ZDK geht gegen HUK-Pläne vor

Autor: Christoph Baeuchle

Der Zentralverband hat die jetzt offiziell gewordene Entscheidung der HUK-Coburg, ins Servicegeschäft einzusteigen, scharf kritisiert. Der ZDK hat Zweifel an der rechtlichen Zulässigkeit.

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(Foto: Huk-Coburg)

Der ZDK will gegen die Pläne der HUK-Coburg Versicherungsgruppe, künftig ihre Werkstattaktivitäten in allen Bundesländern anbieten zu wollen, vorgehen. Der Verband zweifelt an der kartellrechtlichen Zulässigkeit vorgegebener Festpreise für Dienstleistungen der Servicepartner. Entsprechend werde der ZDK das Bundeskartellamt um Prüfung ersuchen, kündigte der Zentralverband an.

Die Versicherungsgruppe will in den nächsten drei bis vier Jahren ein eigenes Servicenetz mit 250 bis 300 Betrieben aufbauen. Diese will das Unternehmen im Kreise der rund 800 freien Partnerbetriebe seines bereits vorhandenen „Kasko-Select“-Netzwerkes suchen. Besonders im Fokus sind dabei die freien Karosserie- und Lackierwerkstätten, die zu Mechanik-/Servicebetrieben mit voller Kompetenz weiterentwickelt werden sollen.

Als Service-Konzeptgeber tritt Huk-Coburg damit unter anderem in direkten Wettbewerb zu den Vertragswerkstätten. Mit dem Konzept will der Versicherer eine günstigere Alternative im Servicemarkt bieten. Kunden des Versicherers soll ein Preisvorteil von rund 30 Prozent im Vergleich zu den markengebundenen Betrieben entstehen, wenn sie Servicearbeiten bei teilnehmenden Werkstätten durchführen lassen.

Bereits seit einigen Monaten testet die Versicherungsgruppe ihr Angebot in Nordrhein-Westfalen im Rahmen eines Pilotprojektes mit mittlerweile zehn Kfz-Betrieben. Die teilnehmenden Werkstätten bieten Dienstleistungen zu Festpreisen:

  • Je nach Größe des Fahrzeugs eine Inspektion zwischen 199 Euro und 299 Euro,
  • Haupt- und Abgasuntersuchung im Paket für 79 Euro plus 10 Euro Vorabcheck sowie
  • Räderwechsel für 19 Euro.

Die Frage, inwieweit sich die flächendeckende Einführung des Konzeptes auf die Kooperation mit Markenbetrieben auswirkt, von denen rund 600 im „Kasko-Select“-Netz vertreten sind, lässt Huk-Coburg offen. „Die Zusammenarbeit mit den Marken-Autohäusern funktioniert bislang sehr gut“, betont Unternehmenssprecher Thomas von Mallinckroth auf Nachfrage von »kfz-betrieb«. Zu der neuen Konkurrenzsituation, die die Einführung des Konzeptes aufwirft, wollte er sich nicht weiter äußern.

Noch höherer Wettbewerbsdruck im Service

Dem Versicherer gehe es mit dem neuen Konzept wohl vor allem um einen zusätzlichen Lockreiz außerhalb seines eigentlichen Geschäftsfeldes im Wettbewerb mit anderen Versicherern, ist der ZDK überzeugt. Aus Sicht des Kfz-Gewerbes würde dadurch jedoch der bereits bestehende massive Wettbewerbsdruck im Service weiter erhöht.

Dieser Kritik stimmt das Kfz-Gewerbe Bayern zu: „Ein weiterer Druck auf die Preise schadet letztlich immer der Qualität. Gut ausgebildetes Personal hat seinen Preis“, sagte Klaus Dieter Breitschwert, Präsident des Kfz-Gewerbes Bayern. „Moderne Automobile brauchen zur Wartung und Reparatur Experten, die in fortlaufender Weiterbildung die neuesten Technologien erlernen müssen, und umfangreiches Equipment – beides haben unsere Meisterbetriebe der Kfz-Innungen.“

Breitschwert kritisierte insbesondere auch die Auswahl der Betriebe unter Karosserie- und Lackierwerkstätten. Selbst der Versicherungskonzern sehe hier nach eigenen Worten möglicherweise weiteren Qualifizierungsbedarf bei seinen späteren Service-Partnern. „Die Kfz-Branche sucht händeringend nach Fachkräften und qualifiziertem Personal. Die Vorstellung, eine gleich hohe Qualität bei der Wiederherstellung von verkehrssicheren Fahrzeugen zu unter dem Markt liegenden Preisen zu erhalten, kann nur ein völlig branchenfremdes Unternehmen haben“, kritisiert Breitschwert.

Bereits in den vergangenen Jahren hat der Wettbewerb im Servicegeschäft deutlich zugenommen. Der Umsatz war im vergangenen Jahr erstmals seit dem Jahr 2002 wieder zurückgegangen, und zwar bundesweit um 3,4 Prozent auf 29,9 Milliarden Euro. Dazu habe auch das Schadenmanagement der Versicherer und Flottenbetreiber beigetragen, so ein ZDK-Sprecher. Am Ende fehle der erforderliche Ertrag, um in die notwendige Weiterbildung der Mitarbeiter sowie in die modernste Werkstattausrüstung für die sich rasant entwickelnde Fahrzeugtechnik zu investieren. Der Druck auf die Werkstätten sei noch nie so hoch gewesen wie derzeit.

Der Verband fürchtet, dass auch andere Versicherungsunternehmen dem Beispiel der HUK-Coburg folgen und beim Schadenmanagement nachziehen. Das werde sich nachhaltig negativ auf das Servicegeschäft und damit auf zahlreiche Kfz-Betriebe auswirken.

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 Christoph Baeuchle

Christoph Baeuchle

Chefreporter Automobilwirtschaft & Politik/Verbände