LA Autoshow: PS-Insel der Glückseligkeit

Deutsche Hersteller protzen in Kalifornien

| Autor: Marcel Sommer/Stefan Grundhoff

BMW präsentiert in LA die PS-stärksten Versionen seiner SUV. Hier: Der X6 M.
BMW präsentiert in LA die PS-stärksten Versionen seiner SUV. Hier: Der X6 M. (Foto: Newspress)

Der Toyota Mirai raubt einem den Atem. Nicht, weil er am schmucklosen Messestand derart begeistert, sondern weil Halloween an sich schon ein paar Wochen vorbei ist. Vorsichtig ausgedrückt, präsentiert sich das erste Brennstoffzellenauto der Welt visuell polarisierend. Viele Messebesucher drücken es weniger zurückhaltend aus. Ändert nichts daran, dass Toyota mit dem 4,89 Meter langen Mirai (übersetzt: Zukunft) das Tor zur automobilen Zukunft ein gutes Stück aufstößt. 500 Kilometer Reichweite, 114 kW/155 PS und emissionsfreies Fahren bis knapp 180 km/h.

Schade, dass in Deutschland gerade einmal ein Dutzend Wasserstofftankstellen am Netz sind und das Zukunftsmobil unglaubliche 78.540 Euro kostet. Da sieht es im Sonnenstaat Kalifornien für umgerechnet 46.000 Euro abzüglich steuerlicher Vergünstigungen von bis zu 13.000 Dollar und kostenlosem Tanken deutlich geneigter aus. Nirgends könnte man den Mirai als Zukunftsmodell besser präsentieren. In Kalifornien werden jährlich bis zu 70.000 Toyota Prius zugelassen. So viel Toyotas verkaufen die Japaner in Deutschland mit der ganzen Palette nicht.

Doch die Los Angeles Autoshow kann auch anders. Das ist nirgends eindrucksvoller zu bestaunen als bei Mercedes. Die Schwaben legen die Submarke Maybach als Luxusableger der Mercedes S-Klasse wieder auf – gerade einmal zwei Jahre nach dem Rückzug aus der Welt der Schönen und Reichen. Der Fahrzeugpraline Mercedes-Maybach, in westlichen Ländern nur als Acht- und Zwölfzylinder verfügbar, bietet insbesondere im Fond nahezu grenzenlosen Luxus und wird mit den Liegesesseln zu einer Oase auf Rädern, die bis zu 250 km/h durch die entrückte Umgebung düst.

Wegen Autos wie dem Toyota Mirai, dem Luxus-Maybach oder dem doppelten Kraftpaket-Lottchen aus BMW X5 M / X6 M kommen die Messebesucher zehn Tage lang in die Stadt der Engel. Die Schlagzahl auf der Los Angeles Autoshow geben seit Jahren die Hersteller aus Europa und Japan vor. Die großen drei amerikanischen Hersteller sparen sich ihre Top-Neuheiten zumeist für die Detroit Motorshow auf, mit der jedes Jahr Mitte Januar das Autojahr eröffnet wird. Hier eine Modellpflege und da ein Sportmodell; mehr gibt es kaum in Augenschein zu nehmen.

Mini zeigt ein Skateboard

Auf der typisch amerikanische Mischung aus Frankfurter IAA und Essen Motor Show sind in diesem Jahr über 60 Premieren, davon 34 Weltneuheiten und jede Menge aufgefrischter Modelle zu beäugen. Mit dem Mini Citysurfer Concept ist sogar ein elektrischer Tretroller darunter, der die letzten Meter vom Parkplatz zu Restaurant oder Geschäft zum Vergnügen werden lässt. Passt zu der Stimmung auf Los Angeles Autoshow. Die ist lässiger denn je; auch weil die Messe für die führenden Hersteller keine besonders wichtige der A-Kategorie ist; man sich jedoch auf einem der wichtigsten Automärkte der Welt in einem ebenso entspannten wie strahlenden Licht präsentieren möchte. „Für uns ist Kalifornien der wichtigste Einzelmarkt in den USA“, so BMW-Vorstand Peter Schwarzenbauer, „hier nimmt man Mini im Straßenbild wahr.“

Gleichzeitig findet dieses Jahr die bereits elfte Design Challenge der Los Angeles Auto Show statt. Das Motto diesmal: „erspüre die Zukunft: wie interagieren Fahrzeuge im Jahr 2029 mit uns?“ Doch die Design Challenge ist im Laufe der Jahre müde geworden. Die abgehobenen Zukunftsvisionen wiederholen sich; das Publikum nimmt die Teilausstellung der Vorschläge allenfalls am Rande wahr. „Als eine der weltweit dynamischsten Metropolen hat Los Angeles den technologischen Fortschritt im Visier, der für unser tägliches Leben so wichtig ist“, bekräftigt dagegen Liza Kaz als Präsidentin der Messe, „vor diesem Hintergrund ist das diesjährige Thema der Abhängigkeit des Menschen von der Maschine besonders passend, da unsere Sinne, Gefühle und Gewohnheiten sich immer weiter mit unseren Autos verbinden.“

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