Insolvenzantragspflicht ZDK befürchtet mit Ende der Sonderregelung mehr Firmenpleiten

Autor: Doris Pfaff

Ab Mai müssen Betriebe eine drohende Insolvenz wieder frühzeitig anzeigen. Die Aussetzung der Anzeigepflicht endet zum 30. April. Der ZDK befürchtet nun, dass mehr Kfz-Betriebe pleitegehen.

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Wenn Betriebe drohende Insolvenzen nun wieder fristgerecht anzeigen müssen, rechnet das Kfz-Gewerbe mit einem Anstieg von Unternehmenspleiten auch im Kfz-Gewerbe.
Wenn Betriebe drohende Insolvenzen nun wieder fristgerecht anzeigen müssen, rechnet das Kfz-Gewerbe mit einem Anstieg von Unternehmenspleiten auch im Kfz-Gewerbe.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Die im März 2020 ausgesetzte Insolvenzantragspflicht tritt ab 1. Mai wieder in Kraft. Das heißt, wenn Unternehmen zahlungsunfähig werden und eine Insolvenz droht, müssen sie dies entsprechend den Vorgaben der Insolvenzordnung anzeigen.

Wegen der Pandemie war die fristgerechte Anzeigepflicht ausgesetzt worden. Dadurch hatten Betriebe mehr Zeit, die Schieflage abzuwenden, beispielsweise durch den Bezug von Corona-Hilfsgeldern. Diese Sonderregelung war in den vergangenen Monaten mehrfach verlängert worden und läuft nun aus.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hatte gegenüber Medien erklärt, er rechne nicht mit einer Insolvenzwelle. Das Kfz-Gewerbe dagegen geht sehr wohl von einem Anstieg aus. Dafür spricht auch die Statistik. Denn trotz der wirtschaftlichen Krise wurden laut Statistischem Bundesamt im vergangenen Jahr so wenig Insolvenzen gemeldet wie noch nie seit Einführung der Insolvenzordnung im Jahr 1999. Gegenüber 2019 sank die Zahl der Firmeninsolvenzen um 15,5 Prozent.

Die Aussetzung der Anzeigepflicht führte auch zu einem historischen Tiefstand der Insolvenzen im Kfz-Gewerbe. „Die bisher niedrigen Zahlen der Unternehmensinsolvenzen dürften vor allem auf die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen und das Aussetzen der Anmeldepflicht für Insolvenzen zurückzuführen sein“, schätzten auch die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem aktuellen Frühjahrsgutachten. Danach wird es „vorübergehend zu einem deutlichen Anstieg der Insolvenzen kommen, wenn die staatlichen Hilfsmaßnahmen auslaufen und die Pflicht zur Insolvenzanmeldung wieder vollumfänglich gilt“.

Diese Meinung teilt auch Ellen Schmidt aus der ZDK-Abteilung Betriebswirtschaft: „Wir gehen davon aus, dass dieses Szenario ebenfalls für die Autohäuser und Kfz-Werkstätten zutreffen wird.“ Eine erneute Aussetzung der Anzeigepflicht hatte der Bund abgelehnt.

„Ein Anstieg der Insolvenzzahlen im laufenden Jahr, insbesondere in der zweiten Jahreshälfte, wie auch später folgende, lässt sich vor allem darauf zurückführen, dass einige Insolvenzen, die regulär erfolgt wären, durch die staatlichen Corona-Unterstützungsmaßnahmen und die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bisher verhindert wurden“, glaubt Schmidt.

Der Anstieg werde in Etappen bemerkbar sein: Ab dem 1. Mai mit Einsatz der vollständigen Insolvenzantragspflicht und später, wenn die Überbrückungshilfe III oder bestimmte Förderprogramme nicht mehr in Anspruch genommen werden können, so Schmidt. Auch der Auslauf des Kurzarbeitergeldes könnte aus ihrer Sicht einen Effekt im nächsten Jahr zeigen.

Die anhaltende Pandemie und ihre aktuellen Auswirkungen auf den Verkauf, drückten zudem die Aussicht für die Betriebe, sich schnell erholen zu können: „Wir gehen davon aus, dass sich die Neuwagen-Absatzzahlen, wie auch die Werkstattauslastung, aufgrund des anhaltenden Lockdowns in diesem Jahr nach unten korrigieren werden. Es ist davon auszugehen, dass der damit verbundene gesunkene Umsatz, einen leichten Anstieg der Insolvenzzahlen und Betriebsaufgaben bei den Betrieben nach sich ziehen dürfte, die schon in der Vergangenheit keine große Gewinnspanne hatten", betont Schmidt.

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 Doris Pfaff

Doris Pfaff

Redakteurin bei »kfz-betrieb«, Ressort Verbände & Politik