ZDK sieht positive Aspekte des Konjunkturpakets

Autor: Doris Pfaff

Keine Frage, eine Kaufprämie hätte den Autohandel besser anstoßen können. Dennoch betrachtet die ZDK-Geschäftsführerin Antje Woltermann das Konjunkturpaket des Bundes und seine Wirkung auf die Kfz-Branche durchaus positiv.

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ZDK-Geschäftsführerin Antje Woltermann bewertet das Konjunkturpaket des Bundes grundsätzlich positiv.
ZDK-Geschäftsführerin Antje Woltermann bewertet das Konjunkturpaket des Bundes grundsätzlich positiv.
(Bild: ZDK)

Auch wenn eine Kaufprämie für Verbrenner ausfiel, ist der ZDK unterm Strich mit dem Konjunkturpaket des Bundes nicht unglücklich. Geschäftsführerin Antje Woltermann nahm die 57 Einzelmaßnahmen des Pakets unter die Lupe und für die Autobranche eine entsprechende Bewertung vor. Dabei unterscheidet sie zwischen den Maßnahmen, die den Absatz von Fahrzeugen betreffen und solchen, die sich direkt auf den Betrieb auswirken.

Als nur bedingt positiv wertet Woltermann die Senkung der Mehrwertsteuer auf den Umsatz. Zwar glaubt sie, dass die Fahrzeugnachfrage im zweiten Halbjahr steigen wird, allerdings bei Privatkunden erst ab dem 1. Juli, weil erst dann die Mehrwertsteuersenkung in Kraft tritt.

Noch eine Durststrecke für den Handel

Für die Händler bedeute das nach der Hängepartie um die Kaufprämie nochmals eine Durststrecke. Verkaufsziele werden wieder nicht erreicht und Boni an die Händler nicht geleistet. Die höhere Nachfrage im zweiten Halbjahr nach allen Antriebsarten, könnte für den Autohandel eine Chance sein, seinen Bestand von Gebrauchtwagen zu reduzieren, weil sich Kunden aufgrund langer Lieferzeiten gegen einen Neuwagen entscheiden.

Für das Flottengeschäft und für Gewerbekunden werde die vorübergehende Mehrwertsteuersenkung jedoch keinen Effekt haben, da sie ein durchlaufender Posten in der Buchhaltung sei. Möglicherweise einen positiven Effekt, könnte die finanzielle Entlastung der Kommunen auf den Autohandel haben, wenn diese nun neue Fahrzeuge anschafften. Als kritisch sieht Woltermann dagegen die vom Bund geplante Anbindung der Kfz-Steuer an die CO2-Emissionen.

„Nachfrage nach Stromern wird steigen“

Mit der Erhöhung der Umweltprämie für E-Fahrzeuge werde die Nachfrage nach Stromern steigen, auch wenn die Genehmigung durch die Europäische Union noch aussteht. „Jedoch ist unverständlich, warum nicht auch moderne Verbrenner, die mittlerweile sehr gute Abgaswerte erreichen, eine Kaufprämie erhalten, um die Nachfragen anzufachen“, sagt Woltermann.

Als sehr positiv und steigernd auf die Nachfrage, wertet Woltermann die Investition des Bundes in ein Flottenmodernisierungsprogramm für Busse und Lkw sowie die Ankündigung des Bundes, sich in Brüssel für ein befristetet europaweites Flottenerneuerungsprogramm für schwere Nutzfahrzeuge einzusetzen.

Sozialgarantie schützt das Nettoeinkommen

Als direkt auf den Betrieb sehr positiv wirkende Maßnahme versteht die ZDK-Geschäftsführerin die „Sozialgarantie 2020“ des Bundes, um die Lohneinkommen vor gesteigerten Beiträgen für die Sozialversicherungen zu schützen. Davon profitiere auch der Arbeitgeber. Nachhaltiger wäre jedoch eine Absicherung der Sozialbeiträge über 2021 hinaus, so Woltermann.

Finanzielle Entlastungen werden den Betrieben unter anderem die Änderungen für die Steuererklärung bringen. Auch die Verkürzung des Entschuldungsverfahrens auf drei Jahre, könne von Insolvenz bedrohten Betrieben helfen, vorausgesetzt, das Verfahren könne vor Missbrauch geschützt werden.

Von der Verlängerung des Kurzarbeitergeldes profitiere die Automobilbranche ebenfalls stark, weil das Instrument helfe, Arbeitslosigkeit zu verhindern. Ebenfalls sehr positiv sieht Woltermann den Schutzschirm des Bundes zugunsten des Ausbildungsmarkts. So sollen unter anderem Betriebe, die neue Azubis einstellen und solche, die Auszubildende aus insolventen Betrieben übernehmen, eine Prämie erhalten.

Um die Digitalisierung in der Wirtschaft weiter voranzubringen, sollen Verwaltungen gefördert und dadurch wichtige Prozesse beschleunigt werden, von denen Unternehmen stark profitieren werden.

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Über den Autor

 Doris Pfaff

Doris Pfaff

Redakteurin bei »kfz-betrieb«, Ressort Verbände & Politik