Feier für 50 Jahre Kfz-Schiedsstelle Ziel ist immer, den Streit zu schlichten

Autor: Doris Pfaff

Vertragen statt klagen: Nach diesem Motto handelt die Kfz-Schiedsstelle in Schleswig-Holstein seit 50 Jahren. Ihr Jubiläum feierten die Initiatoren, der ADAC und der Kfz-Verband Schleswig-Holstein mit Gästen und Autorechtsexperten in Kiel.

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Gerhard Hillebrand (r.), Vorsitzender des ADAC Schleswig-Holstein und Verkehrspräsident im ADAC, sowie Tim Schneider, Vizepräsident und Landesinnungsmeister des Verbandes des Kfz-Gewerbes in Schleswig-Holstein, feierten das 50-jährige Bestehen der gemeinsamen Kfz-Schiedsstelle.
Gerhard Hillebrand (r.), Vorsitzender des ADAC Schleswig-Holstein und Verkehrspräsident im ADAC, sowie Tim Schneider, Vizepräsident und Landesinnungsmeister des Verbandes des Kfz-Gewerbes in Schleswig-Holstein, feierten das 50-jährige Bestehen der gemeinsamen Kfz-Schiedsstelle.
(Bild: Kfz-Gewerbe Schleswig-Holstein)

In den vergangenen fünf Jahrzehnten landeten jährlich rund 600 Streitfälle zwischen Autobesitzern und Werkstatt oder Händlern aus Schleswig-Holstein bei der Kfz-Schiedsstelle. Die meisten Streitigkeiten konnten geschlichtet und somit ein Rechtsstreit vor Gericht vorgebeugt werden. Für die Betreiber der Kfz-Schiedsstelle, dem ADAC und dem Verband des Kfz-Gewerbes Schleswig-Holstein war das ein guter Grund, am Donnerstag gemeinsam in der Wunderino-Arena Kiel das 50-jährige Bestehen zu feiern.

Damit dürften die Schiedsstellen des Kfz-Gewerbes zu den ältesten verfassten Schiedsstellen eines Wirtschaftsbereichs in Deutschland zählen, betonten die Veranstalter in Kiel. Kfz-Schiedsstellen klären außergerichtlich Streitigkeiten zwischen Autokunden und Kfz-Meisterbetrieben und verfolgen immer das Ziel, den Streit zu schlichten.

„Da kann auch das seit 2016 gültige Verbraucherschutzstreitbeteiligungsgesetz nicht mithalten“, sagte Gerhard Hillebrand, Vorsitzender des ADAC Schleswig-Holstein und Verkehrspräsident im ADAC, in seiner Begrüßungsrede.

Denn bei dem von der Politik erst spät beschlossenen Verfahren könnten Unternehmen selbst entscheiden, ob sie überhaupt am Streitbeilegungsverfahren teilnehmen wollen. Außerdem müsse das Unternehmen – anders als in der Kfz-Schiedsstelle - beim Erreichen einer Schlichtung den Schlichterspruch nicht unbedingt anerkennen. „Das sind aus unserer Sicht für den Verbraucher zu viele Unwägbarkeiten“, betonte Hillebrand.

Die Feier zum 50-jährigen Bestehen der Kfz-Schiedsstelle in Schleswig-Holstein fand in der Wunderino-Arena in Kiel statt.
Die Feier zum 50-jährigen Bestehen der Kfz-Schiedsstelle in Schleswig-Holstein fand in der Wunderino-Arena in Kiel statt.
(Bild: Kfz-Gewerbe Schleswig-Holstein)

Das System der Kfz-Schiedsstellen sei dagegen bestens etabliert, sowohl beim Kunden als auch bei den Kfz-Werkstätten, die Innungsmitglied sind. Komme es zu einem Schlichterspruch, ist der für die Werkstatt bindend. „Deshalb sind unsere Schlichtungen nachweislich so erfolgreich“, sagte Hillebrand. Es funktioniere und sei für die Kunden kostenlos.

Wie Tim Schneider, Vizepräsident und Landesinnungsmeister des Verbandes des Kfz-Gewerbes in Schleswig-Holstein, betonte, spiegele sich durch die hohe Anzahl der schon im Vorfeld zur Streitschlichtung beigelegten Unstimmigkeiten die tatsächliche Leistung der Schlichtverfahren nicht realistisch in den Fallzahlen wider.

Seit fünf Jahren werden in der Statistik zudem nur die Verfahren der Schiedsstelle auf Landesebene gezählt, sodass die erfassten Fälle seit 2017 mit 345 oder 98 im Jahr 2020 nicht die tatsächliche Schlichteraktivitäten wiedergäben.

Vertrauen zum Kunden wieder herstellen

Der Geschäftsführer des Verbands, Jan-Nikolas Sontag, gab einen Einblick in die Arbeit der Schiedsstellenarbeit und interviewte während der Feier dazu Mitglieder der Schiedskommission. Dabei wurde deutlich: Viele Fälle, bei denen Verbraucher unsachgemäße Arbeit, nicht nachvollziehbare oder vermeintlich zu hohe Rechnungen und Ähnliches monierten, ließen sich durch die Schlichter auf Augenhöhe klären.

Es habe sich gezeigt, so Sontag, dass durch diese Verfahren in den meisten Fällen sogar das Vertrauensverhältnis zwischen Kunden und Kfz-Betrieb wiederhergestellt werden konnte. „Dieses ist natürlich für eine weiter andauernde erfolgreiche Kundenbeziehung enorm wichtig“, so Sontag.

Launig und amüsant, aber in der Sache mit einer gehörigen Portion bissiger Ironie skizzierte anschließend Professor Ansgar Staudinger, Vorsitzender des Deutschen Verkehrsgerichtstages, die Versäumnisse der Regierung bei der Umsetzung von EU-Richtlinien. In seinem Vortrag erläuterte er die Bedeutung der Verjährungs- und Haftungsfristverkürzung im Gebrauchtwagenhandel.

Glückwünsche überreichte als Vertreter des zuständigen Landesjustizministeriums Dirk Bahrenfuss. Auch er betonte in seinem Grußwort die Bedeutung der Kfz-Schiedsstellen für die Entlastung der Gerichte. Der außergerichtlichen Streitschlichtung gebe auch die Justiz den Vorzug, betonte er.

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Über den Autor

 Doris Pfaff

Doris Pfaff

Redakteurin bei »kfz-betrieb«, Ressort Verbände & Politik