Verbringungskosten können nicht pauschal gekürzt werden

Autor / Redakteur: autorechtaktuell.de / Christoph Seyerlein

Vor dem Amtsgericht Hattingen stritten zwei Parteien um gerade einmal 21,61 Euro. Sie waren sich über angefallene Verbringungskosten nicht einig.

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(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Unfallschädiger müssen Geschädigten auch die Verbringungskosten des Autos zur jeweiligen Reparatur erstatten – zumindest, wenn diese Teil der erforderlichen Herstellungskosten sind. So urteilte das Amtsgericht (AG) Hattingen am 18. März 2016 (AZ: 11 C 211/15).

Im verhandelten Fall hatte die Beklagte die verlangten Verbringungskosten um 21,61 Euro gekürzt. Diese waren zuvor im von der Klägerin eingeholten Sachverständigengutachten und in der vorgelegten Reparaturrechnung in voller Höhe berechnet worden. Das Gericht sprach dem Kläger das noch ausstehende Geld zu.

Die Entscheidung begründete das AG Hattingen damit, dass Verbringungskosten zum Lackierer zu den erforderlichen Herstellungskosten zählen. Diese muss ein Schädiger ersetzen, sofern der Geschädigte sie als verständiger, wirtschaftlich denkender Mensch für zweckmäßig halten durfte.

Außerdem spiele es keine Rolle, ob die berechnete Pauschale aus heutiger Sicht technisch überhöht sei. Die Klägerin durfte davon ausgehen, dass die Verbringungskosten tatsächlich angefallen und somit erforderlich waren. Ebenfalls für die Klägerin sprach, dass sie den vorliegenden Schaden konkret abgerechnet hatte und diese Rechnung dem Gutachten entsprach. Somit ist die Geschädigte ihren Schadenminderungspflichten nachgekommen, das Prognoserisiko trägt damit der Schädiger.

Bezug zur Praxis

Das AG Hattingen stellt klar, dass pauschale Kürzungsversuche von konkret angefallenen Verbringungskosten – zumindest bei korrekter Argumentation – zum Scheitern verurteilt sind. Letztlich kommt es darauf an, was der Geschädigte für erforderlich halten durfte.

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