Women's Award 2012: Stets ein neues Ziel vor Augen

Autor / Redakteur: Silvia Lulei / Vera Scheid

Elke Müller setzt sich unermüdlich für ihr Leipziger BMW-Autohaus ein – seit über 20 Jahren. Deshalb holte sie sich den 1. Platz beim Women's Award 2012.

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Elke Müller, Geschäftsführerin von Automobile Müller in Leipzig, ist Kfz-Unternehmerin des Jahres 2012.
Elke Müller, Geschäftsführerin von Automobile Müller in Leipzig, ist Kfz-Unternehmerin des Jahres 2012.
(Foto: Lulei)

„Ich kenne nichts anderes.“ Elke Müller zuckt mit den Schultern und lächelt entschuldigend. Dabei ist das gar nicht nötig. Denn anderswo mag ein solcher Satz frustriert klingen; bei der Geschäftsführerin des Leipziger Autohauses Müller tut er das nicht. Ganz im Gegenteil: Elke Müller ist mit dem Autogeschäft aufgewachsen, hat es von der Pike auf gelernt und sich ständig weiterqualifiziert. Heute ist die gelernte Autosattlerin Betriebswirtin, als geschäftsführende Gesellschafterin Chefin von 164 Mitarbeitern und zweifache Mutter.

Keine Frage, welche Rolle ihr die liebste ist. Aber genauso wichtig ist ihr auch das Unternehmen, das der Vater aufgebaut hat und in dem sie seit 1990 für Vertrieb und Marketing zuständig ist. Damals war es der Sprung ins kalte Wasser. Vom Verkauf hatte keiner Ahnung, erinnert sich die 44-Jährige. Von dem Fabrikat BMW und allem, was damit zusammenhängt, sowieso nicht. Ihr Vater suchte einen Lehrmeister im Westen, und so fuhr sie regelmäßig freitags zu einem BMW-Händler nach Kassel, der ihr die Kniffe des Tagesgeschäfts vermittelte. Elke Müller lernte jeden Tag dazu, stellte Personal ein und besuchte die Managementschule in St. Gallen. 2003 übergab der Vater das Firmenzepter an Tochter Elke und Sohn Frank, der sich auf das Werkstattgeschäft konzentriert.

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Die Geschwister haben zunächst die Firmengruppe auf ein solides Fundament gestellt. 2006 kam die Marke Seat dazu. Nun, wo das spanische Fabrikat zu einem positiven Unternehmensergebnis beiträgt, hat Elke Müller weitere Expansionspläne: den Neubau des Skoda-Betriebs und einige Übernahmen.

Die Geschäftsführerin ist eine vorausschauende Frau. Sie stellt heute schon die Weichen für ihre Pläne im nächsten Jahr. Beispielsweise hat sie bereits Personal eingestellt, das sich mit den Müllerschen Prozessen vertraut macht und diese dann in den neuen Betriebsstätten einführt. Elke Müller greift zu, wenn sie auf motivierte, junge Menschen trifft. „Die Personalsuche wird von Jahr zu Jahr schwieriger“, bedauert sie. Sie habe schon viele verschiedene Wege versucht, lese jede Bewerbung, und doch sei die jährliche Auslese sehr überschaubar.

Den Motorradführerschein gemacht, um mitreden zu können

Disziplin, Selbstständigkeit und Zielstrebigkeit – diese drei Eigenschaften bestimmen noch heute das Leben der ehemaligen Leistungssportlerin, die früher für die DDR mehrere Meistertitel im Schwimmen und Kanufahren holte. Ihre Motorradleidenschaft ist ein gutes Beispiel dafür: Das Autohaus Müller führt auch BMW-Motorräder. Doch Elke Müller tat sich schwer, mit den Zweiradkunden Kontakt aufzunehmen. „Das ist eine eigene Welt“, sagt sie. Um mitreden zu können, machte sie vor fünf Jahren den Motorradführerschein und organisiert seither für fast jedes Wochenende Ausfahrten, bei denen sie und ihr Partner oft mitfahren.

Einmal im Jahr stellt sie eine Zehn-Tages-Tour zusammen, an der 20 Fahrer mit Sozia teilnehmen können. Das Autohaus sorgt für den sicheren Transport der Motorräder an den Zielort sowie die Flüge für die Teilnehmer. Inklusive sind auch die Kosten für Übernachtung und Tagesverpflegung, für die ein Mitarbeiter des Autohauses zum Zweirad-Smutje mutiert. Mittlerweile sind diese Reisen und Ausflüge so beliebt, dass man sich schon rechtzeitig vorher anmelden muss.

Zeit mit der Familie ist wichtig

Tourscout übrigens ist Elke Müller mit Partner. Die Herbstferien beispielsweise nutzten das Paar und seine beiden Söhne für eine Erkundungsfahrt auf Korsika. Dort soll es im nächsten Jahr hingehen. „Meine Kinder sollen sehen, was ich tue und wo ich mich aufhalte.“ Nach diesem Motto sorgt Elke Müller so oft wie möglich für gemeinsame Erlebnisse oder bindet die Kinder in Veranstaltungen mit ein. So kompensiert sie, dass unter der Woche häufig nur für ein gemeinsames Abendessen Zeit ist.

Bei der Betreuung der Kinder ist Elke Müllers Mutter eine große Hilfe. Ohne deren Unterstützung könnte sie den Alltag mit zwei schulpflichtigen Jungs, die vielseitige Interessen haben, nicht bewältigen. Doch ein schlechtes Gewissen hat die Geschäftsführerin nicht: „Was ich tue, tue ich gerne.“ Das ist das selbstbewusste Statement einer erfolgreichen Geschäftsfrau, die keine Kompromisse eingeht, sondern sich auf das konzentriert, was momentan wichtig ist und getan werden muss. Die Work-Life-Balance von Elke Müller hat eine ganz einfache Formel: work = life. Alles oder nichts.

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