Kabelreparatur

Autor / Redakteur: Uwe Meuren / Silvia Lulei

Eine Beschädigung an Kabeln ist leicht zu reparieren – vorausgesetzt, man hat das nötige Geschick und Fachwerkzeug zur Hand. Man muss einen Defekt nicht immer durch einen komplett neuen Kabelbaum ersetzen. Viele Kabeldefekte lassen sich dauerhaft reparieren.

Angenommen ein Auto wird ausschließlich für Fahrten zur Arbeitsstätte und zurück eingesetzt. Einziger Passagier ist der Fahrer. Er öffnet und schließt die Fahrzeugtür pro Tag jeweils vier Mal. Macht acht Bewegungen pro Tag, bei fünf Arbeitstagen sind es 40 in der Woche. Hochgerechnet ergeben sich bei nur 45 Arbeitswochen 1.800 Öffnungs- und Schließvorgänge im Jahr. Das bekommt auch das Material zu spüren, besonders die Stromkabel in der Tür.

Die Stromkabel versorgen sämtliche Komfort- und Sicherheitsbauteile mit Energie. Die Schwachstelle der Kabel liegt dort, wo sie von der A-Säule zur Tür führen. Eine eben solche Schwachstelle ist auch die Kofferraumklappe, bei der die beheizbare Heckscheibe mit Energie versorgt werden muss. Kommt es aufgrund ständiger Bewegung an den Stromleitungen zu Beschädigungen, spricht man von mechanischem Verschleiß. Es handelt sich dabei um durchgescheuerte, gerissene oder gebrochene Kabel. Bei neueren Fahrzeugen schützen Kabelschächte, Schutzrohre und Ummantelungen vor Scheuer- und Knickstellen.

Eine Beschädigung an Kabeln ist leicht zu reparieren – vorausgesetzt, man hat das nötige Geschick und Fachwerkzeug zur Hand. Man muss einen Defekt nicht immer durch einen komplett neuen (und sehr teuren) Kabelbaum ersetzen. Viele Kabeldefekte lassen sich dauerhaft reparieren. Das notwendige Equipment ist eine Crimpzange, Ersatzkabel in entsprechender Stärke, Isolierband, selbstverschweißendes Schrumpfband oder Schrumpfschlauch und wärmeschrumpfende Quetsch- oder Lötverbinder.

Farbe bestimmt das Spiel

Und so geht’s: Die gebrochene Stelle schneidet man einfach mit dem Seitenschneider der Crimpzange raus. Die Kabelenden isoliert man rund einen Zentimeter ab. Beim Einsatz von Quetsch- und Stoßverbindern bleiben die Litzen der Kabelenden unberührt und werden in die Verbindungen von rechts und links eingeführt. Nur wenn so genannte Endverbinder in Lötverbindetechnik benutzt werden, müssen die Litzen der Kabel-enden zwingend verdrillt werden. Die Querschnitte der Verbindungen reichen von 0,2 bis 6,0 mm² und sind unterschiedlich farblich gekennzeichnet. Nun werden die gelben Quetschverbinder einfach mit der gelben Markierung an der Crimpzange zusammengedrückt.

Etwas anders funktioniert es mit den Lötverbindern. Mit einer Wärmequelle muss man die Lötstelle so lange erhitzen, bis sie beginnt zu schmelzen. Vorsicht bei offenen Heizquellen, wie beispielsweise einem Feuerzeug: Der Verbinder kann verbrennen, wenn er zu lange mit offener Flamme bearbeitet wird.

Beide Kabelverbinder sind mit einem Schrumpfschlauch ummantelt, der mit Heißschmelzkleber gefüllt ist. Unter Wärmezufuhr zieht sich der Schlauch zusammen, der Kleber wird flüssig und geht eine nur schwer lösbare Verbindung mit dem Kabel ein. Diese Variante der Kabelreparatur hat nach Ansicht von Experten die gleiche Qualität wie ein neues Kabel. Kleber und Schrumpfschlauch schützen die Nahtstelle gemeinsam vor Feuchtigkeit – ein Kurzschluss ist bei ordnungsgemäßer Reparatur nahezu unmöglich.

Schäden an Isolierungen

Auch beschädigte Isolierungen müssen umgehend repariert werden. Ein Notbehelf ist Isolierband. Zwar lässt es sich schnell anbringen und ist günstig, es birgt aber auch eine Menge Nachteile. Es löst sich beispielsweise wieder leicht von der Schadstelle, wenn diese schmutzig wird oder starken Hitzeschwankungen ausgesetzt ist. Überdies ist die Reparaturstelle nicht dauerhaft vor Feuchtigkeit geschützt. Professioneller und dauerhafter lassen sich Isolierungen mit selbstverschweißendem Schrumpfband reparieren. Aufgrund chemischer Zusammensetzung und Struktur reagiert das Band, wenn es unter Zug um die defekte Stelle gewickelt wird. Nur wenige Augenblicke später ist die Selbstverschweißung abgeschlossen und das Band auch von Hand nicht mehr abzuwickeln. Das Einsatzgebiet dieses Reparaturmittels ist vielseitig und erstreckt sich von der Kabelreparatur bis zur Notreparatur bei defekten Kühlerschläuchen.

Vorsicht bei Hochspannung

Noch ein Tipp: Wer mit Lötverbindern versucht, direkt in den Knickstellen zwischen Tür und A-Säule zu reparieren, wird wenig Erfolg haben. Denn die Lötverbindungen sind meist so starr, dass sie bereits nach wenigen Bewegungen erneut brechen. Ratsam ist, ein neues Stück Kabel einzusetzen und so die Platzierung der Lötverbinder in die Tür beziehungsweise die A-Säule zu verlegen. Gleiches gilt im übrigen auch für den Kofferraumdeckel.

Bei allen Reparaturvarianten sind zwei Dinge unerlässlich: handwerkliches Geschick und Grundkenntnisse in Sachen Elektrik. So sind beispielsweise Reparaturen an Hochspannungskabeln – wie die von der Zündanlage – mit herkömmlichen Mitteln nicht zu reparieren. Spannungsspitzen von bis zu 20 000 Volt und mehr könnten durch die Reparaturstelle durchschlagen. Defekte Zündkabel sind irreparabel. Sie müssen ersetzt werden. Gerade im Bereich der Zündanlage, wo häufig mehrere und oft teure Steuergeräte verbaut sind, vermeidet man so eventuelle kostenintensive Folgeschäden.

Wer sich an eine Kabelreparatur wagt, darf nicht vergessen, das zu reparierende Kabel stromlos zu machen. Motor und Zündung ausschalten hilft nur bedingt, denn Kabel, die Dauerplus führen, stehen ständig unter Strom. Sinnvoll und ratsam: Batterie abklemmen. Somit ist gewährleistet, dass die gesamte elektrische Anlage des Autos stromlos ist.

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