Wissenschaftlicher Gegenwind fürs E-Auto

Redakteur: Andreas Grimm, Andreas Grimm

Die monatelange Euphorie um das Zukunftskonzept Elektroauto weicht zur IAA einer nüchternen Bestandsaufnahme. Zu teuer und ohne Förderung nicht massentauglich, urteilen derzeit die Automobilexperten.

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Die ersten Elektromodelle sind bereits zu kaufen oder stehen vor der Markteinführung. Noch allerdings bremst der Preis die Kaufentscheidung.
Die ersten Elektromodelle sind bereits zu kaufen oder stehen vor der Markteinführung. Noch allerdings bremst der Preis die Kaufentscheidung.
( Foto: Grimm )

Elektromobilität ist ein Hauptthema der IAA 2011 in Frankfurt. Doch während die Messe dem Stromantrieb mit einer eigenen „Halle der Elektromobilität“ besonderen Raum gibt, macht sich seitens der Automobilforscher Skepsis breit. Nachdem zuletzt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) urteilte, ohne finanzielle Förderung könnten die nationalen E-Ziele nicht erreicht werden, hält das Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach die angebotenen Autos nun schlichtweg für zu teuer. Der Kauf eines E-Autos sei „aus ökonomischen Gründen gar nicht sinnvoll“, sagte dessen Autoexperte Stefan Bratzel der Nachrichtenagentur dpa. „Unter den Preisen wird das meines Erachtens kein Erfolg.“

Bratzel erwartet erst in fünf bis zehn Jahren Modelle, die „spannend“ werden könnten. „Die Kosten für E-Autos müssen denen eines konventionell angetriebenen Autos ähneln“, sagte der Experte. „Die Kosten müssen herunter.“ Nach Angaben von BMW-Chef Norbert Reithofer soll etwa der i3, das erste reine Elektroauto der Bayern, weniger als 40.000 Euro kosten. Der Wagen soll in zwei Jahren auf den Markt kommen.

Es werde noch jahrelang ein Nebeneinander von E-Autos und Modellen mit Verbrennungsmotor geben, sagte Bratzel. Denn auch die konventionell angetriebenen Autos hätten das Zeug dazu, den E-Mobilen das Leben schwer zu machen - mit Einsparpotenzialen von mindestens 20 Prozent. „Da ist noch richtig Musik drin. Bisher kommt das gar nicht so richtig an, weil eher symbolische Projekte im Vordergrund stehen“, sagte er. Außerdem müssten die meisten Hersteller „jetzt mal was bringen“, nämlich „verkaufbare Produkte“.

Die Frage der Reichweite der E-Autos müsse dagegen „nicht das große Problem sein“, sagte Bratzel. Elektroautos müssten als Zweit- oder Stadtwagen positioniert werden: „Dazu zählen auch gewisse Nutzungseinschränkungen“. „Ich glaube nicht, dass wir das in den nächsten fünf Jahren lösen werden“, sagte der Experte mit Blick auf die Frage der Reichweite. Denn: „Je mehr Reichweite, desto höher könnten wieder die Kosten sein.“ Vor allem die der Batteriezellen.

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