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Würzburger Karosserie- und Schadenstage: Es ging ums Geld

Die Würzburger Karosserie- und Schadenstage Ende März haben in diesem Jahr das Geld ins Auge gefasst – und zwar das Geld, das K&L-Betriebe über die Stundenverrechnungssätze verdienen können.

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(Bild: Stefan Bausewein)

Versicherungen und Schadensteuerer heben die vereinbarten Stundenverrechnungsätze in der Regel nur marginal an und versuchen zudem, diese Sätze auch im Haftpflichtfall anzuwenden beziehungsweise ortsübliche Verrechnungssätze anzusetzen. Reparaturbetrieben reicht das nicht – sie müssen Geld verdienen. In diesem Spannungsfeld siedelten die Fachzeitschriften »Fahrzeug+Karosserie« und »kfz-betrieb« Ende März die Themen der diesjährigen Würzburger Karosserie- und Schadenstage (WKST) im Vogel Convention Center an.

Würzburger Karosserie- und Schadenstage 2019 – Tag 1
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Gleich zu Beginn der Veranstaltung führte Dirk Barfs, Präsident des Bundesverbands der freiberuflichen und unabhängigen Sachverständigen für das Kraftfahrzeugwesen e.V. (BVSK), aus, dass von allen Seiten immer bessere Ausrüstung und kompetentere Mitarbeiter erwartet würden. Dies treffe nicht nur auf die Werkstätten zu, sondern eben auch auf Sachverständige. „Das kostet Geld, und das müssen die an der Unfallschadenabwicklung Beteiligten erst einmal verdienen“, erklärte Barfs. Er bemängelte dass die negative Preistreiberei zum Teil von den Fahrzeugherstellern verursacht würde, weil die schon frisch auf den Markt gekommene Modelle mit großen Nachlässen anbieten würde. Einem Kunden sei es nicht zu vermitteln, dass sich das Rabattthema dann im Service.und bei der Reparatur nicht einfach fortsetzen lasse.

Würzburger Karosserie- und Schadenstage 2019 – Tag 2
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Auch Peter Börner, Präsident des Zentralverbands Karosserie- und Fahrzeugtechnik e. V. (ZKF), plagen Sorgen, wenn es um das Einkommen seiner Mitgliedsbetriebe geht: „Wenn ich in den aktuellen Branchenbericht schaue, wird mir Angst und Bange.“ Es gebe jedes Jahr Verschiebungen in der Form, dass die Leistung der Lieferanten (beispielsweise Lack und Teile) steige und die Leistung des Handwerks an Boden verliere. Er erklärte, dass der durchschnittliche Ebitda (Gewinn vor Steuern, Investitionen und Abschreibungen) derzeit bei 5,4 Prozent liege. Dieser Ebitda ergebe sich bei einer durchschnittlichen Leistung von 140.000 Euro pro produktiven Mitarbeiter. Dabei müsse man sehen, dass man für zehn produktive Mitarbeiter nahezu fünf unproduktive Mitarbeiter benötige. Dieses Missverhältnis werde in erster Linie durch Versicherungen und Schadensteuerer verursacht, weil die einen Teil ihrer administrativen Aufgaben auf die Werkstätten abwälzen würden. Zudem sieht Börner im größeren Handelsanteil pro Arbeitsauftrag Gefahren. Denn es gebe Versicherungen, die versuchten, an das Ersatzteilvolumen heranzukommen. „Ich kann die Betriebe nur deutlich warnen, darüber überhaupt nachzudenken“, so Börner. Letztlich ginge es den Versicherern nur darum, auch von diesem Renditekuchen noch etwas abzubekommen.

