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ZDK erwartet steigende Insolvenzzahlen

| Autor / Redakteur: Christoph Baeuchle / Andreas Grimm

Niedrige Zinsen und die hohe Neuwagennachfrage bescheren dem Kfz-Gewerbe derzeit eine Sonderkonjunktur. Normalisiert sich die Lage, drohen der Branche vermehrt Unternehmenspleiten.

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(Bild: Grimm / »kfz-betrieb«)

Die Phase rückläufiger Insolvenzzahlen geht dem Ende entgegen. Nachdem in den vergangenen Jahren die Statistik immer weniger insolvente Autohäuser und Werkstätten auswies, drohen in den kommenden Jahren wieder mehr Pleiten. „Wenn sich die wirtschaftliche Situation normalisiert, ist wieder von mehr Insolvenzen auszugehen“, sagte ZDK-Vizepräsident und Fabrikatssprecher Thomas Peckruhn in Berlin.

Diese Entwicklung deutete sich bereits Ende vergangenen Jahres an. Im Oktober und November gingen die Insolvenzzahlen laut Statistischem Bundesamt zum Teil deutlich nach oben. Allein im November zählte das Amt ein Plus von 115 Prozent auf 69 Verfahren in der Kfz-Branche. Im Jahresverlauf 2017 blieb die Zahl der Handelsinsolvenzen im Großen und Ganzen noch stabil, die Werkstattpleiten kletterten dagegen um 9 Prozent (Januar bis November 2017).

Doch die aktuelle Entwicklung könnte erst der Anfang sein. Peckruhn nennt diverse Faktoren, die ausschlaggebend sind. „Die gute Neuwagenkonjunktur hat in den vergangenen Jahren viel kaschiert“, analysiert er. Zu nennen seien auch die Umweltprämien, die nicht zuletzt manchem VW-Betrieb nochmals Luft gegeben haben, aber im Lauf des Jahres enden werden.

Die Situation vieler Betriebe verschärfen können zudem die Maßnahmen, die verschiedene Fabrikate in ihren Netzen umsetzen. Die Veränderungen im Volkswagen- und Audi-Netz sind allenfalls die Spitze der Umwälzungen. Auch bei anderen Fabrikaten stehen die Verträge zur Disposition.

Zudem setzt die Dieselproblematik den Händlern zu. Jeder zweite klagt über eine Zunahme der Euro-5-Diesel-Pkws im Bestand. Bereits im Herbst vergangenen Jahres saßen die Händler laut einer ZDK-Umfrage auf rund 300.000 nur schwer verkäuflichen Euro-5-Diesel-Fahrzeugen im Wert von 4,5 Milliarden Euro.

Doch es sind nicht nur die branchenspezifischen Elemente, die derzeit für eine Sondersituation im Kfz-Gewerbe sorgen. Auch die sehr niedrig gehaltenen Zinsen der Europäischen Zentralbank erhalten einige Unternehmen künstlich am Leben. „Kehren wir zur Realität zurück, knallt es“, erwartet Peckruhn.

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