Mercedes kündigt Vermittlerabkommen

Autor Stephan Richter

Mercedes hat seinen Servicepartnern die Vermittlungsverträge für Nutzfahrzeuge gekündigt. Die Gründe und ein fehlendes Folgemodell sorgen bei den Partnern für Unmut.

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Verbandssprecher Thomas Bartmann kritisiert die Vorgehensweise von Mercedes-Benz Vertrieb Deutschland.
Verbandssprecher Thomas Bartmann kritisiert die Vorgehensweise von Mercedes-Benz Vertrieb Deutschland.
(Foto: Archiv)

Der Mercedes-Benz Vertrieb Deutschland (MBVD) hat seinen 479 Vermittlern zum 25. April 2014 mit Wirkung zum 30. April 2015 die Verträge für Transporter und Lkw gekündigt. Der Verband der Vermittler und Servicepartner für Mercedes-Benz e.V. (VVMB) habe von diesen Plänen gewusst und sich dagegen ausgesprochen, dass die Kündigung ohne ein ausgehandeltes Folgesystem verschickt wird, erklärte Verbandssprecher Thomas Bartmann auf Nachfrage.

In der Vergangenheit wurden die Kündigung und das unterschriftsreife Angebot eines Folgevertrags immer zeitgleich verschickt. Der MBVD habe stets einen offenen Austausch mit der Verband gepflegt. Jetzt habe der Hersteller damit gebrochen und die Kündigung damit begründet, dass das Vermittlersystem weder zeitgemäß noch wirtschaftlich sinnvoll wäre, sagte Bartmann. Sehr zur Enttäuschung der Vermittler, für die das Geschäft bislang sehr wertvoll war – auch vor dem Hintergrund des steigenden Wettbewerbs auf dem Servicemarkt.

MBVD schwächt die Servicepartner

Schon die Vergangenheit habe gezeigt, dass der MBVD seine Vertreter und Niederlassungen bevorzugter behandele als seine Servicepartner, kritisierte Bartmann. Im gekündigten Zustand neue Verträge auszuhandeln, sei dem Ergebnis nicht förderlich, fürchtet Bartmann. Zumal es keine dringende Notwendigkeit für die Kündigung gegeben habe.

Eine Sprecherin des MBVD erklärte auf Nachfrage, dass sich der Hersteller bereits seit langem mit dem VVMB in Gesprächen befinde. In den nächsten Monaten würden sich beide Parteien weiter austauschen. Mercedes prüfe derzeit unterschiedliche Szenarien, wie der Hersteller sein Vertriebs- und Servicenetz in einem sich verändernden deutschen Markt zukunftsorientiert ausrichten wolle.

Pkw-Geschäft noch nicht betroffen

„Bislang betrifft die Kündigung nur die Nutzfahrzeug-Sparte. Der MBVD hat jedoch schon Signale gesendet, dass er künftig auch das Pkw-Geschäft besprechen möchte. Hierfür gibt es aber noch keine Zeitleiste oder Inhalte“, sagte Bartmann. Ein vom MBVD angedachtes Modell für die Nutzfahrzeuge sieht jetzt vor, dass der Hersteller nicht mehr als Vertragspartner bei den Vermittlungen auftritt, sondern ausschließlich die Vermittler und die Absatzmittler.

Der Hersteller könne dabei aber den Niederlassungen die Art des abzuschließenden Abkommens vorgeben, den Vertretern nur empfehlen. Zudem sollen die Absatzmittler zukünftig die Provision des Vermittlers aus eigenen Mitteln bestreiten.

Die Kündigung habe viele Mitglieder motiviert, sich beim VVMB zu melden, sagte Bartmann. Die Diskussionen und Vorschläge seien sehr hilfreich für die kommenden Verhandlungen. Klares Ziel sei es nun mehr denn je, konkrete Ertragsalternativen für die Vermittler aufzuzeigen.

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