Opel beerdigt lebenslange Garantie

Redakteur: Jens Rehberg

Opel hat sich offenbar bei den Kosten für die „lebenslange“ Garantie verkalkuliert und stampft sie schon wieder ein. Den Partnern nimmt Rüsselsheim damit ein wichtiges Instrument.

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Opel stellt die „lebenslange“ Garantie zum 31. Oktober 2011 ein. Sie wird durch eine herkömmliche Anschlussgarantie ersetzt, die für bis zu vier Jahre Laufzeit abgeschlossen werden kann. Hierfür müssen die Kunden mindestens 99 Euro pro Jahr bezahlen.

In einem Rundschreiben an die Händler argumentierte Vertriebs-Chefin Imelda Labbé, die Opel-Produkte würden von den Verbrauchern in letzter Zeit als so hochwertig wahrgenommen, dass die lebenslange Garantie nun nicht mehr notwendig sei. Der Kunde könne künftig selber entscheiden, welchen Grad an Absicherung er für sein Neufahrzeug möchte. Dafür muss er nun allerdings auch weit mehr als bisher bezahlen. Denn für die lebenslange Garantie zahlt der Kunde lediglich eine jährliche „Aktivierungsgebühr“ von rund elf Euro.

Ein Opel-Sprecher sagte auf Anfrage dieses Dienstes, die lebenslange Garantie sei eine wichtige vertrauensbildende Maßnahme in der Phase des Markenneustarts Mitte vergangenen Jahres gewesen. „Unsere Marktforschung zeigt uns jetzt aber, dass das Programm nicht mehr den gleich hohen Stellenwert wie in der Einführungsphase hat“, so der Sprecher. Man konzentiere sich nun auf die Einführung neuer Produkte.

Die Opel-Händler hatten die lebenslange Garantie als äußerst hilfreiches Kundenbindungsinstrument eingestuft. Ihr finanzieller Beitrag pro Fahrzeug liegt bei 150 Euro. Diese Leistung sollte erst vor Kurzem deutlich erhöht werden, was Händlervertreter jedoch ablehnten. Dass das Thema Kosten bei der Entscheidung in Rüsselsheim gegen das Garantiemodell eine Rolle spielte, bestätigte der Opel-Sprecher.

Ein weiterer Grund für die Einstellung des Garantieprogramms könnte die Klage der Wettbewerbszentrale gegen den Hersteller sein. Die Wirtschaftsinstitution wirft Opel im Zusammenhang mit der „lebenslangen Garantie“ irreführende Blickfangwerbung vor. Rechtsanwalt Dr. Andreas Ottofülling sagte auf Anfrage von »kfz-betrieb«, man führe Gespräche mit dem Hersteller in Bezug auf eine außergerichtliche Lösung. Die Wettbewerbszentrale fordert von Opel eine Unterlassungserklärung.

Image-Schaden befürchtet

Aus Händlerkreisen war am Donnerstag einhelliges Bedauern über die Entscheidung des Herstellers zu vernehmen. Die Partner befürchten zudem einen Image-Schaden, da das Programm erst seit etwas mehr als einem Jahr läuft und bei den Konsumenten überdurchschnittlich bekannt war.

Die Opel-Händler müssen Ihre Anzeigenmotive ab dem 1. November entsprechend anpassen. Auch auf ihren Internetseiten sollten ab diesem Zeitpunkt keine Banner oder sonstige Hinweise mehr auf die lebenslange Garantie sichtbar sein.

Die „lebenslange“ Opel-Garantie deckt alle wichtigen Bauteile ab – von Motor und Getriebe über Elektrik und Elektronik bis zu Kühlsystem und Klimaanlage. Bis 50.000 Kilometer Laufleistung kommt die Versicherung (Cargarantie) neben der Arbeitszeit für alle Materialkosten auf. Danach steigt der Anteil des Fahrzeugbesitzers von 10 Prozent (50.000 bis 60.000 km) bis 60 Prozent (100.000 bis 160.000 km).

Erhältlich ist die Garantie für Endkunden sowie für gewerbliche Flotten bis 25 Fahrzeuge. Für Gewerbekunden halten sich die Vorteile allerdings in zeitlichen Grenzen, denn die Anschlussgarantie endet auf jeden Fall nach 160.000 Kilometern.

Die Kunden müssen die Leistungen gegen eine Gebühr von 11,90 Euro und einen aktuellen Wartungs-Nachweis jährlich „aktivieren“.

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