204694, 225635, 139537 Kittner-Gruppe geht in die Insolvenz

Redakteur: Andreas Wehner

Die Sanierungsbemühungen der angeschlagenen Handelsgruppe sind gescheitert. Das Unternehmen will am Dienstag einen Insolvenzantrag stellen. Ein erster möglicher Investor hat bereits Interesse an einem Einstieg bei Kittner bekundet.

Die Kittner-Gruppe wird voraussichtlich am Dienstag Insolvenzantrag stellen. Wie die Lübecker Unternehmensgruppe am Wochenende mitteilte, sehe die Geschäftsführung in dieser Maßnahme „die beste Möglichkeit, um das Unternehmen auf gesunder Basis neu aufzustellen und am Markt zu positionieren.“

Die monatelangen Restruturierungsbemühungen des in Schieflage geratenen Unternehmens sind damit gescheitert. Die Geschäftsführung sieht jedoch eine positive Zukunftsperspektive. Ziel sei weiterhin die Sanierung des Unternehmens, heißt es in der Mitteilung. Dazu wähle man das Instrument eines geordneten Insolvenzverfahrens.

Landesregierung zur Vermittlung eingeschaltet

Der Schritt wurde nötig, weil sich die am Restrukturierungsprozess beteiligten Banken nicht auf eine einheitliche Vorgehensweise einigen konnten. Nach Informationen der Zeitung „Lübecker Nachrichten“ scheiterte die Rettung des Unternehmens letztlich an der Zusage einer Bank.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 5 Bildern

Wie der „Norddeutsche Rundfunk“ (NDR) auf seinem Online-Auftritt berichtete, sei auch die schleswig-holsteinische Landesregierung zur Vermittlung eingeschaltet worden. Wirtschaftsminister Jost de Jager erklärte laut NDR, man sei seit Monaten bemüht gewesen, geeignete Investoren zu finden. Leider seien diese Bemühungen nicht von Erfolg gekrönt gewesen.

Möglicher Investor meldet sich

Die Rendsburger Kath-Gruppe hat am Montag Interesse an einem Einstieg bei Kittner bekundet. „Wir sind an Kittner interessiert“, sagte Geschäftsführer Hauke Drengenberg dem „Hamburger Abendblatt“. Kath ist VW-, Audi- und Skoda-Händler und hält vor allem diese Marken trotz der Branchenkrise für zukunftsfähig.

Mit Hansa-Übernahme verhoben

Kittner würde in enorme Liquiditätsschwierigkeiten geraten, wenn man jetzt nicht Insolvenz anmelde, begründete Geschäftsführer Wolfgang Mehte den Schritt gegenüber den „Lübecker Nachrichten“. Das Unternehmen sei bereits seit mehreren Jahren finanziell angeschlagen. Offenbar hat sich die Gruppe mit der Übernahme der Hansa-Autohäuser im Jahr 2004 verhoben. „Den Kauf dieser Autohäuser hat man nie strukturell verarbeitet“, sagte Mehte den „Lübecker Nachrichten“. Das habe zu einer aufgeblähten Verwaltung geführt.

Der Sanierungsexperte wurde im Juli zunächst als Generalbevollmächtigter ins Unternehmen geholt und ist seit August alleiniger Geschäftsführer. Sein Vorgänger Peter Weis ist inzwischen Geschäftsführer von Citroën Deutschland. Kittner hatte seit 2008 alle Unternehmensteile auf den Prüfstand gestellt und bereits mehrere Standorte geschlossen.

Zur Kittner-Gruppe gehören derzeit 30 Standorte mit insgesamt 1.250 Mitarbeitern in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Das Unternehmen verkauft Fahrzeuge der Marken Audi, BMW, Fiat, Jaguar, Land Rover, Mini, Opel, Porsche, Skoda, Toyota und Volkswagen. Außerdem betreibt Kittner mehrere Shell- und Esso-Tankstellen. Zusätzlich hält das Unternehmen Beteiligungen an Automobilgesellschaften in Estland, Lettland und Litauen, die dort als Generalimporteure für Porsche und VW sowie als Einzelhändler für diese Marken agieren.

(ID:327945)