Saab-Insolvenz: Händler sollten zahlen

Insolvenzverwalter: „Der Patient ist tot“

24.01.2012 | Redakteur: Jens Rehberg

Die Saab-Insolvenzverwalter wollten offenbar zuletzt verhindern, dass die Handelspartner Kosten für Ersatzteile mit noch ausstehenden Vergütungen für Garantiearbeiten verrechnen. „Nachdem die Händler in den letzten Jahren sowieso schon dahingedarbt haben, sollten sie jetzt auch noch für die letzten Verbindlichkeiten der Saab Automobile AB mit ins Boot geholt werden“, sagte Frank Jaenicke, Vorsitzender des Saab-Händlerverbands, am Dienstag im Gespräch mit »kfz-betrieb ONLINE«. Er geht jedoch derzeit davon aus, dass dieser Vorstoß wieder vom Tisch ist. „Wenn der Insolvenzverwalter das nicht akzeptiert, dann muss er uns hier vor dem Amtsgericht verklagen“.

Grundlage der Zusammenarbeit zwischen Saab und den etwa 80 ehemaligen deutschen Vertragspartnern ist zurzeit eine Liefervereinbarung, die den Händlern nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens Ende Dezember zugestellt wurde – zu diesem Zeitpunkt waren die Partnerverträge hinfällig geworden.

Kein Zugriff mehr auf Steuergeräte

Viele Kunden verkauften jetzt ihren Saab, weil sie unsicher seien, wie es um die Teileversorgung in Zukunft bestellt sein werde, so Jaenicke. Auch für die Saab-Werkstätten gebe es viele Unwägbarkeiten, die so schnell wie möglich geklärt werden müssten. So seien die Betriebe derzeit nur eingeschränkt in der Lage, Reparaturen auszuführen, weil die Online-Freigabe für den Zugriff auf Steuergeräte in den Fahrzeugen abgeschaltet worden sei. Beim Nachfolgeunternehmen in Schweden, das diese Prozesse in die Hand nimmt, müssten schließlich auch erst wieder entsprechende Systeme aufgesetzt werden. Frank Jaenicke: „Die verbliebenen Ansprechpartner bei Saab, die ich mit diesen und anderen Dingen konfrontiere, wirken im Moment überfordert.“

Obwohl sich die ehemaligen Saab-Partner längst alternative Fabrikate ins Haus geholt haben – Frank Jaenicke hat im Sommer 2011 einen Seat-Vertrag gezeichnet – und die derzeitige Situation nicht überraschend kam, sind die betroffenen Händler frustriert. „Die Saab-Händler weltweit sind diejenigen nach den Mitarbeitern beim Hersteller, die am meisten gebeutelt werden.“ Das gelte tragischerweise vor allem für die Kollegen, die noch bis zum Schluss Fahrzeuge verkauft hätten.

Der Verbandsvorsitzende kritisierte zudem erneut die späte Eröffnung der Insolvenz: „Es war doch bereits vor einem Jahr schon klar, dass das Geld nicht mehr reicht, selbst wenn man die Bänder nochmal hätte anwerfen können.“

Trotz allem sieht Jaenicke nicht völlig schwarz: „Wir haben mit dem Insolvenzverwalter und der Saab Parts AB endlich wieder Ansprechpartner, die sich zumindest selber als zuständig ansehen.“ Das sei beim Fahrzeughersteller in Trollhättan in den letzten Monaten anders gewesen – dieser hätte sich bei Problemen auf den Standpunkt zurückgezogen, den mittlerweile verfallenen Saab-Händlervertrag hätten die Partner ja mit der Saab Deutschland GmbH abgeschlossen, die wiederum seit eineinhalb Jahren nicht mehr existiert.

Auf Seite 2: Der Patient ist tot, blutet aber noch

Inhalt des Artikels:

»1 »2 nächste Seite


Kommentar zum Beitrag schreiben

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 389805) | Fotos: Archiv

3. Fabrikatshändlerkongress

Wann lohnt sich Kundenbindung? Wann geht sie auf Kosten der Rendite? Antwort geben die Referenten des 3. Fabrikatshändlerkongresses. Webseite und Programm

GVO: Online-Dossier zur Neuregelung
Die geänderten EU-Spielregeln
Die EU hat einen Paradigmenwechsel im Neuwagenhandel vollzogen. Was die neuen Bestimmungen besagen und was die Service-GVO bedeutet, zeigen Analysen von »kfz-betrieb« in Print und Online. Mehr
B2B-Veranstaltungskalender
Die Daten entscheidender Veranstaltungen für die Branche haben die Nutzer des B2B-Veranstaltungskalenders jederzeit in der Tasche: Die kostenlose App eignet sich für alle gängigen Smartphones. Weitere Infos
Showroom
Mit dem Lancer Evolution hat sich Mitsubishi längst in die Ruhmeshalle des legendären Bergrennens am Pikes Peak eingeschrieben. Nun wollen die Japaner mit ihrem Elektroauto nachlegen. lesen
Umfrage
Umfrage
Staat will Spritpreise kontrollieren
Die Bundesregierung hat die Einrichtung einer neuen Meldebehörde beschlossen, um die Preispolitik der Ölkonzerne zu kontrollieren. Die Tankstellen müssen künftig detailliert über ihren Einkauf und ihre Preisbildung Auskunft erteilen.
Wird sich dadurch für die Kunden etwas verbessern?

Ein bisschen, schließlich kommt auf diese Weise Transparenz in die Preisbildung
Ja, dadurch wird es gelingen, den Ölkonzernen Missbrauch nachzuweisen
Nein, die Maßnahme wird die Preisgestaltung in keinster Weise beeinflussen
Abstimmen
Ergebnisse anzeigen
GEZ-Rechner
Die Reform der GEZ-Gebühren wird wohl teuer für die Kfz-Betriebe. Welche Kosten auf ein Unternehmen mit seinen Filialen und Mitarbeitern ungefähr zukommen, verrät der GEZ-Rechner.
Showroom
Die KÜS-Sachverständigen präsentieren

Ein Jahrhundert im Dienst der Branche - »kfz-betrieb« feiert  Geburtstag. Seien Sie mit dabei, blicken Sie zurück und versuchen Ihr Glück bei einem Gewinnspiel!

Zum Spezial 100 Jahre »kfz-betrieb«

Geschäftsdrucksachen für Kfz-Werkstätten

Vogel Forma beliefert Kfz-Reparaturbetriebe in ganz Deutschland mit Formularen und Geschäftsdrucksachen. Zum Portfolio gehören zudem Organisations- und Betriebsmittel.

Zum Online-Shop von Vogel Forma