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ZDK: Ein Jahr Zeit für Diesel-Nachrüstung verloren

| Autor: Andreas Wehner

Ein Jahr nach dem Dieselgipfel gibt es noch keine Regelung zur Hardwarenachrüstung älterer Diesel-Fahrzeuge. ZDK-Präsident Jürgen Karpinski fordert die Politik zum Handeln auf. Unterdessen sind sich Verbraucherschützer und Autoindustrie in der Bilanz des Dieselgipfels uneins.

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ZDK-Präsident Jürgen Karpinski
ZDK-Präsident Jürgen Karpinski
(Foto: ZDK)

Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) sieht ein Jahr nach dem Diesel-Gipfel ein wichtiges Problem noch nicht gelöst: Es gibt noch keine Regelung für die Hardware-Nachrüstung von älteren Diesel-Fahrzeugen. „Hardware-Nachrüstung ist machbar, hilft der Umwelt und stabilisiert die Werte insbesondere der Euro 5-Diesel“, sagte ZDK-Präsident Jürgen Karpinski laut einer Verbandsmitteilung.

Im Autohandel gibt es laut dem ZDK immer noch einen Bestand von mehr als 300.000 Euro 5-Diesel-Pkw mit einem Gesamtwert von rund 4,5 Milliarden Euro. Sie seien aktuell jedoch nur mit hohen Abschlägen zu verkaufen, so der ZDK. Hinzu kämen Leasing-Rückläufer, die weitere Verluste im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich befürchten ließen. „Diese Situation trifft mittelständische Betriebe, die sich dadurch teilweise existenziell bedroht sehen“, so Karpinski.

Der ZDK-Präsident erinnerte an die Aussage im Koalitionsvertrag, die Nachrüstung von Diesel-Bestandsfahrzeugen in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Diesel-Expertenrunden regeln zu wollen. Auch ein Jahr nach dem Diesel-Gipfel stehe ein abschließender Bericht immer noch aus. Ein Gutachten habe gezeigt, dass eine Hardware-Nachrüstung mit vertretbarem Aufwand realisierbar sei. Und dass sie funktioniere, hätten verschiedene Zulieferer und der ADAC mit Tests nachgewiesen.

„Wer sein älteres Diesel-Fahrzeug mit Hardware freiwillig sauberer machen will, sollte dafür auf eine rechtssichere Regelung zurückgreifen können und von Fahrverboten verschont bleiben“, forderte Karpinski. „Nur dann werden Dieselfahrzeuge mit ihrem sparsamen und klimafreundlichen Antrieb wieder werthaltig.“

Der ZDK hält ein öffentliches Förderprogramm wie seinerzeit beim Rußpartikelfilter für begrüßenswert. Auch die Fahrzeughersteller sollten dazu ihren Beitrag leisten. „Wir hoffen sehr, dass bis Ende September eine positive Entscheidung pro Hardware-Nachrüstung fällt“, sagte Karpinski. In ihrer Sommer-Pressekonferenz hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel diesen Zeitrahmen für eine Entscheidung genannt.

Verbraucherschützer und VDA mit unterschiedlicher Bilanz

Unterdessen haben Verbraucherschützer und Autoindustrie ein Jahr nach dem Dieselgipfel eine unterschiedliche Bilanz gezogen. Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV), sieht im Dieselgipfel einen Flop. Dieselfahrer seien verunsichert und warteten vergebens auf Aufklärung. Die freiwilligen Software-Updates stockten, Hardware-Nachrüstungen lägen in weiter Ferne, in mehreren Städten drohten Fahrverbote. „Es wird Zeit für einen zweiten, echten Dieselgipfel, bei dem auch betroffene Dieselfahrer vertreten sein müssen. Die Bundesregierung muss eine ehrliche Bilanz ziehen und von den Autoherstellern schnelle Besserung einfordern“, forderte Müller.

Dagegen betonte der Verband der Automobilindustrie (VDA) die verbesserte Luftqualität. „Von flächendeckenden Fahrverboten kann nicht mehr die Rede sein“, sagte VDA-Präsident Bernhard Mattes. Wichtig sei eine rasche Erneuerung des Pkw-Bestands. Allein 2017 seien 1,1 Millionen Euro-6-Diesel auf die Straße gekommen und fast ebenso viele ältere Diesel aus dem Bestand gegangen. Dieser Prozess setze sich kontinuierlich fort. Bei den auf dem Dieselgipfel vereinbarten Maßnahmen – Software-Updates, Umstiegsprämien, Mobilitätsfonds – komme man gut voran.

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Über den Autor

 Andreas Wehner

Andreas Wehner

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«