Fiat-Händlerverband wirbt um Alfa-Partner
Der Fiat-Konzern vertreibt mehrere Marken, deren Partner von mehreren Verbänden vertreten werden. Gegen diese Zersplitterung regt sich nun Widerstand – am Alfa-Händlerbeirat vorbei.

Der Zustand der Marke Alfa Romeo gibt Anlass zur Sorge. Dies sieht zumindest Karl Jungkeit so, selbst Händler der Marke und bis Ende 2008 Vorsitzender des Alfa-Händlerbeirats. Aus diesem Grund wirbt er dafür, die Anliegen der Alfa-Händler, die mehrheitlich mit weiteren Marken des Fiat-Konzerns verbunden sind, künftig vom Verband der Fiat Konzern-Händler und -Servicebetriebe Deutschlands vertreten zu lassen. „Ein großer Verband ist unabdingbar angesichts der Probleme“, sagte Jungkeit während eines Pressegesprächs am Dienstag in Frankfurt.
Rund 140 Händler (Stand Dezember 2012) vertreten neben den zwölf Niederlassungsstandorten derzeit die italienische Marke in Deutschland. Sie mussten sich im vergangenen Jahr 7.500 Neuzulassungen teilen – bei einer Eigen- und Werkszulassungsquote von 43 Prozent. Im ersten Quartal 2013 sind die Zulassungen nochmals um 60 Prozent eingebrochen. „Die Händler haben investiert und brauchen jetzt wieder eine Rendite. Doch dazu braucht die Marke eine Zukunft“, umriss Jungkeit die schwierige Situation. Die Wirklichkeit sieht anders aus, das Fabrikat blutet förmlich aus.
Hilfe bei der Schwestermarke
Laut Wilfried Blöbaum, Vorsitzender des Fiat-Konzernverbands (dem früheren Fiat- und Lancia-Händlerverband), wenden sich in der aktuellen Krise viele Alfa-Händler an den Verband, der laut Statut für Händler aller Konzernmarken offensteht. „Zwei Drittel der aktuellen Alfa-Händler sind bereits beim Konzernverband“, so Wilfried Blöbaum. Somit vertrete man „die Mehrheit der Alfa-Händler“. Dieser Entwicklung spielt dabei natürlich in die Karten, dass viele Alfa-Romeo-Händler auch Fiat-Händler sind. „Diese Struktur-Synergien gilt es zukünftig zu nutzen“, forderte Jungkeit. Die Arbeitskreise zu EDV, Aftersales, Betriebswirtschaft und Schulung deckten inhaltlich schon jetzt Alfa Romeo und Fiat gemeinsam ab.

Für Blöbaum und Jungkeit ist ein Neustart einer starken Interessenvertretung der Händler notwendig. Mit Problemen seitens des Importeurs rechnet der Vorsitzende des Fiat-Konzernverbands dabei nicht. Vor allem aber müsse die drohende Zersplitterung der Interessenvertretung im Bereich der Konzernmarken abgewendet werden. In diesem Sinne seien auch die früheren Chrysler-Händler eingeladen, in einem starken Konzern-Verband mitzuarbeiten.
Perspektivisch werde sich die verstärkte Vertretung der Alfa-Romeo-Händler auch strukturell auf den Verband auswirken: der Vorstand soll um mindestens eine Person wachsen, die dann die sportlichen Italiener repräsentieren wird.
Alfa-Romeo-Verband sieht Ursachen beim Hersteller
Antje Woltermann, Geschäftsführerin des Alfa-Romeo-Händlerverbands, der bis zur geplanten Gründung des „Alfa Romeo Lancia Jeep Parnerverbands“ die Interessen der Alfa-Romeo-Verbands vertritt, hat für das offensive Händlerwerben des Fiat-Konzernmarkenverband und die offene Kritik an ihrer Verbandsarbeit kein Verständnis: „Es geht dem Fiat-Konzernverband dabei ganz offensichtlich nicht um die Interessen der Alfa-Romeo-Händler, weil man in dem Fall versucht hätte, sich mit uns zusammenzusetzen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Auf diesen Weg wird der Fiat-Konzernverband die Probleme der Händler nicht lösen können.“
Die beiden größten Probleme des Fabrikats seien, dass es schlichtweg keine Modelle gebe und dass die Ansprechpartner des Frankfurter Importeurs ständig wechselten, was eine Zusammenarbeit deutlich erschwere. „Wir arbeiten sehr eng mit dem europäischen Alfa-Romeo-Verband zusammen und die Kollegen kämpfen mit denselben Problemen“, berichtet Antje Woltermann.
(ID:39197800)