Suchen

WLTP bremst erneut den europäischen Automarkt

| Autor: Andreas Grimm

Fehlende Fahrzeuge, weniger Auslieferungen, rückläufige Zulassungszahlen – diese Dissonanz bestimmte den europäischen Automarkt im November. Allerdings leiden nicht mehr alle Hersteller unter den „hartnäckigen WLTP-Verwerfungen“.

Firmen zum Thema

(Bild: Grimm / »kfz-betrieb«)

Der europäische Automarkt fährt weiter im Rückwärtsgang. Im November ist die Zahl der Erstzulassungen in den Staaten der EU und der Efta das dritte Mal in Folge spürbar gesunken. Hinter der Entwicklung stecken weiterhin die Verwerfungen durch die WLTP-Einführung, die sich „hartnäckiger erweisen als zunächst erwartet“, heißt es in einer Analyse der Wirtschaftsberatung EY.

Konkret kamen im vergangenen Monat knapp 1,16 Millionen Neuwagen auf die Straßen. Das sind 8,1 Prozent weniger als im Vorjahresmonat, wie der Herstellerverband Acea am Freitag mitteilte. Damit ist das in den ersten drei Quartalen des Jahres aufgebaute Zulassungsplus fast vollständig aufgebraucht. Kumuliert kamen im Jahresverlauf 14,49 Millionen Fahrzeuge neu auf die Straßen, das ist noch ein Plus von 0,6 Prozent.

Dabei stagniert vor allem die Entwicklung in den westeuropäischen Ländern. Dort sanken die Neuzulassungen zuletzt um 8,3 Prozent. Ausgelöst wird die Schwäche nicht zuletzt durch die Rückgänge auf allen fünf großen Märkten. Besonders deutlich fielen die Rückgänge im November in Spanien (-12,6 %) und Deutschland aus (-9,9 %). Unterdurchschnittlich sind die Rückgänge dagegen in Italien (-6,3 %), Frankreich (-4,7 %) und Großbritannien (-3,0 %).

Nur wenige Marken konnten im vergangenen Monat ihre Verkäufe nennenswert erhöhen. Neben den Nischenfabrikaten Jaguar (+45,8 %) und Jeep (+29,1 %) waren das Volvo (+11,7 %), Dacia (+8,6 %), Mercedes (+4,2 %) und Toyota (+3,5 %). Dagegen bracht der Absatz von Porsche (-61,8 %) und Audi (-40,9 %) erneut stark ein. Auch für Opel (-8,1 %) lief es erneut nicht gut. Nur ein leichtes Minus verzeichnete dagegen BMW (-2,6 %).

Seit dem 1. September dürfen in Europa nur noch Fahrzeuge verkauft werden, die nach den neuen WLTP-Regeln zugelassen wurden. Daher hatten einige Autohersteller im Vorfeld der Umstellung noch im großen Stil alte NEFZ-Modelle zu günstigen Preisen in den Markt gedrückt – was zu Absatzeinbrüchen in den Folgemonaten führte. Zudem steht bei einigen Marken immer noch nur ein eingeschränktes Angebot zertifizierter und lieferbarer Modelle zur Verfügung – mit entsprechenden Folgen für den Absatz.

Diesel-Anteil sinkt nicht mehr

Eine Atempause hat die Zulassungsentwicklung dem Diesel verschafft. Der Marktanteil des Selbstzünders sinkt zumindest in den fünf großen Märkten nicht mehr. Nach dem absoluten Tiefpunkt im September mit 33,6 Prozent lag er im November bei 35,6 Prozent. „Der Marktanteil pendelt sich auf einem niedrigen Niveau ein und sinkt derzeit nicht weiter“, kommentiert EY-Autoexperte Peter Fuß. „Allerdings flaut die Diesel-Debatte nicht ab, und immer wieder sorgen Gerichtsentscheide über Fahrverbote für neue Unsicherheiten für potenzielle Autokäufer.“

Vom Rückgang der Diesel-Verkäufe können die Elektrofahrzeuge weiterhin nur bedingt profitieren: Im November kletterten die Neuzulassungen von Elektrofahrzeugen in den Top-5-Märkten zwar um 71 Prozent, im bisherigen Jahresverlauf immerhin um 33 Prozent. Dennoch liegt der Marktanteil in diesen Ländern in diesem Jahr gerade einmal bei 0,8 Prozent – nach 0,6 Prozent im Vorjahr.

(ID:45656257)

Über den Autor

 Andreas Grimm

Andreas Grimm

Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«