BGH zum Verrechnungssatz

Dr. Oliver Klein, Richter im VI Zivilsenat des Bundesgerichtshof (BGH), ging auf die Verkehrsunfallschadenrechtsprechung unter besonderer Berücksichtigung des Stundenverrechnungssatzes ein. Er machte die Vorgehensweise des BGH an einem konkreten Beispiel klar. Hier hatte ein Geschädigter einen Schaden fiktiv abgerechnet und vom leistungspflichtigen Versicherer nur einen Teil der Arbeitskosten ersetzt bekommen. Dieser Abzug geschah mit dem Verweis auf eine günstigere Werkstatt, in der der Stundenverrechnungssatz geringer ist, als der im Gutachten ausgewiesene. Die Klage des Geschädigten wurde vom BGH abgewiesen. Als Grundlage für seine Entscheidungen im Verkehrsunfallrecht dienen dem VI. Zivilsenat im Wesentlichen zwei Paragraphen: § 249 BGB und § 254 BGB – Schadenersatzrecht und Mitverschulden. Der Richter erläuterte Schritt für Schritt, wie der BGH zu seinem Urteil (VIZR65/18 NJW2019 852 vom 25.9.2018) gekommen ist.

Der Moderator der WKST, Rechtsanwalt Elmar Fuchs, bezeichnete dies als klar strukturierte Vorgehensweise. Er stellte die Frage, warum es für Versicherer und Schadensteuerer so schwer sei, die Grundzüge der gültigen Rechtsprechung zu verstehen und vor allem einzuhalten. Denn die würden immer wieder vortragen, dass Kostenpositionen einer Rechnung auf einen angemessenen Betrag gekürzt worden seien.

Rechtliche Bedeutung

Auch für Unternehmensberater Stefan Höslinger von „Hepp Unternehmensimpulse“ ist es immer wieder ein Thema, Stundenverrechnungssätze bei Versicherern und Schadensteuerern durchzusetzen. Allerdings sieht Höslinger hier auch Ansatzpunkte im Betrieb: Beispielsweise in der genauen und detaillierten Kalkulation. „Wenn hier schon im Büro schludrig gearbeitet wird, kann die Werkstatt das in der Regel nicht mehr auffangen“, sagte Höslinger.

Rechtsanwalt Jochen Pamer, Geschäftsführer von „autorechtaktuell.de“, behandelte in seinem Vortrag die rechtliche Bedeutung des Stundenverrechnungssatzes. Er stellte fest, dass der Anteil der fiktiven Abrechnung stetig steige. Das betreffe die Werkstätten zwar nicht sofort, aber es sei zu erwarten, dass die Fahrzeughalter verlangen, die Reparatur dann zu einem geringeren Preis durchzuführen. „Raten Sie Ihrem Kunden immer zur konkreten Abrechnung. Nur so ist sicher, dass er alles bekommt, was ihm zusteht“, führte Pamer aus. Ein abstrakter Mittelwert, wie bei der fiktiven Abrechnung, habe in der Schadenabwicklung nichts zu suchen.

Rechnungskürzungen

Letztlich las Rechtsanwalt Elmar Fuchs, ebenfalls Geschäftsführer von „autorechtaktuell.de“, den Versicherern und Schadensteuerern auch noch die Leviten. Anhand einiger Beispiele wies er auf die offensichtliche Willkürlichkeit in Rechnungsprüfungsberichten hin. Versicherer würden den Werkstätten anbieten, sich bei Fragen direkt mit dem Prüfdienstleister in Verbindung zu setzen. Hiervon rät der Rechtsanwalt dringend ab: Die Prüfdienstleister seien nicht die Ansprechpartner der Werkstätten, sondern die Kunden.

Die Würzburger Karosserie- und Schadenstage sind eine Veranstaltung der Fachmedienmarken »Fahrzeug+Karosserie« und »kfz-betrieb« in Kooperation mit autorechtaktuell.de. Unterstützt wird die jährliche Veranstaltung von den Sponsoren Adelta Finanz, automechanika, Carbon, DAT, Dekra und Nexa Autocolor. Am 29./30.März 2019 besuchten über 1.000 Teilnehmer den Event im Vogel Convention Center in Würzburg. Die begleitende Fachausstellung umfasste insgesamt 84 Unternehmen. Die nächsten Würzburger Karosserie- und Schadenstage finden am 27./28. März 2020 statt. Sie können sich ab sofort anmelden.

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Über den Autor

Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«