Autohaus Hansa beantragt Insolvenz
Die einst so stolze Kittner-Gruppe steht kurz vor der Auflösung. Die letzten VW- und Audi-Betriebe werden in diesen Tagen verkauft, die Opel-Gesellschaft hat große Probleme.

Das Autohaus Hansa mit Hauptsitz in Lübeck (Opel, Fiat Service) hat am Donnerstag einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Wie das Unternehmen in einer Mitteilung weiter bekannt gab, kann der Betrieb an den vier Autohaus-Standorten in Lübeck, Bad Schwartau, Bad Oldesloe und Eutin mit allen 96 Mitarbeitern jedoch uneingeschränkt weiterlaufen.
Wie es heißt, werde bereits seit einiger Zeit ein Investor für das Unternehmen gesucht, das zur Kittner Verwaltungsgesellschaft mbH gehört. Auf Anfrage dieses Dienstes sagte eine Sprecherin, man habe unter anderem nicht mehr die Mittel gehabt, um einen dem Markt angemessenen Gebrauchtwagenbestand zu unterhalten. Auf den Höfen der vier Betriebe hätten zuletzt „deutlich unter 200“ Fahrzeuge gestanden. Über das im vergangenen Jahr erzielte Absatzvolumen machte die Sprecherin keine Angaben.
Gespräche mit Kaufinteressenten hätten bislang deshalb nicht zum Abschluss gebracht werden können, weil kritische Belastungen wie Mieten aus bestehenden Veträgen nicht hätten aufgelöst werden können.
Hansa-Geschäftsführer Michael Lucht ist dennoch optimistisch: „Ich bin zuversichtlich, dass die Gespräche nun zu einem positiven Abschluss gebracht werden und wir somit insbesondere die Verunsicherung bei den Kunden, Lieferanten und Mitarbeitern wieder ausräumen können.“
Das dürfte jedoch nicht einfach werden. Denn das Hamburger Opel-Schwergewicht Dello hatte bereits vor Jahren angekündigt, in Lübeck mit einem imposanten Neubau Fuß fassen zu wollen. 5,5 Millionen Euro sollen nach früheren Angaben investiert werden. „Wir rechnen damit, dass spätestens bis Anfang September die Baugenehmigung erteilt ist, dann legen wir sofort los", sagte der geschäftsführende Dello-Gesellschafter Kurt Kröger am Freitag im Gespräch mit »kfz-betrieb ONLINE«. Das entsprechende 10.000 Quadratmeter große Grundstück habe man vor einigen Monaten erworben.
VW-, Audi- und Porsche-Geschäft bei Kittner ist Geschichte
Im vergangenen Monat hatten das Autohaus Ahnefeld in Schwerin sowie Auto Birne in Bad Doberan die verbliebenen VW-, Audi- und Porsche-Betriebe der Kittner-Gruppe in Mecklenburg-Vorpommern mit insgesamt rund 200 Mitarbeitern übernommen. Die Übernahme der restlichen VW-, Audi- und Porsche-Betriebe in Schleswig-Holstein durch einen weiteren Investor steht offenbar kurz bevor.
2004 hatte Kittner dem Possehl-Konzern die Auto Hansa GmbH mit 15 Standorten abgekauft und damit sein bisheriges Volkswagen/Porsche-Portfolio um die Marken Opel, BMW, Mini, MG, Rover, Jaguar und Land Rover erweitert. Die Gruppe hatte jedoch offenbar Probleme, die umfangreiche Übernahme strukturell zu verarbeiten. Der ehemalige Kittner-Geschäftsführer Wolfgang Mehte räumte 2009 ein, man sei der aufgeblähten Verwaltung nie wirklich Herr geworden.
Eineinhalb Jahre nachdem Kittner im Frühjahr 2008 in Lübeck das Mega-Projekt „Autoarcaden“ – ein 54.000 Quadratmeter großer Mehrmarkentempel – eröffnet hatte, schrammte die Gruppe nur um Haaresbreite an einer Insolvenz vorbei. Rund zwölf Millionen Euro hatte man zu einem ungünstigen Zeitpunkt in den Lübecker Prestigebau investiert. Dazu kamen teure Engagements auf fremden Märkten wie dem Baltikum und Dubai.
Die Banken, die seit Ende 2009 bei Kittner das Sagen haben, versuchten seither, die Autohausgruppe Stück für Stück zu sanieren und zu verkaufen. Im vergangenen Jahr zählte die Gruppe noch 20 Betriebe mit rund 760 Mitarbeitern. Vier Jahre zuvor hatte Kittner an 42 Standorten noch über 1.200 Beschäftigte gehabt.
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