,2-Liter-Dreiyzlinder-Turbo, 96 kW/130 PS, maximales Drehmoment: 230 Nm bei 1.750 U/min, Frontantrieb, 0-100 km/h: 9,1 (9,2) s, Vmax: 202 (200) km/h, Normverbrauch: 5,5 – 5,7 (5,9 – 6,0) Liter/100 Kilometer (WLTP), CO2-Ausstoß: 124 – 128 (133 – 137) g/km, Abgasnorm: Euro 6d, Effizienzklasse: A (B) , Preis: ab 22.815 Euro [Edition], (ab 24.765 Euro [Edition]); Werte in ( ): Achtgang-Automatik

E-Motor: 100 kW/136 PS, maximales Drehmoment: 260 Nm, 0-100 km/h: 9,0 s, Vmax: 150 km/h (abgeregelt), Durchschnittsverbrauch: 17,4 – 18,0 kWh/100 km, CO2-Ausstoß: 0 g/km, Batteriekapazität: 50 kWh, Reichweite 313 - 324 km (WLTP), Laden: Wallbox (11 kW) ca. 5 h, Preis: ab 34.110 Euro [Edition]

1,5-Liter-Diesel, 81 kW/110 PS, maximales Drehmoment: 250 Nm bei 1.750 U/min, Frontantrieb, 0-100 km/h: 10,8 s, Vmax: 190 km/h, Normverbrauch: 4,4 – 4,5 Liter/100 Kilometer (WLTP), CO2-Ausstoß: 114 – 118 g/km, Abgasnorm: Euro 6d, Effizienzklasse: A, Preis: ab 23.595 Euro [Edition]

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