Datenbank gegen Tachomanipulation

Autor / Redakteur: Steffen Dominsky / Steffen Dominsky

Der AvD hat mit der Allianz AG und der Software GmbH die Initiative „Gegen Tachomanipulation e.V.“ ins Leben gerufen. Eine zentrale Datenbank soll für eine nachprüfbare Kilometerhistorie sorgen.

Mithilfe der „Initiative gegen Tachomanipulation e.V.“ will der Automobilclub von Deutschland (AvD) gemeinsam mit der Allianz Versicherung sowie der Werbas AG und der Bochumer Software GmbH Tachofrisierern den Handwerk legen oder die Manipulation zumindest erschweren. „Das Thema Tachomanipulation geistert schon seit Jahren durch die Medien. Schadensbegrenzung war bisher nicht wirklich möglich“, erklärt Matthias Braun, Generalsekretär des AvD. Auch sein Club will ein eindeutiges Zeichen für den Verbraucherschutz setzen, womit sich bislang vor allem der ADAC hervorgetan hat.

Kernstück der Initiative ist eine Datenbank, die die Kilometerstände von Fahrzeugen erfasst, dokumentiert und Interessenten zur Verfügung stellt. „Das sind potenzielle Gebrauchtwagenkäufer genau so wie die Verkäufer dieser Fahrzeuge“, erklärte Wolfram Stein, Geschäftsführer der Bochumer Software GmbH, während der Vorstellung der Initiative. Sein Unternehmen bietet unter den Namen „Car-Pass“ bereits ein Datenbankkonzept an, das – wie „Carfax“ aus den USA – in der Lage ist, Fahrzeughistorien anzulegen und zu verwalten.

Initiative auf Basis eines Vereins

Da eine wirksame Verbreitung derartiger Konzepte bisher an datenschutzrechtlichen Voraussetzungen hierzulande scheitert, setzen die Macher der Datenbank gegen Tachomanipulation auf das Prinzip der Freiwilligkeit unter dem Dach eines eingetragenen Vereins. Halter, die die Kilometerhistorie ihres Fahrzeugs preisgeben wollen, müssen Mitglied in dem Verein werden, was für sie kostenlos ist.

„Füttern“ sollen das System mit Kilometerständen „aktive“, sprich zahlende Mitglieder wie Kfz-Betriebe, Gutachter, Prüfgesellschaften – für sie wird ein Beitrag von 60 bis 90 Euro pro Jahr fällig. Diese Mitglieder will die Bochumer Software GmbH zudem „verifizieren“, bevor sie ihnen Zugriff auf das System gewährt. Entsprechende Schnittstellen für DMS-Systeme hat das Unternehmen bereits eingerichtet, womit sich der Aufwand für die „Kilometerstandsgeber“ in Grenzen halten soll. Zudem plant die Initiative mit sogenannten „Fördermitgliedern“, die insbesondere aus der Automobilindustrie kommen sollen.

Versicherer sieht technische Gefahren

Außer den Kilometerständen in Bezug zur jeweiligen Fahrgestellnummer (FIN) und dem entsprechenden Datum des Eintrags sollen keine weiteren halterbezogenen Daten gespeichert werden. Die Kilometerangaben sollen Interessenten gegen eine Gebühr von zirka fünf Euro pro Aufruf einsehen können. Ob diese eine Autorisierung benötigen, ist bislang noch offen. Fahrzeuginhaber sollen jederzeit die Datenhoheit über ihr Fahrzeug haben, es aus der Datenbank auch wieder entfernen können, sagte Stein.

Erster Prominenter Unterstützer der Initiative ist die Allianz AG: Was nach Erkenntnissen der Münchener Polizei passiert – laut deren Angaben weisen rund 30 Prozent aller gebrauchten Pkw einen manipulierten Kilometerstand auf –„ ist eine Riesensauerei“, erklärte Allianz-Vertreter Christian Weishuber auf der Pressekonferenz. „Das Verfälschen der tatsächlichen Kilometerlaufleistung eines Fahrzeugs sei nicht nur ein finanzieller Schaden, den der Gebrauchtwagenverkäufer erleidet.

Vielmehr berge diese Praktik das unkalkulierbare Risiko technischer Defekte und Unfälle, ergänzte Carsten Reinkemeyer, Leiter der Sicherheitsforschung im Allianz Zentrum für Technik (AZT). Aus diesem Grund engagiere sich der Versicherer im Rahmen der Initiative, wobei Reinkemeyer zugleich deutliche verbesserte Sicherheitsmaßnahmen von den Autoherstellern fordert, um es den Tachomanipulierern signifikant schwerer zu machen, als es bisher der Fall ist.

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