Abgasgesetze: Die nächsten Jahre werden hart

Kurz vor Weihnachten schreckte eine Nachricht von der EU-Kommision die Branche auf: Angeblich wird der Partikelfilter für Benziner schon 2018 Pflicht. Was ist davon zu halten – und was ändert sich in den nächsten beiden Jahren wirklich?

Viel zu messen: Das strenge WLTP-Verfahren wird die Abgaslabors künftig gut auslasten.
Viel zu messen: Das strenge WLTP-Verfahren wird die Abgaslabors künftig gut auslasten.
(Bild: FAKT GmbH)

WLTP, RDE, Euro 6c – die Abkürzungsproduktionsmaschinen der internationalen Gesetz- und Richtliniengeber laufen derzeit auf Hochtouren. 2017 und 2018 sind zwei entscheidende Jahre für die Frage, was beim Auto hinten herauskommen darf.

Kurz vor Weihnachten reagierten die Autohersteller und vor allem ihr deutscher Spitzenverband VDA aufgeschreckt auf eine Nachricht aus Brüssel: „Die EU setzt Feinstaub-Obergrenzen, die sich laut offiziellen Angaben nur mit Filtern einhalten lassen.“ Was war passiert? Vertreter der EU-Mitgliedsstaaten haben die Regelungen zu den Real Driving Emissions (RDE) noch einmal schärfer gefasst und sich darauf geeinigt, dass ab September 2017 bei Neuhomologationen auch die Partikelemissionen im realen Fahrbetrieb gemessen und bewertet werden. Ursprünglich war geplant, lediglich Stickoxide und Kohlenmonoxid zu messen.

Die zweite Verschärfung: Für alle Neuzulassungen gelten diese Regelungen schon ab September 2018 – ein Jahr früher als ursprünglich vorgesehen.

Größere Änderungen an bestehenden Fahrzeugen

Die Industrie fühlt sich von dieser Regelung überfahren. Denn wer jahrelang seine Produkte ausschließlich für den laschen NEFZ optimiert hat, der dürfte sich nun schwertun, mit existierenden Fahrzeugmodellen im Realbetrieb plötzlich sauber zu sein – vor allem bei heutigen Ottomotoren mit Direkteinspritzung, die ja keinen Partikelfilter haben.

Dabei sind die Grenzwerte der Norm Euro 6c und ihr Einführungszeitplan schon seit Jahren bekannt. Ab September dürfen neu homologierte Modelle mit Ottomotor noch 6 x 1011 Partikel pro Kilometer ausstoßen – ein Wert, der sich nur mit einem Filter sicher erreichen lässt.

Technisch mag es zwar möglich sein, die Abgaslimits auf dem Prüfstand ohne Rußfänger einzuhalten. Doch auf der Straße muss das noch längst nicht funktionieren (Stichwort RDE). Tests des ADAC haben gezeigt, dass selbst Benziner mit Saugrohreinspritzung oder Hybride in ungünstigen Fahrsituationen Partikel ausstoßen. Sicherheit bietet hier nur ein Filter. Vor allem die deutschen OEM können sich nicht erneut vorwerfen lassen, nicht die beste verfügbare Abgastechnik eingesetzt zu haben – so wie es vor zehn Jahren bei der Einführung der Euro-4-Diesel war.

WLTP tritt im September für Neuhomologationen in Kraft

Dritte Änderung: Ab dem 1. September 2017 werden Autos nach dem neuen Testprocedere WLTP typgeprüft, das den Autoherstellern sehr viel genauere Vorschriften dazu macht, wie sie die Fahrzeuge für den Prüfstandslauf vorbereiten dürfen. So sollen realistischere Werte für Kraftstoffverbrauch und Schadstoffemission herauskommen, mit denen der Käufer auch etwas anfangen kann. 2018 sollen die Katalogwerte dann für alle Neufahrzeuge nach WLTP angegeben werden.

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