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Wirtschaftsausblick: Ende der Dynamik

| Redakteur: Christoph Baeuchle

Nach drei Jahren hat die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal 2018 erstmals wieder einen Rückgang verbucht. Da kam Konjunkturexperte Michael Grömling (IW Köln) gerade recht: Er half den Mitgliedern des ZDK-Ausschusses Wirtschaft, die aktuelle Entwicklung einzuordnen. Vorsicht ist angesagt.

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Angespannte geopolitische Lage: Michael Grömling (IW Köln) erläutert die Situation.
Angespannte geopolitische Lage: Michael Grömling (IW Köln) erläutert die Situation.
(Bild: Baeuchle/»kfz-betrieb«)

Die deutsche Wirtschaft hat im dritten Quartal 2018 einen deutlichen Dämpfer erhalten und ist erstmals seit 2015 geschrumpft. Laut Statistischem Bundesamt ging das Bruttoinlandsprodukt zwischen Juli und September im Vergleich zum Vorquartal um 0,2 Prozent zurück.

„Das zweite Halbjahr 2018 zeigt eine erhebliche konjunkturelle Verlangsamung. Diese Entwicklung wird wohl auch 2019 prägen“, sagte Michael Grömling, Konjunkturexperte beim IW Köln, anlässlich der ZDK-Wirtschaftsausschusssitzung in Bonn. Eine genaue Prognose für das kommende Jahr will das Institut erst in den nächsten Wochen geben.

Auf die aktuelle Situation wirken sich verschiedene Entwicklungen aus. Zum einen sieht Grömling branchenspezifische Probleme der Automobilindustrie, zum anderen ist die geopolitische Situation angespannt. „Die Risikofelder kommen mehr und mehr in der Wirtschaft an.“ Konkret: Italien mit seiner Rechts-links-Koalition, US-Sanktionen gegenüber dem Iran, der Handelsstreit zwischen den USA und China sowie den USA und anderen Ländern, die protektionistische Ausrichtung der Trump-Politik.

Aufgrund der zahlreichen Unsicherheiten haben Konjunkturexperten bereits für 2017 mit entsprechenden Auswirkungen gerechnet. Allerdings kamen sie nicht. Zahlreiche Prognosen mussten im Laufe des Jahres korrigiert werden. Für 2018 waren sie dann optimistischer. Zu Unrecht. Jetzt müssen sie ihre Prognosen erneut korrigieren. Das erklärt die Vorsicht beim Ausblick auf die nächsten Monate. „Die Prognosen für 2019 werden erheblich vorsichtiger sein“, ist Grömling überzeugt.

Die Entwicklung der vergangenen Jahre hat auch den IW-Konjunkturexperten überrascht. Diverse Indices änderten mit dem Jahreswechsel 2017 auf 2018 ihre Richtung. Während das vergangene Jahr im Rückblick als positives Überraschungsjahr gefeiert wurde, ist die „Grundtendenz 2018 nach unten gerichtet.“ Das gilt vor allem für die Auftragseingänge.

Während sich die Inlandsnachfrage noch relativ stabil zeigt, sind die Aufträge aus dem Ausland deutlich zurückgegangen. Das gilt vor allem für die Nachbarländer: „Offensichtlich sind die europäischen Kunden erheblich vorsichtiger geworden“, so Grömling. Vor allem der Auftragseingang bei den Investitionsgütern ging 2018 deutlich zurück. Dazu zählen in der Statistik auch Automobile.

Die Situation ist auch hier zu spüren. „Wir erleben im Markt seit Längerem eine Verschärfung“, berichtet Mark Scherhag, Vorsitzender des ZDK-Wirtschaftsausschusses und VW- und Hyundai-Händler in Koblenz. „Man fährt mit der Hand an der Handbremse, sollte sie aber nicht anziehen.“

Die Vorsicht ist angebracht. Denn wie sich die nachlassende Dynamik weiter auswirkt, ist schwer zu sagen. Allerdings besteht auch kein Grund zum Pessimismus: „Ich glaube nicht, dass wir uns in Rezessionsnähe befinden“, stellt Grömling klar. „Dafür haben wir eine viel zu starke Binnenkonjunktur mit einem starken Arbeitsmarkt.“

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