Aus für Pneumant: Eine DDR-Marke verschwindet
Seit 1959 gibt es Fahrzeugreifen der Marke Pneumant – seit 1999 gehört die Marke zu Goodyear Dunlop. Nun stellt der Konzern die Produktion ein.
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Es ist das Aus für einen Klassiker der DDR-Industriegeschichte: Der Reifenhersteller Goodyear Dunlop hat heute bekanntgegeben, dass er die Produktion der Reifenmarke Pneumant einstellt. Als Gründe führt das Unternehmen die zuletzt schwache Nachfrage und die ausschließlich regionale Vermarktung an. Außerdem hat der Konzern mit Sava und Debica weitere Budgetmarken im Programm, die deutlich reger vermarktet werden.
Nicht zuletzt dürfte das Reifenlabel diese Entscheidung befördert haben: Es stellt ab November 2012 bestimmte Mindestanforderungen an die Leistungsfähigkeit von Reifen. Schließlich sind die Pneumant-Profile allesamt schon mehrere Jahre alt und hätten aufwendig modifiziert werden müssen, um die Anforderungen des Labels zu erfüllen.
Markengeschichte seit 1959
Fahrzeugreifen der Marke Pneumant gibt es seit 1959, doch die Reifenproduktion im Stammwerk Fürstenwalde läuft bereits seit 1906. In der DDR war Pneumant Monopolist. Nach der Wende übernahm zuerst Sumitomo (Dunlop) und schließlich 1999 Goodyear Dunlop das Ruder bei Pneumant und baute die Fertigungsstandorte Riesa und Fürstenwalde zu modernen, weltweit konkurrenzfähigen Reifenfabriken aus.
Das Ende von Pneumant wirke sich deshalb auch nicht auf die Produktionsstandorte von Goodyear Dunlop in Deutschland aus, heißt es in einer Mitteilung. Sowohl in Riesa als auch in Fürstenwalde werden heute vornehmlich die Premiumprodukte des Konzerns hergestellt.
„Vor dem Hintergrund der rückläufigen Nachfrage nach Pneumant werden wir unsere Entwicklungs- und Produktionskapazitäten für Produkte im unteren Preissegment zukünftig auf die Marken Sava und Debica konzentrieren. Beide Marken haben sich im Gegensatz zur Marke Pneumant, die ausschließlich in Deutschland vertrieben wurde, vor allem auch in internationalen Märkten sehr gut etabliert“, erläutert Dr. Rainer Landwehr, Vorsitzender der Geschäftsführung der Goodyear Dunlop Tires Germany GmbH.
Den Reifenmarkt dürfte die Konzernentscheidung wohl kaum tangieren – traurig werden nur die vielen Fans ostdeutscher Fahrzeugklassiker wie Trabant und Wartburg sein, die ihre Schätzchen in Zukunft nicht mehr mit historisch korrektem Reifenmaterial ausrüsten können.
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