BMW: „Wir sind nie davon ausgegangen, dass Audi etwas Illegales macht“
Der frühere BMW-Motorenchef und jetzige Einkaufsvorstand Markus Duesmann erklärt die Münchner im Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“ zu echten Abgas-Saubermännern. Und auch der Konkurrenz habe er Manipulationen nie zugetraut.

Während neben Volkswagen mit Daimler mittlerweile auch ein zweiter deutscher Hersteller in der Diesel-Affäre eingeknickt ist und mehrere Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten ruft, ist BMW weiter von der eigenen Unbescholtenheit überzeugt. Im Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“ unterstrich das der frühere Motorenchef und jetzige Einkaufsvorstand Markus Duesmann nachdrücklich. „Verbotene Abschalteinrichtungen waren bei uns nie ein Thema. Wir haben nie darüber diskutiert, ob wir das machen“, zitiert ihn die Zeitung.
Zugleich habe er auch der Konkurrenz nicht zugetraut, zu illegalen Mitteln bei der Abgasreinigung zu greifen, so Duesmann weiter. Im Jahr 2012, als Duesmann die Leitung des Antriebsbereichs bei den Münchnern übernahm, habe es bei BMW intern „heftige Debatten und großen Druck“ gegeben, da die Diesel-Modelle von Audi deutlich weniger Ad-Blue verbrauchten als die eigenen Fahrzeuge. Gerade aus dem Vertrieb seien Fragen aufgekommen, wie es sein kann, dass Audi viel längere Laufzeiten ohne Ad-Blue-Nachfüllung stemmen kann. Eine Antwort darauf hatten Duesmann und seine Kollegen nicht liefern können.
Mittlerweile ist klar, dass Audi mithilfe von illegaler Software die Ad-Blue-Katalysatoren im realen Fahrbetrieb herunterregeln ließ. Für Duesmann zum damaligen Zeitpunkt ein unvorstellbarer Vorgang. „Wir waren nie davon ausgegangen, dass die Konkurrenz etwas macht, was illegal ist.“ Die BMW-Entwickler selbst hätten dem internen Druck aber standgehalten und den Einbau größerer Ad-Blue-Tanks und relativ teurer Speicher-Kats durchgesetzt, so Duesmann. Die Marschroute habe gelautet: „Wir bauen an Technik das ein, was notwendig ist, um die Grenzwerte in Europa und den USA einzuhalten.“
Im Gespräch teilte Duesmann zudem einen Seitenhieb in Richtung Wolfsburg und Ingolstadt aus: „Bei uns kann ein Bereichsleiter sagen, das geht technisch nicht anders, ohne Angst haben zu müssen, deshalb Ärger zu bekommen. Das ist eben unsere Unternehmenskultur“, zitiert ihn die SZ. Der Volkswagenkonzern gilt als streng hierarchisch geführt, teilweise war in den Medien von einem „Klima der Angst“ in einigen Abteilungen die Rede.
Ein astreines Bild gibt aber auch BMW in der Abgas-Affäre nicht ab. Auch Diesel-Modelle der Münchner haben bei verschiedenen Tests im realen Fahrbetrieb die in Europa gültigen Stickoxid-Grenzwerte teilweise klar gerissen. In den USA sind dagegen keine Verfehlungen des Autobauers bekannt. „In den USA wurde mehr Wert auf niedrige Stickoxid-Emissionen gelegt, in Europa war ein niedriger Kohlendioxid-Ausstoß wichtiger. Diese unterschiedlichen Prämissen der Politik haben wir berücksichtigt", sagt Duesmann dazu.
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