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WLTP belastet Europas Automarkt weiterhin

| Autor / Redakteur: ys/dpa / Yvonne Simon

Die Umstellung auf WLTP hat im Oktober die Neuzulassungen in den EU- und Efta-Staaten erneut gebremst. Auf 7,4 Prozent summiert sich das Minus im Vergleich zum Vorjahresmonat. Zwei deutsche Autobauer konnten sich dem Negativtrend widersetzen.

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(Bild: Grimm / »kfz-betrieb«)

Der europäische Automarkt hat im Oktober einen weiteren Dämpfer bekommen. Mit einem Minus von 7,4 Prozent setzte sich der Negativtrend aus dem September fort, als viele Hersteller starke Rückgänge wegen der Umstellung auf das neue Abgas-Prüfverfahren WLTP verzeichneten. Im Vormonat war der Markt um gut 23 Prozent gesunken.

Die Oktober-Neuzulassungen fielen in den EU- und Efta-Ländern im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 1,12 Millionen Autos. Der europäische Branchenverband Acea nannte die WLTP-Problematik am Donnerstag erneut als einen Grund für die jüngste Entwicklung. Einerseits waren vor dem Inkrafttreten der neuen Norm noch ungewöhnlich viele Modelle nach dem alten Standard verkauft worden. Andererseits gibt es nun Lieferschwierigkeiten, weil noch nicht alle Modelle die neue Norm erfüllen.

Branchenexperte Peter Fuß von der Unternehmensberatung EY erwartet, dass sich die Lage im November wieder normalisiert und der Pkw-Absatz im November und Dezember wieder etwa auf Vorjahresniveau liegen wird. Das gesamte Jahr 2018 könnte für den Markt mit einem kleinen Absatzplus von zwei Prozent enden.

Bislang steht bei der Betrachtung des gesamten Jahresverlaufs ein Plus von 1,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum in der Statistik. Zwischen Januar und Oktober wuchs die Anzahl der Neuzulassungen auf 13,42 Millionen Fahrzeuge. In den Hauptmärkten verzeichneten nur Italien (- 3,2 %) und Großbritannien (- 7,2 %) ein Minus. In Spanien legten die Zulassungen um 10,0 Prozent zu. Dahinter folgen Frankreich (+ 5,7 %) und Deutschland (+ 1,4 %).

Im Einzelmonat Oktober lag Deutschland mit einem Neuzulassungsminus von 7,4 Prozent genau im europäischen Schnitt. Die größten Ausreißer zeigten osteuropäische Länder: In Litauen zog der Absatz um 20,9 Prozent an, in Rumänien fiel die Anzahl der Neuzulassungen im Vergleich zu Oktober 2017 um ganze 32,9 Prozent. Einen starken Rückgang meldet Acea auch für Schweden (- 28,1 %) und Island (-27,8 %).

Die Entwicklungen der deutschen Hersteller unterscheiden sich im Oktober stark voneinander. Beim Volkswagen-Konzern verringerte sich der Europa-Absatz laut Acea um 21,6 Prozent. Bei dem vom französischen PSA-Konzern übernommenen Autobauer Opel gab es – zusammen mit der britischen Schwestermarke Vauxhall – ein Minus von 7,4 Prozent. Die BMW Group steigerte dagegen die Zulassungen im Oktober um 13,6 Prozent. Für Daimler ging es um 7,6 Prozent bergauf.

Diesel weiter im Sinkflug

Wenig überraschend schrumpften EY-Berechnungen zufolge die Neuzulassungen von Diesel-Pkw in den fünf größten EU-Märkten um 23 Prozent, wobei Deutschland mit einem Rückgang von 16 Prozent unter dem Schnitt liegt. Der Marktanteil des Selbstzünders ging in den fünf Ländern um 7,9 Prozentpunkte auf 35,1 Prozent zurück.

Gleichzeitig ist die Verbreitung von Elektrofahrzeugen in den Top-Fünf-Märkten nach wie vor sehr gering. Der Absatz reiner E-Fahrzeuge stieg zwar im bisherigen Jahresverlauf sowie im Oktober stark an, dabei ist allerdings das niedrige Ausgangsniveau zu berücksichtigen. In den ersten 10 Monaten des Jahres wurden knapp 78.000 Elektroautos neu zugelassen und damit 31 Prozent mehr als im selben Zeitraum 2017. Der Marktanteil wuchs allerdings nur um spärliche 0,2 Prozentpunkte auf 0,8 Prozent. Wesentlich gefragter sind Hybrid-Fahrzeuge, deren Absatz im Jahresverlauf um 37 Prozent auf knapp 440.000 Fahrzeuge kletterte. Damit lag der Marktanteil bei 4,6 Prozent, 1,2 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert.

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