Winterreifen: Liefersituation weiter angespannt

Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Dipl.-Ing. (FH) Jan Rosenow

Trotz verhaltener Marktaussichten bleiben Winterreifen knapp. Kommt die neue Mindestprofiltiefe, könnte es weitere Lieferschwierigkeiten geben.

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Es ist nicht ganz auszuschließen, dass die Reifenhersteller leicht übertreiben, wenn sie vor einer anhaltenden Reifenknappheit warnen. Das taten sie schließlich auch schon vor der Sommersaison, ohne dass freilich echte Engpässe aufgetreten wären. Entwarnung für den Winter zu geben, wäre trotzdem verfrüht. Die Umrüstnachfrage konzentriert sich auf einen kürzeren Zeitraum als im Frühjahr und ein überraschender Wintereinbruch kann sowohl die Reifenlogistik als auch die Werkstattkapazitäten überfordern. In diesem Jahr kommt dazu, dass die Bundesregierung vielleicht noch im Herbst die gesetzlich geforderte Mindestprofiltiefe erhöht.

Laut Peter Hülzer, dem Vorsitzenden des Bundesverbands Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV), hat das Bundesverkehrsministerium im Sommer einen diesbezüglichen Entwurf erarbeitet, der Ende September den Verkehrsministern der Länder zugehen soll. Nach Ansicht sowohl des BRV als auch von Automobilclubs sollte die Mindestprofiltiefe für Winterreifen vier Millimeter betragen. Damit dürften viele Autofahrer plötzlich feststellen, dass sie mit ihren alten „Schlappen“ nicht mehr über den Winter kommen.

Warnung vor Sondereffekten

Das wäre einer der „Sondereffekte“, vor denen Frank Titz warnt, Director Consumer Tires bei Goodyear Dunlop: „Wir sehen derzeit nicht die Gefahr, dass ein gesamtes Produktsegment knapp wird. In einzelnen Dimensionen kann es jedoch durchaus zu Engpässen kommen, wenn Sondereffekte auftreten.“ Das bestätigt Michael Lutz, Geschäftsführer der Vredestein GmbH: „Erste Größen werden bereits jetzt knapp. Dazu gehören nicht nur SUV- oder Van-Formate, sondern auch manche kleineren Pkw-Größen.“ Nachfragespitzen könne die Industrie nicht abfedern.

Auch Pirelli ist in den allermeisten Größen bereits ausverkauft. Bezüglich der Marktentwicklung rechnet Vertriebsleiter Pedro Navarro Both mit „einem leichten Wachstum bei den Lieferungen der Industrie an den Handel. Aber wir gehen davon aus, daß der Sell-Out nach dem letztjährigen Rekordwinter eher stabil bis leicht rückläufig sein wird.“

Der Markt schrumpft – oder er wächst

Michael Lutz von Vredestein bestätigt: „Das letzte Jahr ist nicht zu toppen. Mit einem Minus von drei Prozent wären wir noch gut bedient.“ Peter Gulow, Director Consumer Products, sieht das ähnlich – aber nur, wenn die StVO-Novelle nicht kommt. Anderenfalls erwartet er einen noch einmal höheren Sell-Out als 2010. Frank Titz von Goodyear Dunlop rechnet ebenfalls mit einem moderaten Marktwachstum im Jahr 2011.

Dem Orderverhalten sowohl des Großhandels als auch der Einzelhändler stellen die befragten Reifenhersteller ein gutes Zeugnis aus. Die Betriebe hätten mehr bestellt und die Ware auch früher abgenommen. Die Knappheit des letzten Jahres hat dazu geführt, dass nun auch Nischenmarken frühzeitig ins Kalkül gezogen werden. Toyo etwa lag laut Verkaufsleiter Marco Stezelow beim Ordereingang gut 80 Prozent über dem Vorjahreswert. Mehr oder weniger verklausuliert geben die Konzerne allerdings auch zu, dass sie bei Weitem nicht alle Bestellungen bedienen konnten.

Manche Reifenhersteller haben noch Reserven

Letzte Frage an die Reifenhersteller: Kann noch jemand nachliefern, wenn beispielsweise die StVO-Novelle kommt? Wolfgang Weynand von Michelin ist vorsichtig: „Im Grunde genommen ja. Allerdings hängt es von der Reifendimension ab.“ Dietmar Olbrich, Leiter Vertrieb und Marketing bei Hankook, verspricht „Wir haben noch Reserven auf Lager.“ Peter Gulow von Bridgestone: „Wir beobachten den Saisonverlauf und verlängern eventuell die Winterreifenproduktion.“ Pirelli kann „in einigen Größen noch aushelfen“.

Continental meldet: „Wir haben unsere Kapazitäten deutlich vergrößert und planen weitere Werke weltweit. Wir werden so mittelfristig durchaus eine gewisse Entspannung erreichen können, für diesen Winter ist allerdings noch mit einer relativ engen Liefersituation zu rechnen.“

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